Samstag, 25. März 2017

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USA? China bleibt für Deutschland viel wichtiger Der unterschätzte Wendepunkt für Chinas Wirtschaft

Alle Welt blickt auf die USA. Die Weltwirtschaft aber hängt am Tropf der chinesischen Schuldenmaschine. Und die steuert auf einen harten Leistungstest zu.

Daniel Stelter

Alle Blicke sind auf die USA gerichtet. Wie wird sich die Politik des neuen amerikanischen Präsidenten Donald Trump auf die US-Konjunktur und die Weltwirtschaft auswirken? Haben wir Glück und es kommt zu deutlich höheren Wachstumsraten für alle oder droht doch der Protektionismus-Schock, der die Welt in die nächste Krise stürzt? Die Kapitalmärkte scheinen noch auf das optimistische Szenario zu setzen.

Derweil wächst die Wahrscheinlichkeit einer Enttäuschung. Trump dürfte nicht anders können, als seine Wahlversprechen umzusetzen. Für Konjunktur und Börsen gleichermaßen schlecht.

Retten könnte uns dann erneut nur China. Wie schon 2009, als das Land mit einem fast 600 Milliarden US-Dollar schweren Konjunkturprogramm und einem Verschuldungsboom der unseren noch in den Schatten stellt, die eigene Wirtschaft und nebenbei gleich die Weltwirtschaft stabilisierte. Gerade die deutsche Wirtschaft stünde deutlich schlechter da ohne diese chinesische Intervention. Grund genug, genauer auf die Entwicklung im Land zu blicken:

50 Prozent der Welt-Neuverschuldung

Immerhin die Hälfte der weltweiten Schulden wurde in den letzten zehn Jahren in China gemacht. Der Anteil Chinas am weltweiten Schuldenberg legte im gleichen Zeitraum von fünf auf fast 25 Prozent zu. Die Schulden außerhalb des Finanzsektors wuchsen von 3 Billionen US-Dollar im Jahre 2005 auf 22 Billionen heute. Alleine im letzten Jahr stiegen die Schulden um 4,5 Billionen Dollar. Die Bilanzsumme des Bankensystems versechsfachte sich und liegt heute bei rund 300 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). (Zum Vergleich: Italien (166%), Deutschland (230%), Frankreich (318%), UK (446%))

Dabei nimmt der realwirtschaftliche Impuls immer mehr ab. Im letzten Jahr wuchsen die Schulden mit drei Billionen Dollar etwa doppelt so schnell wie die Wirtschaft.

Schnelles Schuldenwachstum endet selten gut

Noch immer kam es zu tiefen Rezessionen oder zumindest einer längeren Phase geringen Wachstums in Folge von zu schnellem Kreditwachstum. Das war in Japan nach dem Platzen der Schuldenblase im Jahre 1990 so, dass war so in Korea nach der Asienkrise und so ist es heute in den Krisenländern der Eurozone.

Die Volkswirte messen die Krisengefahr mit dem sogenannten "credit-to-GDP-gap". Sie vergleichen das Trendwachstum der Verschuldung mit dem aktuellen Niveau. Ein merkwürdiges Konzept, geht es doch vom Normalfall ständig steigender Schuldenquoten aus. Zu schnell darf es halt nicht sein. Zutreffender dürfte sein, dass es unabhängig von der Geschwindigkeit der Verschuldung auch auf die Gesamthöhe ankommt. Mit Blick auf beide Werte sieht es für China nicht mehr so gut aus. Das aktuelle Kreditvolumen liegt immerhin 30 Prozent über dem (steilen) Trend.

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