Mittwoch, 20. September 2017

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Boom der erneuerbaren Energien 244 Milliarden Dollar für Solar, Wind und Co.

Neuer Boommarkt: Japan setzt nach der Katastrophe von Fukushima verstärkt auf Solarengie

Konzerne, Geldhäuser und Privatleute haben im vergangenen Jahr weltweit 244 Milliarden Dollar in erneuerbare Energien investiert. Das ist ein Rückgang um 12 Prozent - dennoch wurden so viele Solar- und Windkraftanlagen wie nie zuvor installiert.

Frankfurt/Main - Der rasante Anstieg der Investitionen in erneuerbare Energien ist vorerst gestoppt. 2012 floss erstmals seit Jahren wieder weniger Geld in den Ausbau der grünen Branche.

Nach einem am Mittwoch an der Frankfurt School of Finance & Management vorgelegten Bericht des UN-Umweltprogramms UNEP sanken die Investitionen in erneuerbare Energien im vergangenen Jahr um 12 Prozent auf 244 Milliarden US-Dollar (knapp 184 Milliarden Euro). Nach zweistelligen Wachstumsraten zuletzt ist dies das erste Minus seit der Finanzkrise 2009, als die Investitionen leicht um 2 Prozent zurückgingen.

In die Rechnung fließen unter anderem Projekte in den Bereichen Fotovoltaik, Windenergie, Solarthermie, Geothermie, Biomasse und kleine Wasserkraft ein. Investitionen in große Wasserkraftwerke sind nicht berücksichtigt.

Schwellenländer holen auf

Verantwortlich für den Investitionsrückgang seien vor allem die Unsicherheiten über die Förderpolitik in Europa und den USA sowie sinkende Herstellungskosten für Solarenergien. Das Investitionsvolumen sei aber immer noch enorm und liege um 8 Prozent über dem Niveau von 2010, sagte Silvia Kreibiehl vom UNEP-Kooperationszentrum an der Frankfurt School. Tatsächlich wurde nur 2011 noch mehr Geld in die globale Energiewende gesteckt.

Trotzdem wurden 2012 weltweit mehr Solar- und Windkraftanlagen als jemals zuvor installiert. Die Fotovoltaik legte auf 30,5 Gigawatt zu (davon Deutschland: 7,6 Gigawatt), die Windkraft auf 48,4 Gigawatt (davon Deutschland: 2,4 Gigawatt). Der Grund für die Diskrepanz zwischen sinkenden Investitionen und wachsender Installationsleistung sind die gesunkenen Anlagenpreise sowie Fälle, in denen Finanzierung und Netzanschluss nicht in dasselbe Kalenderjahr fallen.

Positiv ist aus Sicht der Experten zudem die Entwicklung in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Während in Industrieländern 29 Prozent weniger investiert wurde (132 Milliarden Dollar), floss in den Schwellen- und Entwicklungsländern die Rekordsumme von 112 Milliarden US-Dollar (plus 19 Prozent) in den Ausbau der erneuerbaren Energien. Damit nähern sich die Summen allmählich an. Fünf Jahre zuvor hatten Industrieländer noch mehr als das Zweieinhalbfache in diesem Bereich investiert, inzwischen ist der Vorsprung auf 15 Prozent geschrumpft.

Fukushima-Katastrophe löst Solarboom in Japan aus

In China flossen 2012 die größten Summen in den Ausbau der erneuerbaren Energien: Das Investitionsvolumen dort stieg um 22 Prozent auf 67 Milliarden US-Dollar - mehr als ein Viertel der globalen Gesamtinvestitionen, heißt es im Bericht "Global Trends in Renewable Energy Investment". Mit weitem Abstand folgen die USA (36 Milliarden, minus 34 Prozent).

Im krisengeplagten Europa sank die Investitionssumme 2012 um etwa 40 Prozent auf 80 Milliarden Dollar. Damit bleibt Europa aber die Region, in der weltweit am meisten Geld in alternative Energiequellen fließt.

Einen Boom erleben die erneuerbaren Energien in Japan. Die Investitionen stiegen 2012 um 73 Prozent auf 16 Milliarden Dollar - hauptsächlich in die Fotovoltaik. Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima hatte der Staat ein Vergütungssystem nach Vorbild des deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetz eingeführt.

nis/dpa

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