Dienstag, 24. April 2018

Comey attackiert US-Präsidenten Ex-FBI-Chef - Trump soll Justiz behindert haben

James Comey packt aus: Ex-FBI-Direktor James Comey im Interview mit einem ABC-News-Journalisten zur besten Sendezeit in den USA am Sonntagabend

Der ehemalige FBI-Chef James Comey hält es für möglich, dass US-Präsident Donald Trump die Justiz behindert haben könnte. Es gebe sicherlich Beweise für Justizbehinderung, sagte Comey in einem am Sonntagabend (Ortszeit) ausgestrahlten Interview des Senders ABC News auf eine entsprechende Frage. Er verwies aber darauf, dass er in dem Fall nicht der Ermittler oder Staatsanwalt sei, sondern nur ein Zeuge.

"Er ist moralisch nicht dazu geeignet, Präsident zu sein"

Trump hatte Comey im Mai 2017 gefeuert und das später mit den Russland-Ermittlungen des FBI in Zusammenhang gebracht. Eine Folge von Comeys Entlassung war die Einsetzung von Sonderermittler Robert Mueller, der nun die Vorwürfe um eine russische Einmischung in die Präsidentschaftswahl 2016 untersucht und dabei auch eine Verstrickung des Trump-Lagers prüft.

In der Interviewpassage ging es um ein Gespräch zwischen dem Präsidenten und dem FBI-Chef im Februar 2017. Bei diesem äußerte Trump nach Comeys Darstellung den Wunsch, dass die Ermittlungen des FBI gegen den damaligen Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn eingestellt werden. Trump bestreitet das. Manche Beobachter sehen darin einen Versuch der Justizbehinderung.

"Russland könnte kompromittierendes Material über Trump haben"

In dem Interview griff Comey den US-Präsidenten aufs Schärfste an und bezeichnete ihn als moralisch unfähig für das Präsidentenamt. Eine Person, die Frauen wie ein Stück Fleisch behandele, die ständig lüge und darauf bestehe, dass das amerikanische Volk es glaube, sei moralisch ungeeignet für das Präsidentschaftsamt.

Der Ex-FBI-Chef sagte, er glaube nicht an Spekulationen, wonach Trump geistig nicht fit sei oder Demenz im Anfangsstadium habe. "Er scheint mir eine Person von überdurchschnittlicher Intelligenz zu sein, die Gespräche verfolgt und weiß, was vor sich geht", sagte der 57-Jährige. "Ich glaube nicht, dass er medizinisch nicht dazu in der Lage ist, Präsident zu sein. Ich denke, er ist moralisch nicht dazu geeignet, Präsident zu sein."


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Comey wurde in dem Interview am Sonntag gefragt, ob er glaube, dass Russland etwas gegen Trump in der Hand habe. Er antwortete, dass er dies für möglich halte, und räumte wenig später ein, dass dies eine bemerkenswerte Aussage sei. Er könne aber nicht ausschließen, dass Russland kein kompromittierendes Material habe. "Es ist überwältigend, und ich wünschte, ich würde es nicht sagen, aber es ist die Wahrheit", erklärte er. "Ich habe es immer für unwahrscheinlich gehalten, und ich halte es immer noch für unwahrscheinlich, und ich wäre bei jedem anderen Präsidenten, mit dem ich zu tun hatte, in der Lage gewesen, es mit fester Überzeugung zu sagen, aber ich kann es nicht. Es ist möglich."

rei/dpa/Reuters

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