Donnerstag, 28. Juli 2016

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Prozess wegen Euribor-Zinsmanipulation Der Gewittermacher der Deutschen Bank: Skandalbanker Bittar vor Gericht

Christian Bittar: Der ehemalige Topverdiener der Deutschen Bank verlässt den Westminster Magistrates Court in London. Ex-Banker von Barclays, der Deutschen Bank und der SocGen müssen sich wegen Manipulationen des Euribor-Zinssatzes verantworten. Bittar kam gegen Zahlung einer Kaution von einer Million Pfund auf freien Fuß

Als Christian Bittar noch für die Deutsche Bank tätig war, verdiente der Top-Händler zeitweise mehr Geld als Ex-Bankchef Josef Ackermann. Nun muss sich Bittar wegen des Euribor-Zinsskandals vor Gericht verantworten - und erhält rechtlichen Beistand vom Bruder des Premierministers.

Christian Bittar ist große Summen gewohnt: Während der Finanzkrise soll der aus Frankreich stammende ehemalige Top-Händler der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen mit 80 Millionen Euro den höchsten Bonus-Anspruch in der Geschichte des Bankhauses eingeräumt bekommen haben. Sein Einkommen lag zeitweise deutlich über dem Einkommen seines damaligen Chefs, Josef Ackermann.

Dass ihn ein Londoner Gericht heute zur Zahlung einer Kaution in Höhe von einer Million Pfund verpflichtet hat, damit er auf freiem Fuß bleiben kann, dürfte Bittar verkraften. Der Angeklagte leistet sich mit Alexander Cameron, dem Bruder des britischen Premierministers, schließlich auch einen prominenten und nicht ganz preisgünstigen Rechtsbeistand. Der Derivate-Spezialist Bittar, der lange Zeit viel Geld in die Kassen spülte und heute in Singapur lebt, war 2011 von der Deutschen Bank entlassen worden.

Bittar ist einer von elf Bankern, die laut Staatsanwaltschaft den Euribor-Zins durch Absprachen manipuliert haben sollen. Sie sollten sich deshalb am Montag in London vor dem Westminster Magistrates Court zu einer Anhörung einfinden. Die Vorwürfe der Strafverfolger richten sich gegen Händler der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen, der britischen Barclays Börsen-Chart zeigen sowie der französischen Großbank Societe Generale.

Bittar weist Vorwürfe zurück

Angestrengt hatte die Ermittlungen die für Wirtschaftskriminalität zuständige britische Behörde Serious Fraud Office (SFO), die als unabhängige Abteilung der britischen Regierung nur dem Generalstaatsanwalt unterstellt ist. Der Vorwurf lautet auf gemeinschaftlichen Betrug. Die Banker sollen zum eigenen Vorteil am europäischen Referenzzinssatz Euribor - dem kleinen Bruder des Libor - geschraubt haben. Deutsche Bank, Barclays und Societe Generale wollten sich zur Sache nicht äußern. Bittar weist die Vorwürfe zurück, wie seine Anwälte bereits klargestellt haben.

Die Deutsche Bank hatte wegen der Manipulation des Euribor im vergangenen Jahr 2,5 Milliarden Dollar gezahlt. Die britische Finanzaufsicht FCA hatte damals aus E-Mails und Internet-Chats unter den Händlern zitiert, die auf eine Beteiligung Bittars schließen ließen. In London liefen bereits mehrere Prozesse wegen Zinsmanipulationen. Zuletzt stand etwa Tom Hayes, ein ehemaliger Händler von Citibank und UBS, wegen Libor-Tricksereien vor Gericht und wurde zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt.

Im aktuellen Verfahren geht es nun erstmals konkret um den Euribor. Von den elf beschuldigten Bankern erschienen lediglich sechs vor Gericht: Außer Christian Bittar waren ehemalige Mitarbeiter von Barclays und SocGen (Colin Bermingham, Philippe Moryoussef, Sisse Bohart, Achim Kraemer und Carlo Palombo) anwesend. Sie alle wurden zur Zahlung einer Kaution von maximal 150.000 Pfund verpflichtet, lediglich bei dem in Singapur lebenden Bittar wurde die Kaution deutlich höher angesetzt.

Vier ehemalige Mitarbeiter der Deutschen Bank sowie ein Ex-Mitarbeiter der britischen Barclays waren nicht persönlich in London erschienen. Sie ließen sich durch Anwälte vertreten und gaben für ihre Abwesenheit verschiedene Gründe an, darunter auch laufende Ermittlungen in Deutschland.

Der Skandal um Manipulationen des Euribor- und des Libor-Zinssatzes hat weltweit Untersuchungen der Finanzaufsicht und der Strafverfolgungsbehörden ausgelöst. Banken und Handelshäuser haben bislang Bußgelder in Höhe von 9 Milliarden Dollar gezahlt, mehr als 30 Banker wurden bislang angeklagt.

la mit Material von reuters

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