Mittwoch, 29. Juni 2016

Polizei stürmt Hotel in Mali Geiselnahme in Mali beendet

Terror in Mali: Angriff auf Hotel in Bamako
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AP

Bamako - Die stundenlange Geiselnahme in einem Hotel in der malischen Hauptstadt Bamako ist vorüber: Laut dem malischen Innenminister Salif Traoré ist die Geislenahme nach dem islamistischen Terrorangriff beendet.

Islamistische Angreifer hatten zeitweise 170 Menschen in dem Hotel in ihrer Gewalt, bis Sicherheitskräfte den Komplex stürmten. Wieviele Tote es gibt, war zunächst unklar. Nachdem zunächst von mindestens drei Toten die Rede war, berichtete ein UN-Vertreter, UN-Soldaten hätten rund 27 Leichen gesehen.

Die Geiselnahme in dem Hotel Radisson Blu begann am Morgen. Augenzeugen sprachen von "rund einem Dutzend" bewaffneten Angreifern, malische Sicherheitskräfte von drei "dschihadistischen" Geiselnehmern. Am Nachmittag beteiligten sich Spezialeinheiten aus den USA und Frankreich an den Bemühungen zur Befreiung der Geiseln.

Laut Medienberichten haben sich zwei mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbundene Gruppen zu dem Anschlag auf das Luxushotel bekannt. Der arabische TV-Kanal Al-Dschasira meldete am Freitag, er habe eine entsprechende Erklärung erhalten. Auch die mauretanische Nachrichtenseite Al-Akhbar berichtete, verantwortlich seien die Terrorgruppen Al-Murabitun und Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQIM).

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen gelangten die Angreifer am Morgen in einem Auto mit Diplomatenkennzeichen auf das Hotelgelände und eröffneten anschließend in der siebten Etage des Hotelgebäudes das Feuer. Zwei Deutsche konnten das Hotel verlassen.

Die Zahl der Geiseln lag ursprünglich bei rund 170, im Laufe des Tages schwankten die Angaben darüber stark, wieviele Geiseln noch in der Gewalt der Täter waren.

Die Angreifer, mutmaßlich islamische Extremisten, hatten Berichten zufolge Gewehren und Granaten bei sich. Sie griffen das Radisson-Blue-Hotel in Bamako gegen neun Uhr morgens Ortszeit an. Bei der Erstürmung des Hotels schossen sie Sicherheitskreisen zufolge um sich und riefen "Allahu Akbar" (Gott ist groß).

Malische Sicherheitskräfte riegelten am Vormittag das Gebiet um das Hotel großräumig ab. Gegen 12 Uhr Ortszeit stürmten malische Spezialkräfte das Hotel, dabei arbeiteten sie sich Stockwerk um Stockwerk nach oben vor. Die Angreifer sollen sich in einem oberen Stockwerk des Hotels verschanzt haben.

Einem Armeekommandanten zufolge haben die Angreifer zuvor Geiseln freigelassen, wenn sie Verse aus dem Koran rezitieren konnten.

Das Radisson mit 180 Zimmern ist bei Diplomaten und Geschäftsleuten beliebt und zum Beispiel auch das Hotel für Mitarbeiter der Air France, die nach Bamako kommen.

Unter den Geiseln waren Berichten zufolge auch sechs Mitarbeiter der Fluglinie Turkish Airlines. Dem französischen Auslandsrundfunk rfi zufolge befanden sich auch Franzosen und Chinesen unter den Geiseln.

Bundeswehrverband fordert Entsendung von Kampftruppen

Die US-Botschaft und andere westliche Vertretungen forderten ihre Staatsbürger in Bamako auf, in ihren Häusern zu blieben. Islamistische Attentäter hatten bereits im August ein Hotel in Sévaré angegriffen. Dabei kamen 13 Menschen ums Leben. Unter den Opfern waren auch fünf Mitarbeiter der Vereinten Nationen.

In Mali hatten mit dem Terrornetz Al-Kaida verbündete Islamisten und separatistische Tuareg große Gebiete vor allem im Norden des Landes erobert, bevor sie 2013 mit Hilfe französischer Truppen wieder zurückgedrängt wurden. Derzeit läuft ein internationaler Einsatz zur Stabilisierung Malis. Die UN-Mission hat derzeit rund 9000 Soldaten und 1000 Polizisten in dem westafrikanischen Land stationiert. Die Bundeswehr beteiligt sich auch an der Ausbildung der malischen Streitkräfte.

Bundeswehr-Soldaten sind nicht unter den Geiseln im Hotel. "Unser Hauptquartier liegt einige Kilometer von dem Hotel entfernt, alle sind in Sicherheit", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Freitag in Berlin. In Bamako sind aktuell mehr als 50 deutsche Soldaten als Teil der European Training Mission in Mali (EUTM Mali) stationiert. Das Mandat erlaubt den Einsatz von bis zu 350 Soldaten.

Die Bundesregierung erwägt derzeit auch, den Einsatz der Bundeswehr auf den unruhigen Norden auszuweiten. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums betonte, es sei noch zu früh zu sagen, ob der Überfall auf das Hotel Auswirkungen auf die Planungen der Bundeswehr für ihren Beitrag an der UN-Mission im Norden Malis haben werde.

Allerdings fordert der deutsche Bundeswehrverband bereits die Entsendung von Kampftruppen in das westafrikanische Krisenland. "Der Terror-Akt von Bamako macht einmal mehr deutlich, dass sich der sogenannte Ring of Fire von Afghanistan über Jemen, Syrien und den Irak bis nach Afrika erstreckt", sagte der Verbandsvorsitzende André Wüstner dem Berliner "Tagesspiegel".

Es reiche nicht aus, die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien zu bekämpfen. "Für das künftige Engagement der Bundeswehr in Mali bedeutet das: Wir müssen robuste, kampfkräftige Truppen entsenden, um den Gefahren angemessen begegnen und erfolgreich sein zu können."

la/wed/dpa/rtr/afp

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