Sonntag, 11. Dezember 2016

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Bürger retten statt Banken 10.000 Euro für jeden Bürger

EZB-Tower in Frankfurt: Auch die EZB wird wohl zum "Quantitative Easing" übergehen, den direkten Ankauf von Wertpapieren. Das Volumen dürfte rund drei Billionen Euro betragen

Das frisch gedruckte Geld der Notenbanken kommt in der Realwirtschaft nicht an. Anstatt es in den Finanzsektor zu pumpen, sollte die EZB es den Bürgern in der EU direkt überweisen: 10.000 Euro je Kopf.

Im Jahre sechs der Finanz- und Euro-Krise und zwei Jahre nach der magischen Rettung des Euro durch Mario Draghis Versprechen, "alles Erforderliche zu tun", ist kein Ende der Krise in Sicht. Auch wir in Deutschland, die wir uns in den letzten Jahren der freudigen Illusion hingeben konnten, die Krise würde uns verschonen, dürften angesichts der enttäuschenden Wirtschaftsdaten endlich erkennen, dass wir uns von der Misere, die uns umgibt, nicht abkoppeln können.

Die Fakten sind eindeutig: Die Wirtschaft in Europa stagniert, das Bankensystem ist immer noch nicht saniert. Die Schulden wachsen in den Krisenländern weiter schneller als die Wirtschaft. In Irland liegt die Verschuldung von Staat, Privaten und Unternehmen relativ zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) 84 Prozent über dem Stand von 2008. In Portugal (69 Prozent), Griechenland (55), Spanien (40), Frankreich (34) und Italien (27) sieht es nur geringfügig besser aus.

Die einsetzende Deflation, zwangsläufige Folge von Überschuldung und Wirtschaftskrise, macht es noch schwerer, den Anstieg der Schulden zu begrenzen.

Bereits im Februar habe ich an dieser Stelle erklärt, dass die Geldpolitik in einem solchen Umfeld wirkungslos ist. Billiges Geld hilft nur dann, wenn die potentiellen Schuldner noch über beleihbares Eigentum verfügen und auch bereit sind, dieses Eigentum zu beleihen, weil sie attraktive Investitionsmöglichkeiten sehen. In einem Umfeld der Rezession sehen Unternehmen dies nicht, und private Haushalte werden sich ebenfalls mit neuen Schulden zurückhalten, wenn Arbeitslosigkeit droht und die Preissteigerung gering ist.

Wenn nun aber alle sparen, also versuchen, bestehende Schulden abzutragen, fließt das "frische Geld" der Notenbanken eben nicht in die Realwirtschaft sondern in die Finanzmärkte, wo es die Vermögenspreise treibt. Die amerikanische Notenbank Fed hat es sogar zum eigentlichen Ziel erklärt, über diesen "Vermögenseffekt" den Konsum anzukurbeln.

Da naturgemäß nur jene, die über Vermögen verfügen, davon profitieren, kommt es zu einer zunehmend ungleichen Vermögensverteilung, was dann bei Ökonomen wie Thomas Piketty und Politikern aller Couleur den Ruf nach mehr Umverteilung verstärkt. Die Realwirtschaft jedenfalls hat nichts davon.

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