Montag, 25. Juli 2016

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BCG-Studie "Parallelen zur Bankenkrise"

40 Prozent der geplanten Projekte verschoben: Zur "Achillesferse" der Energiewende wird laut BCG der Netzausbau
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40 Prozent der geplanten Projekte verschoben: Zur "Achillesferse" der Energiewende wird laut BCG der Netzausbau

Experten von Boston Consulting sagen drastische Folgen der Energiewende voraus. Die Berater machen "zahlreiche Parallelen zur Bankenkrise" aus. Die Konzerne stünden vor einer "weitreichenden" Restrukturierung. Konsolidierung und Eigentümerwechsel seien "unausweichlich".

Hamburg - Die Krise in der deutschen Stromerzeugung werde andauern und zu einer Konsolidierung der Energiekonzerne führen. Zu diesem Schluss kommt die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) in einer Studie, über die das manager magazin in seiner neuen Ausgabe (Erscheinungstag: 20. Juni) berichtet.

Die Consultants ziehen Bilanz über die Folgen der Energiewende und zeichnen ein teilweise drastisches Bild: Die Großhandelspreise werden danach auf niedrigem Niveau verharren, bei 3 bis 4 Cents pro Kilowattstunde. Das werde nicht nur die Gewinnmargen der Unternehmen weiter erodieren lassen, der Niedrigtarif biete auch auf längere Sicht keinen Anreiz zum Investieren. Bis 2023 lägen die Produktionskosten für alle wichtigen Stromerzeugungsarten, ob Windkraft, Braunkohle oder Erdgas, zum Teil deutlich über dem Großhandelspreis.

Ertragslage der Energiekonzerne wird sich nicht verbessern

Auch was Subventionen für die Bereitstellung konventioneller Reservekraftwerke angeht (Stichwort: Kapazitätsmarkt), sind die Berater eher skeptisch. Kapazitätshilfen in großem Stil seien "unwahrscheinlich". Die Ertragslage der Energiekonzerne werde sich in den nächsten Jahren auch deshalb nicht bessern, weil die Unternehmen es bislang versäumt hätten, "nennenswerte" alternative Ertragsquellen zu erschließen.

Zur "Achillesferse" der Energiewende wird laut BCG der Netzausbau. 40 Prozent der geplanten Projekte seien verschoben worden. Der Staat greife immer stärker in die Energiewirtschaft ein. Bis 2030 werden zwei Drittel der Stromerzeugungskapazität reguliert sein, derzeit liegt der Staatsanteil bei 50 Prozent.

"Zahlreiche Parallelen zur Bankenkrise" machen die Berater aus. Die Konzerne stünden vor einer "weitreichenden" Restrukturierung. Konsolidierung und Eigentümerwechsel seien "unausweichlich". Denkbar sei auch eine Rekommunalisierung. Die Kommunen seien "nicht der rauen Luft des Kapitalmarkts ausgesetzt" und würden sich womöglich "mit niedrigeren Renditen" zufriedengeben, so Philipp Gerbert, federführender Seniorpartner der Studie.

Mehr Wirtschaft aus erster Hand? Der obige Text ist nur ein minimaler Ausschnitt aus der Juli-Ausgabe des manager magazins. Das neue Heft (und die nächste Ausgabe) können Sie hier im Vorteilsangebot bestellen.
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