Sonntag, 22. Juli 2018

Foodwatch fordert Werbeverbot Wie Coca-Cola die Kids und die Jugend ködert

Kinder und Jugendliche im Blick: Mit einem eigenen TV-Kanal auf Youtube wirbt der Coca-Cola-Konzern um junge Kunden (screenshot "Coke TV" bei Youtube)

Die US-Getränke-Konzerne Coca-Cola und Pepsi Cola stehen wegen ihrer stark zuckerhaltigen Limonaden und Lebensmittel schon länger unter Beschuss. Stehen sie doch stark im Verdacht, Fettleibigkeit und Zuckerkrankheit zu fördern. Pepsi kündigte deshalb bereits im Herbst 2016 an, den Zuckergehalt in seinen Lebensmitteln langfristig reduzieren zu wollen.

Coca Cola versprach dies vor knapp einem Jahr zumindest für den deutschen Markt - um zehn Prozent solle der Zuckeranteil sinken. Wo der Konzern durch eine drohende Zuckersteuer größeren Druck verspürt - etwa in Großbritannien - geht es auch schneller und effektiver. Hier halbierte sich teilweise sogar der Zuckergehalt einzelner Brausen aus dem Konzern, wie Verbraucherschützer von Foodwatch in einer Untersuchung unlängst feststellten.

Zugleich aber schlägt Coca Cola ungebremst die Werbetrommel, um insbesondere Jugendliche gezielt über Youtube-Stars für die süßen Getränke zu begeistern. Neun der 20 meistabonnierten "Youtuber" in Deutschland hätten sich bereits von Coca-Cola für den Konzern-eigenen Youtube-Kanal "CokeTV" einspannen lassen, berichtet Foodwatch nun in seinem neuen "Coca-Cola-Report".

Kinder und Jugendliche in Deutschland seien für derlei Werbung besonders empfänglich und daher besonders gefährdet. Vor allem Jungen würden deutlich mehr Zuckergetränke zu sich nehmen als empfohlen, so Foodwatch. Zwar müssen Jugendliche zur Eröffnung eines eigenen Kontos auf sozialen Netzwerken zumeist ein Mindestalter angeben, doch wirklich überprüfbar ist das nicht. Youtube-Filme stehen im Netz zum großen Teil ohnehin frei zur Verfügung.

Täglich eine Dose Coca-Cola kann krank machen

Auch wenn der Konzern in seiner Selbstverpflichtung den Eindruck erwecke, keine Werbung an Kinder unter 12 Jahren zu richten, sehe die Realität anders aus, kritisiert Foodwatch. Mit Fußballstars (aktuell auch der verletzte Nationaltorwart Manuel Neuer), Adventskalendern oder dem Coca-Cola-Weihnachtstruck spreche der Konzern neben Youtube-Videos ganz gezielt eben auch Kinder unter 12 Jahren an. Zugleich versuche Coca-Cola, durch gezielte Lobbyarbeit und "gekaufte Wissenschaftler" nationale Regulierungen zu verhindern, heißt es weiter.

Dabei hätten wissenschaftlich unabhängige Studien erwiesen, dass bereits eine täglich konsumierte Dose Coca-Cola das Risiko für die Entstehung von Übergewicht und Typ-2-Diabetis fördere, warnen die Verbraucherschützer. Foodwatch fordert das Unternehmen und die Politik auf, an Kinder und Jugendliche gerichtetes Marketing zu stoppen und beliebte Youtube- und Instagram-Stars ("Influencer") für Werbezwecke nicht mehr einzuspannen.

Coca-Cola selbst weist die Vorwürfe zurück. Man investiere überproportional viel in die Werbung für Getränke ohne oder mit weniger Zucker, hieß es am Mittwoch in einer Stellungnahme. Coca-Cola werbe außerdem nicht in Medien, die sich mehrheitlich an Kinder unter zwölf Jahren richten. Besagte Selbstverpflichtung werde regelmäßig von unabhängigen Dritten überprüft.

Millionen-Dollar-Spenden für Kritiker und Gesundheitsorganisationen

Wie Coca Cola und Pepsi Cola in der Vergangenheit die öffentliche Meinung zu beeinflussen versuchten oder Kritiker zum Schweigen brachten, hatte bereits im Jahr 2016 eine langfristig angelegte Studie der Universität Boston gezeigt, über die die "New York Times" ausführlich berichtete.

Demzufolge hatten die Konzerne im Untersuchungszeitraum 2011 bis 2015 viele Millionen Dollar an Gesundheitsorganisationen und ihr nahestehende Vereine überwiesen. Gleichzeitig hatten die Konzerne etwa 50 Millionen Dollar in die Lobbyarbeit investiert, um Gesetze und Initiativen zu verhindern, die die Erlöse der Getränkeindustrie hätten empfindlich schmälern können.

Das viele Geld verfehlte seine beabsichtigte Wirkung offenbar nicht: Dem Bericht zufolge stießen die Forscher auf eine ganze Reihe von Fällen, bei denen mit Geld bedachte Organisationen ihr Engagement für die Einführung einer Zuckersteuer auf Limonaden einstellten oder plötzlich auffällig schwiegen, wenn es in der öffentlichen Diskussion um genau dieses Thema ging.

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH