Freitag, 17. August 2018

Elektroauto-Kaufprämie Darum sind Subventionen für Tesla-Fahrer sinnvoll

Elektroauto, Ladesäule

Die Elektroauto-Kaufprämie ist für Verfechter des schlanken Staates pure Sünde. Wie kann sich die Regierung nur derart in eine Konsumentscheidung der Bürger einmischen? Und dann auch noch auf eine so dilettantische Weise, so dass der "Umweltbonus" (angeblich) wenig abgerufen, aber sogar an reiche Tesla-Käufer ausgeschüttet wird.

Tatsächlich ist die Kaufprämie zu Unrecht ein Prügelopfer. Zwar gibt es Mitnahmeeffekte wie bei jeder derartigen Maßnahme. Und sicher war die Abwrackprämie 2009 "beliebter", weil der Staat sie für jeden Neuwagen-Kauf zahlte.

Unterm Strich aber bewirkt der Elektro-Bonus genau das, was er tun soll: Er kurbelt offensichtlich den Verkauf von Elektroautos an. Das zeigen Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) und des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa), das die Anträge entgegen nimmt.

Im Sommer 2016, als die 4000-Euro-Prämie (3000 Euro für Plugin-Hybride) erstmals gewährt wurde, registrierte das KBA um die 1800 Zulassungen von Elektroautos im Monat. Seither ging es aufwärts - auf knapp 7000 Zulassungen im März 2018. Der Marktanteil legte spürbar von 0,6 auf 2 Prozent zu. Auch die Zahl der Anträge für die Elektroauto-Prämie nimmt in Deutschland zu (siehe Grafik).

Dass auch Tesla-Fahrer in den Genuss der Zahlung kommen, ist leicht zu verschmerzen. Gerade einmal 2 Prozent der Gelder fließen an sie. Zudem bringt es dem Klima mehr, wenn ein dicker Verbrenner-SUV durch ein Elektroauto ersetzt wird als ein Kleinwagen.

Zulassungen von Elektroautos Anträge auf Förderung (zum Vergrößern auf die Grafik kicken)
manager magazin online; Foto: Reuters
Zulassungen von Elektroautos Anträge auf Förderung (zum Vergrößern auf die Grafik kicken)

Wichtiger ist aber, dass Deutschland dank der Kaufprämie den Sprung vom europäischen Elektroauto-Außenseiter zum oberen Mittelfeld geschafft hat. Das zeigt ein Vergleich mit den anderen großen Automärkten: In Frankreich stagniert die Quote seit Mitte 2016 bei 1,7 Prozent, in Großbritannien kletterte sie immerhin von 1,5 auf 1,9 Prozent.

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Das alles sind noch Werte auf niedrigem Niveau. Doch das Strohfeuerchen breitet sich aus und könnte durchaus langfristige Wirkung entfalten - was gut wäre für Luft, Klima und die Autoindustrie. Denn die Zahlen läppern sich. Zum Jahreswechsel registrierte das KBA knapp 100.000 Elektroautos auf deutschen Straßen. Damit ist eine kritische Menge in Sicht, die Kommunen und Versorger zunehmend unter Druck setzt, eine brauchbare Ladeinfrastruktur aufzubauen.

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