Freitag, 28. Juli 2017

Donald Trump Jr. zur Russland-Affäre in einer E-Mail "Wenn es das ist, was Sie sagen, dann liebe ich es"

Donald Trump Junior veröffentlicht einzelne E-Mails
imago/ ZUMA Press
Donald Trump Junior veröffentlicht einzelne E-Mails

Donald Trump Junior geht in der Russland-Affäre in die Offensive und veröffentlicht Teile seines Mail-Verkehrs. Sie zeigen vor allem eines: Das hohe Interesse des Sohnes an kompromittierenden Informationen über Hillary Clinton. Kritiker hegen bereits den Verdacht des Landesverrats.

Als "Fake-News" und "Hexenjagd" hatte Donald Trump die Berichte und Ermittlungen zu seinen möglichen Russland-Kontakten im US-Wahlkampf verunglimpft. Doch tatsächlich weitet sich das Thema zu einer veritablen Affäre für die ganze Familie aus. Nicht wenige Demokraten in den USA, wie etwa Senator Tim Kaine aus Virginia, sprechen nun gar von Falschaussage, Meineid und möglichem Landesverrat, den der älteste Sohn des US-Präsidenten sowie sein Schwager und Top-Berater Jared Kushner begangen haben könnten.

Donald Trump junior ist nun in die Offensive gegangen und hat E-Mails veröffentlich, die bestätigen, was die "New York Times" zuvor berichtet hatte. So ging der Sohn auf ein Treffen mit einer russischen Anwältin ein, weil er glaubte, dass diese belastendes Material über die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton besitzen könnte. Bei dem Gespräch im Juni waren auch Jared Kushner und der damalige Vorsitzende der Wahlkampagne, Paul Manafort, anwesend.

Die Mails zeigen vor allem eines: Donald Trump Junior war klar an kompromittierenden Informationen über die Gegnerin seines Vaters im US-Präsidentschaftswahlkampf interessiert.

Diese Informationen indes hätte sein Wahlkampfteam nicht annehmen dürfen, wenn auch schon der Verdacht naheliege, dass sie von einer ausländischen Regierung stammen könnten - in diesem Fall eben der Kreml, zitiert die "FAZ" den republikanischen Senator Lindsey Graham aus South Carolina.

"Wenn es das ist, was Sie sagen, dann liebe ich es"

Das Treffen mit der angeblichen Vertreterin der russischen Staatsanwaltschaft hatte der britische Publizist Rob Goldstone eingefädelt. In dem veröffentlichten E-Mail-Verkehr mit Trumps Sohn erklärte Goldstone, das Material sei "Teil der Unterstützung der russischen Regierung für Herrn Trump" und enthalte kompromittierende Informationen über Clintons Beziehungen nach Russland. Dieses Material "wäre für Ihren Vater sehr nützlich", schrieb Goldstone laut den Dokumenten. Als Antwort schrieb Trump junior: "If it's what you say I love it" ("Wenn es das ist, was Sie sagen, dann liebe ich es").

Moskau wird von den US-Geheimdiensten eine gezielte Wahlbeeinflussung zugunsten von Donald Trump vorgeworfen. Ein Sonderermittler und mehrere Kongressausschüsse untersuchen, ob es dabei Absprachen mit Trumps Wahlkampflager gegeben hat.

Eigentlich wollte der älteste Trump-Sohn mit seinem Tweet weiteren Medienberichten zuvorkommen. Er wolle für Transparenz sorgen, schrieb er auf Twitter. Doch der veröffentlichte Schriftverkehr wirft nur noch weitere Fragen auf - und gibt den Ermittlern in der Affäre neue Ansatzpunkte, dem Verdacht der russischen Einmischung in die Präsidentschaftswahl nachzugehen.

Hintergrund der Berichte ist eine Begegnung zwischen dem 39-jährigen Trump-Sohn und der russischen Anwältin Natalia Veselnitskaja während des Wahlkampfes im Juni 2016. Trump junior hatte eingeräumt, sich mit ihr getroffen zu haben, weil ihm per Mail Informationen für den Wahlkampf versprochen worden waren. Die E-Mail stammte demnach von dem Publizisten Rob Goldstone. Dieser hatte mehreren US-Medien bestätigt, dass er das Treffen zwischen Trump junior und der Anwältin arrangiert hatte.

Ihre Äußerungen seien vage und mehrdeutig gewesen, sie hätten keinen Sinn ergeben, erklärte Trumps Sohn. Einzelheiten oder weitergehende Informationen seien ihm nicht angeboten worden. "Es waren zwanzig Minuten, reine Zeitverschwendung", sagte der Präsidentensohn über das Treffen im Sommer 2016 bei Fox New im Interview mit Talkmaster Sean Hannity. Der machte aus seiner Sympathie für den US-Präsidenten schon zu Beginn des Gesprächs keinen Hehl, womit Trump Jr. im weiteren Verlauf nur noch die Vorlagen versenken musste, die ihm sein Gesprächspartner zu bester Sendezeit bot.

Vater Trump springt seinem Sohn bei

Auf Twitter bezeichnete Trump junior die Berichte über sein Treffen mit einer russischen Anwältin als verzweifelten Angriff der Medien und der Demokraten. Diese hätten es extrem auf die "Russlandgeschichte" abgesehen, schrieb er am Dienstag auf Twitter. Das Treffen mit der Anwältin sei unsinnig gewesen. "Wenn dieses Nonsens-Treffen alles ist, was sie nach einem Jahr haben, verstehe ich die Verzweiflung!"

Vater Donald Trump sprang am Dienstag seinem Sohn bei. Trump junior sei ein Mensch mit großen Qualitäten und er begrüße die von ihm hergestellte Transparenz, ließ Donald Trump über seine Sprecherin mitteilen.

Russische Anwältin will keine Informationen über Clinton besessen haben

Die russische Anwältin erklärte indes, sie habe keine Verbindungen zum Kreml. Bei dem Gespräch mit dem Sohn von Donald Trump sei es um die Russland-Sanktionen der US-Regierung gegangen, nicht um Hillary Clinton. "Ich besaß niemals sensible Informationen, die Hillary Clinton hätten schaden können", sagte Natalia Veselnitskaja dem Sender NBC News. "Es war nie meine Intention, solche Infos zu besitzen." Die Anwältin stritt ab, Beziehungen zum Kreml zu haben. Der Kreml selbst hatte zuvor bereits erklärt, er kenne die Anwältin nicht.

Natalia Veselnitskaja

Die Juristin hielt sich im vergangenen Jahr häufig in Amerika auf. Sie gehörte zu einem Anwaltsteam, das im Auftrag eines dubiosen Geschäftsmanns gegen US-Behörden prozessierte: Der Geschäftsmann-Sohn eines ehemaligen Transportministers der Regionalregierung des Moskauer Umlands - stand in den USA unter Geldwäscheverdacht. Die Behörden hatten seine Konten bei amerikanischen Banken eingefroren, auf Drängen des britisch-amerikanischen Aktivisten William Browder. Die Anwälte des russischen Geschäftsmanns um Veselnitskaja waren erfolgreich: Im Frühjahr 2017 schlossen sie mit den US-Behörden einen Vergleich. Das Verfahren wurde gegen Zahlung von 5,9 Millionen Dollar eingestellt.

rei/max

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