Dienstag, 22. Mai 2018

Wutrede des Justin Trudeau "Unser System wird zusammenbrechen"

Kanadas Premier Justin Trudeau beim Weltwirtschaftsforum in Davos

Es sah nicht so aus, weil Justin Trudeau an diesem Dienstag einen seiner schmucken Anzüge trug, Krawatte und Socken sorgsam aufeinander abgestimmt - und deswegen genauso gut im Saal hätte sitzen können, an den er sich wendete.

Tatsächlich aber hielt der kanadische Premier auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vor ein paar Hundertschaften von Unternehmern und Top-Managern eine ausgewachsene Wutrede.

Seine Thesen:

  • Die meisten Menschen empfinden den (technologischen) Wandel als Bedrohung.
  • Die Eliten, versammelt in Davos, vernachlässigen das zu großen Teilen. Ihnen ist der persönliche Profit wichtiger als das Wohlergehen ihrer Mitmenschen.
  • Sexuelle Belästigung von Frauen in Politik und Wirtschaft ist ein systemisches Problem.
  • Wenn die Eliten, versammelt in Davos, das nicht ändern, "wird unser System zusammenbrechen und wir alle werden scheitern". Es gibt eine reale Gefahr, dass die derzeit aktive Generation ihren Kindern die Welt in einem schlechteren Zustand hinterlässt als sie diese Welt übernommen hat.

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Bislang haben große Teile der deutschen Wirtschaftselite solche Argumente gern grenzirren Wutbürgern oder Feministen oder Trollen in sozialen Netzwerken zugeschrieben. Justin Trudeau passt da nicht so recht rein.

Viele der Davos-Gäste frönen dem intellektuellen Ablasshandel. Sie reisen zwar "nach Davos", verbleiben aber fast ausschließlich in ihren in die Hotels transferierten Wohlfühlzonen und gehen dort mehr oder weniger ihrem alltäglichen Geschäft nach.

Hätten Sie mal dem 46-jährigen kanadischen Premier zugehört.

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