Freitag, 9. Dezember 2016

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Dax-Vorschau Börsianer sehen Ende der Talfahrt

Dax 2016: Die Gewinner und Verlierer im Dax
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REUTERS

Nach dem verpatzten Jahresauftakt an den internationalen Börsen sagen Experten ein Ende der Talfahrt voraus. "Da sich die Konjunktur trotz zahlreicher Störfeuer bislang als recht robust erweist und anders als 2008 keine Rezession droht, stehen die Chancen auf eine Erholung der Notierungen im weiteren Jahresverlauf insgesamt gut", betonte Helaba-Analyst Markus Reinwand. "Schließlich wirken gerade die gegenwärtig stark zur Verunsicherung beitragenden Preisrückgänge bei Rohstoffen in den Verbraucherländern wie ein Konjunkturprogramm."

Der Ölpreis ist allein in den vergangenen beiden Wochen um rund 20 Prozent gefallen. Damit ist dieser Rohstoff so billig wie seit zwölf Jahren nicht. Kupfer notiert auf einem Sechseinhalb-Jahres-Tief.

Beim Dax Börsen-Chart zeigen summiert sich das Minus seit Jahresbeginn auf rund elf Prozent. Etwa ein Drittel dieses Verlusts stammt aus der abgelaufenen Woche.

Commerzbank-Experte Andreas Hürkamp begründete seine Prognose einer bevorstehenden Stabilisierung der Aktienmärkte mit der anhaltend lockeren Geldpolitik der Notenbanken, vor allem in der Euro-Zone und in China. Er setze auf eine Entwicklung wie 1991, als der Dax nach einem Auftaktverlust das Börsenjahr mit einem Plus von mehr als 13 Prozent abschloss.

Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets, mahnte dagegen zur Vorsicht. "Die Lage an den Börsen bleibt angespannt, und es ist keine nachhaltige Verbesserung der Stimmung in Sicht."

Legt Draghi nach?

Vor diesem Hintergrund warten Börsianer mit Spannung auf die Pressekonferenz des EZB-Chefs Mario Draghi am Donnerstag. Wegen der drohenden Deflation, einer Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen, wetteten immer mehr Anleger auf zusätzliche Geldspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB), sagte Aktienhändler Markus Huber vom Brokerhaus City of London. Die Währungshüter hatten ihr Wertpapier-Ankaufprogramm allerdings erst im Dezember verlängert. Daher rechnen Experten frühestens für März mit neuen Schritten, wenn die EZB ihre aktualisierten Inflationsprognosen vorlegt.

Kursrutsch 2016: Jeder Zweite verliert zweistellig

Dax im freien Fall: Der deutsche Leitindex fiel innerhalb der ersten zwei Handelswochen um mehr als 1000 Punkte, das ist ein Kursverlust von rund 10 Prozent. (Stand: Freitag 15. Januar, 12 Uhr). Damit sind die Gewinne des Vorjahres mehr als aufgebraucht. Seit seinem Hoch im April 2015 hat der Dax mehr als 20 Prozent an Wert verloren - ein Zeichen für einen Bärenmarkt. Die Unterschiede zwischen den Einzelwerten im Dax sind beträchtlich ...

Jeder zweite im Dax 30 notierte Konzern hat seit dem 4. Januar mehr als 10 Prozent an Wert nachgegeben. Einen so schwachen Jahresstart gab es in der Geschichte des Dax noch nie. Noch schlechter sieht die 12-Monats-Bilanz aus: Sieben Dax-Unternehmen haben seit Januar 2015 mehr als 20 Prozent nachgegeben. Vor allem Automobilwerte werden überrollt ...

BMW: Größter Dax-Verlierer seit Jahresbeginn ist die Aktie von BMW mit einem Minus von 20 Prozent (Stand 15.1.). Im Jahr 2015 hatten sich BMW-Aktionäre noch über ein Jahresplus von knapp 10 Prozent gefreut - doch die zweite Schockwelle aus China reißt die Papiere der deutschen Autobauer nun erneut in die Tiefe. Erfasst wurde auch ...

Daimler: Bei der Daimler-Aktie steht ein Minus von 16 Prozent seit Jahresbeginn zu Buche - gemeinsam mit Thyssen ist Daimler damit der drittschwächste Dax-Wert 2016, trotz der von Daimler-Chef Dieter Zetsche gestarteten Aufholjagd.

Volkswagen: Die VW-Aktie schien seit ihrem Kurssturz im Zuge des Abgas-Skandals wieder auf dem Weg der Erholung - doch seit Jahresbeginn hat die VW-Aktie wieder knapp 15 Prozent an Wert verloren. Da helfen auch neue Modelle wie der auf der CES in Las Vegas vorgestellte E-Bulli derzeit nicht. Die Verluste der vergangenen 12 Monate summieren sich bei VW inzwischen auf knapp 40 Prozent. Es ist auch ein Horror-Jahresstart für die Autozulieferer ...

Continental: Conti-Chef Elmar Degenhart wurde als einziger Dax-Chef unter die Top 10 der besten Konzernchefs weltweit gewählt - doch nun gerät auch die Conti-Aktie deutlich unter Druck. 15 Prozent Verlust seit Jahresanfang, damit steht Conti gemeinsam mit BMW, Daimler, VW und ThyssenKrupp in den Flop 5. Einige Dax-Schwergewichte sind inzwischen auf ein Mehrjahrestief gefallen ...

BASF auf Dreijahrestief: Das Chemie-Schwergewicht ist stark in Asien engagiert - und verlor aufgrund der Konjunktursorgen rund 12 Prozent seit Jahresbeginn. Mit rund 62 Euro fiel die BASF-Aktie auf den tiefsten Stand seit drei Jahren.

Deutsche Bank auf Siebenjahrestief: Aufräumer John Cryan hat für dieses Jahr schon mal die Dividende gestrichen. Die Aktie der Deutschen Bank hat seit Jahresbeginn 12 Prozent an Wert verloren und fiel am Freitag zeitweise unter die Marke von 20 Euro. Zuletzt hatte die Deutsche Bank im Frühjahr 2009 unter 20 Euro notiert. Noch düsterer sieht die 12-Monats-Bilanz im Dax aus: Sieben Dax-Werte haben seit Januar 2015 mehr als 20 Prozent an Wert verloren ...

Die beiden Energieversorger RWE (minus 56 Prozent) und Eon (minus 42 Prozent) sind seit Januar 2015 besonders stark eingebrochen. Doch auch Volkswagen (minus 39 Prozent) und ThyssenKrupp (minus 26 Prozent) kamen unter die Räder, ebenso wie ...

... die Bankenwerte. Die Aktien von Commerzbank (minus 24 Prozent) und Deutsche Bank (minus 21 Prozent) testen Mehrjahrestiefs - obwohl es derzeit keine akute Bankenkrise gibt wie nach der Lehman-Pleite im Jahr 2008. Vergleichsweise stail halten sich in diesem Jahr die Münchener Rück und der Softwarehersteller SAP ...

Besser als der Rest: Der einzige Dax-Konzern, der seit Jahresbeginn weniger als 5 Prozent an Wert verloren hat, ist der Softwarehersteller SAP mit einem geradezu bescheidenen Verlust von "nur" 3 Prozent. Das sichert den Walldorfern bislang die Spitzenposition im Dax 2016. Doch zur Entwarnung gibt es keinen Grund, denn auch der Blick in die USA bereitet Sorge ...

Der US-Leitindex Dow Jones hat seit Jahresbeginn mehr als 1200 Punkte (7 Prozent) an Wert verloren, auch in den USA ist es der schwächste Jahresbeginn seit dem Krisenjahr 2008. Im Gegensatz zum Dax leidet der Dow Jones jedoch schon länger unter Schwäche ...

... am Absturz einzelner Börsen-Lieblinge wie Amazon. Die Aktie des Handelsriesen verlor in der ersten Handelswoche mehr als 10 Prozent an Wert - Anleger bringen Geld in Sicherheit, nachdem sich die Amazon-Aktie im Vorjahr mehr als verdoppelt hatte. Die Aktie des wertvollsten Konzerns der Welt, Apple, geriet unterdessen mit einem Minus von knapp 9 Prozent unter die Räder - ein Zeichen, dass sich auch viele Privatanleger von Aktien trennen. Grüne Vorzeichen ...

... gab es in Tokio. Dort wurde der Nikkei ebenfalls vom Sog der chinesischen Börsen erfasst. Der Nikkei 225 verlor seit Jahresbeginn knapp 10 Prozent. Während Anleger in Europa und USA rot sehen, werden an den asiatischen Börsen Abwärtstendenzen mit einem grünen Pfeil gekennzeichnet.

Es ist nicht nur China: Die Abwertung des Yuan sowie der Kurssturz in Shanghai und Shenzen zeigt, dass die Regierung in Peking keine Mittel hat, um die Abkühlung der Konjunktur sowie das Platzen der Börsenblase zu verhindern. Vor allem die exportorientierte deutsche Wirtschaft dürfte darunter leiden.

Auch bei den Rohstoffen geht der Ausverkauf weiter, die Ölpreise sind im freien Fall. Der Öl-Preis sackte in der ersten Handelswoche auf den tiefsten Stand seit April 2004 ab, ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent kostete unter 30 Dollar. Gründe sind ein Überangebot des Rohstoffs und die Erwartung einer schwächeren Konjunktur.

Gleichzeitig sinkt Börsianern zufolge die Wahrscheinlichkeit baldiger weiterer Zinserhöhungen durch die US-Notenbank (Fed). Daher werde der Kurs des Euro Börsen-Chart zeigen in den kommenden Wochen voraussichtlich weiter zwischen 1,09 und 1,10 Dollar pendeln.

Bei den Konjunkturdaten richten sich die Blicke erneut nach China. Schließlich hatte die Furcht vor einer deutlichen Abkühlung der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft die dortigen Börsen zu Jahresbeginn um etwa 20 Prozent abstürzen lassen. Am Dienstag stehen die Zahlen zum Wachstum im vierten Quartal und zur Industrieproduktion im Dezember an. Ministerpräsident Li Keqiang sprach am Samstag von einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von rund sieben Prozent 2015.

Ebenfalls am Dienstag gibt der ZEW-Index Hinweise darauf, wie sich das Börsenbeben der vergangenen Wochen auf die Stimmung der Anlageprofis niedergeschlagen hat. In den USA warten Investoren vor allem auf die Inflationsdaten am Mittwoch und das Konjunkturbarometer der Fed von Philadelphia am Donnerstag.

Heilsame Korrektur

Auf Unternehmensseite steht die neue Woche im Zeichen der Banken. Am Dienstag legen Bank of America und Morgan Stanley ihre Zahlen vor. Am Tag darauf folgt Goldman Sachs. Außerdem öffnen die Technologiekonzerne IBM (Dienstag) und General Electric (GE) (Freitag) ihre Bücher. Wenn die Quartalsberichte und die Daten aus China die Anleger überzeugen, könnte es Marktexperten zufolge auch an der zuletzt arg gebeutelten Wall Street wieder aufwärts gehen.

Manche Börsianer halten den jüngsten Kursrutsch ohnehin für eine heilsame Korrektur. Laut ihrer Argumentation tritt nun die ultralockere Geldpolitik der Fed in den Hintergrund, und es geht endlich wieder stärker um die Fundamentaldaten. "Ich freue mich wirklich, dass der Markt nach unten geht, denn damit nähern wir uns wieder dem angemessenen Niveau", sagte Investmentstratege Jack Ablin von BMO Private Bank. Am Montag bleiben die US-Märkte feiertagsbedingt geschlossen.

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