Samstag, 21. Oktober 2017

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Bürger retten statt Banken 10.000 Euro für jeden Bürger

EZB-Tower in Frankfurt: Auch die EZB wird wohl zum "Quantitative Easing" übergehen, den direkten Ankauf von Wertpapieren. Das Volumen dürfte rund drei Billionen Euro betragen

4. Teil: Warum das frisch gedruckte Geld nicht den Bürgern direkt geben?

Frisches Geld nutzt jenen am meisten, die es als Erstes bekommen. Diesen Effekt hat der irische Ökonom Richard Cantillon bereits im Jahre 1734 beschrieben. Zurzeit profitieren die Akteure an den Finanzmärkten und die Banken von dem Cantillon-Effekt: Sie können früher als andere Finanzassets nachfragen und auf diese Weise relativ risikolose Erträge erwirtschaften. Die Realwirtschaft profitiert davon jedenfalls nicht, wie wir beobachten können.

Wäre es nicht besser, stattdessen das frische Geld den Bürgern direkt zu geben?

Überschuldete Haushalte in den Krisenländern könnten das Geld zur Schuldentilgung verwenden; Haushalte ohne Schulden zu mehr Konsum. Die Wirkung für die Realwirtschaft wäre in jedem Fall positiv. Eine solche Überlegung ist nicht neu. Der australische Ökonom Steve Keen hat eine solche Idee schon vor einigen Jahren vorgetragen. Jetzt fordern es der amerikanische Professor Mark Blyth und der Hedgefondsmanager Eric Lonergan in einem Beitrag für Foreign Affairs.

Ich selbst habe im Jahr 2010 angeregt, die Fed sollte statt Wertpapieren einfach Häuser kaufen. Alleine schon die Ankündigung eines Mindestpreisniveaus für Immobilien hätte den US-Immobilienmarkt stabilisiert und damit Konsumnachfrage und Wirtschaftswachstum. Verglichen mit den bisher aufgewendeten Billionen für Wertpapierkäufe hätte es sich zudem um einen relativ überschaubaren Betrag gehandelt.

In den Ländern mit Immobilienblasen wie Spanien und Irland hätte das auch funktioniert, hätte aber eine erhebliche Umverteilung zwischen Ländern bedeutet. Deshalb wäre es besser, jedem Einwohner der Euro-Zone unabhängig von Wohnort und Bedürftigkeit den gleichen Betrag zu überweisen.

Über welche Beträge sprechen wir? Bei rund 330 Millionen Einwohnern in der Euro-Zone und einem angenommenen Quantitative Easing von drei Billionen Euro sind das immerhin fast 10.000 Euro pro Kopf. "Undenkbar!" werden jetzt einige rufen, andere die fehlende "soziale Komponente" bemängeln. Doch ist es wirklich gerechter, das Geld dem Finanzsektor zu geben?

Das eigentliche Risiko ist ein anderes: der Bevölkerung würde klar, dass in unserem Geldsystem Geld wahrlich "aus dem Nichts" geschaffen werden kann. Das Vertrauen könnte schwinden und die Rufe nach einer Reform der Geldordnung lauter werden. Hierin liegt aber auch die entscheidende Chance wie die Diskussion in der Schweiz über die Einführung von Vollgeld eindrücklich unterstreicht.

Diesen Text veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung von Daniel Stelter, beyond the obvious

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