Dienstag, 22. Mai 2018

Künftiger US-Präsident holt weiteren Milliardär an Bord Vorstands-Schreck Icahn soll Trump bei Regulierung beraten

Carl Icahn

Der künftige US-Präsident Trump hat einen weiteren Milliardär in seinen Führungszirkel berufen: Finanzinvestor Carl Icahn, ein scharfer Kritiker staatlicher Reglementierung, soll ihm als Sonderberater dienen.

Der nächste reiche Wall-Street-Veteran wird vom künftigen US-Präsidenten Donald Trump mit Macht und Einfluss ausgestattet. Trump will den milliardenschweren Finanzinvestor Carl Icahn zu einem Berater machen - ausgerechnet für Regulierungsfragen.

Wie das "Wall Street Journal" schreibt, ist Icahn bereits an der Suche des neuen Chefs der Börsenaufsicht beteiligt und habe sich bei der Auswahl für die Leitung der Umweltbehörde EPA eingebracht.

Icahn sei einer "der großartigsten Geschäftsmänner der Welt", sagte Trump. der 80-Jährige sei ein exzellenter Verhandler und verfüge über die Fähigkeit, die Entwicklungen in der Finanz- und Wirtschaftswelt vorherzusagen. "Seine Hilfe dabei, die strangulierenden Regulierungen in unserem Land anzugehen, wird von unschätzbarem Wert sein." Nach Trumps Wahl setzen viele darauf, dass der 70-jährige Immobilien-Milliardär die Wirtschaft unter anderem mit einer Deregulierungswelle in Schwung bringen will.

Icahn wird keinen Regierungsposten innehaben, kein Gehalt für seine Tätigkeit beziehen und keinen ethischen Regeln unterworfen sein, die seine Geschäfte als Investor einschränken. Was er vorhat, daraus macht der 80-Jährige kein Geheimnis: Es sei an der Zeit "aus der überbordenden Regulierung auszubrechen", ließ er mitteilen. Der Großaktionär mehrerer Konzerne wie dem Versicherer AIG und Ölunternehmen CVR Energy hilft Trumps Team bereits bei der Suche nach einer Nachfolgerin für die oberste Börsenaufseherin Mary Jo White, die im Januar geht.

Als Kandidaten für ihre Nachfolge gelten der frühere Kommissar der Börsenaufsicht SEC, Paul Atkins, und die frühere Bundesstaatsanwältin Debra Wong Yang.

Da Icahn auch am Nahrungsergänzungsmittel-Unternehmen Herbalife beteiligt ist, könnte dies Kritikern zufolge zu Interessenkonflikten führen. Schließlich geriet der Konzern bereits ins Visier SEC - ebenso wie andere Icahn-Beteiligungen von der Finanzmarkaufsicht unter die Lupe genommen wurden. "Wähler, die wollten, dass Trump den Sumpf trockenlegt, bekommen einmal mehr Schlamm ins Gesicht", sagte der Sprecher der Demokraten, Eric Walker, unter Verweis auf die Ankündigungen des Republikaners im Wahlkampf. Icahn kritisierte kürzlich in einem Reuters-Interview die Vorgabe, dass Ölkonzerne erneuerbare Treibstoffe wie Ethanol nutzen müssen. Die unter dem Eindruck der weltweiten Bankenkrise beschlossene "Dodd-Frank"-Finanzreform findet er "zu weitreichend".

Carl Icahn erklärt: Warum Trump das neue Wall-Street-Püppchen ist

Seit seiner Wahl am 8. November hat Trump nach und nach sein Kabinett zusammengestellt und dabei einen exklusiven Zirkel aus Superreichen, Quereinsteigern aus der Geschäftswelt, Generälen und Ultrakonservativen berufen. Im Wahlkampf hatte sich Trump als Kandidat der kleinen Leute in Szene gesetzt und gegen die Wirtschaftselite gewettert.

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