Mittwoch, 24. August 2016

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Piketty-Buch "Capital in the Twenty-first Century" Die neue Bibel der Umverteilungs-Politiker

Da stimmt was nicht. Thomas Pikettys Buch liefert den Anhängern der Vermögens-Umverteilung kräftige Argumente

Thomas Pikettys Buch ist schon jetzt ein Welterfolg - und die perfekte Vorlage für Wirtschaftspolitiker. Eine groß angelegte Umverteilung der Vermögen wird immer wahrscheinlicher.

Thomas Piketty hat geschafft, was nur wenigen Ökonomen gelingt: Er hat in den USA "Rockstar-Status" erreicht, wie die Financial Times beobachtet hat. Und dies auch noch als Franzose. Mit seinem Buch "Capital in the Twenty-first Century" hat er genau zum richtigen Zeitpunkt einen wunden Punkt der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung angesprochen. Die zunehmend ungleiche Vermögensverteilung in der Welt, allen voran in den Vereinigten Staaten von Amerika.

In der Datenfülle und Qualität der Analysen ist sein Buch durchaus gleichwertig zum Bestseller "This time is different" von Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff. Diese haben ebenfalls mit gutem Gespür für das Timing das Standardwerk zu Finanzkrisen pünktlich zum Höhepunkt der aktuellen Krise im Jahr 2009 vorgelegt.

Unser Wirtschaftssystem fördert Vermögenskonzentration

Piketty hat sich die Mühe gemacht, historische Daten aufzubereiten, um die Entwicklung von Vermögen und Vermögensverteilung über Jahrhunderte nachzuvollziehen. Dabei fand er heraus, dass das Gesamtvermögen in einer Volkswirtschaft zwischen der jährlichen Wirtschaftsleistung um das Vier- bis Sechsfache übersteigt.

Dies ist unmittelbar einleuchtend, ist doch der Wert einer Volkswirtschaft wie bei einer Unternehmensbewertung der abgezinste Wert der zukünftigen Erträge. Phasen tiefen Zinsniveaus - wie heute - führen bei gegebenen Einnahmen zu entsprechend höheren Vermögenswerten und umgekehrt. Der Schwerpunkt der Analysen von Piketty liegt jedoch in der Frage der Vermögensverteilung.

Hier zeigen seine Analysen, wie es über Jahrhunderte immer wieder zu zunehmender Vermögenskonzentration gekommen ist und diese dann durch Kriege, Währungsreformen und Naturkatastrophen wieder nivelliert wurde. Piketty führt dies auf die strukturell höhere Verzinsung von Kapital relativ zum Wachstum der Wirtschaft zurück. Demnach müssten die Vermögen schneller zunehmen als die Wirtschaftsleistung und Kapitalbesitzer sich immer besser stellen als diejenigen, die nur auf Arbeitseinkommen angewiesen sind. Ewig kann ein solcher Prozess naturgemäß nicht andauern, was wiederum die regelmäßige Bereinigung der Vermögenskonzentration durch krisenhafte Ereignisse erklärt.

Das Phänomen der Vermögenskonzentration ist nicht neu. Hatten bei der Gründung Roms alle Bürger die gleiche Startaustattung mit Grund und Boden ("Roma Quadrata"), so war schon wenige Jahrzehnte später das Vermögen auf wenige Familien konzentriert. Offensichtlich waren nicht alle Bürger gleich erfolgreich in der Verwaltung ihres Startvermögens, und Misswirtschaft und auch Pech wie schlechte Ernten führten zu einem Prozess der zunehmenden Vermögenskonzentration.

Die Folge waren zunehmende soziale Spannungen und letztlich Geldentwertung und Niedergang. Schon im Altertum haben die Könige von Mesopotamien Ähnliches beobachtet und einen drastischen Schluss gezogen: Alle dreißig Jahre kam es zu einem völligen Neustart durch Neuverteilung des vorhandenen Grund und Bodens und die Annullierung aller Schulden. Die Bibel beschreibt dies als Jubeljahr. Die Jubeljahre führten jedoch zu einem Anstieg des Zinsniveaus, so dass am Ende in Mesopotamien alle drei Jahre ein Neustart erforderlich war.

Die wirtschaftliche Freiheit und die enorme Innovationskraft unserer Wirtschaftsordnung, die auf geschütztem Privateigentum basiert, bedingt nun einmal, dass es erfolgreichere und weniger erfolgreiche Wirtschaftsteilnehmer gibt. Die Vermögensverteilung ist damit nur ein Symptom dieser Entwicklung und jene, die - wie der Harvard Professor Greg Mankiw - die ungleiche Vermögensverteilung als Anreiz und Belohnung für herausragende Leistungen sehen, beleuchten sicherlich einen zutreffenden Aspekt.

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