Freitag, 16. November 2018

Anschläge in Wolgograd Russland vor Olympia unter Schock

Zerfetzter Linienbus: Wolgograd ist wiederholt Ziel von Anschlägen geworden

Binnen Tagen haben zwei Bombenanschläge das russische Wolgograd erschüttert. Mehr als 30 Menschen starben, etliche wurden verletzt. Die Behörden vermuten einen Zusammenhang - so kurz vor den Olympischen Spielen.

Moskau/Wolgograd - Bei einem erneuten Bombenanschlag in der südrussischen Stadt Wolgograd sind am Montag mindestens 14 Menschen ums Leben gekommen, 28 wurden verletzt. Der Terroranschlag in einem Linienbus war nach Angaben der Sicherheitsbehörden von einem Selbstmordattentäter verübt worden. "Die Leiche wurde sichergestellt, jetzt läuft die Identifizierung", sagte Sprecher Wladimir Markin der Agentur Interfax.

Die Bombe habe eine Sprengkraft von mindestens vier Kilogramm TNT gehabt und sei mit Metallstücken gefüllt gewesen. "Die Teile waren identisch mit dem Inhalt der Bombe am Sonntag im Bahnhof von Wolgograd", sagte Markin. Bei dem ersten Anschlag waren bereits 17 Menschen getötet worden.

Wolgograd liegt in der Nähe der Nordkaukasus-Region, wo Extremisten für einen islamistischen Staat kämpfen. Rebellen hatten im Sommer gedroht, das Sportereignis mit allen Mitteln verhindern zu wollen.

Dach weggerissen, Trümmer zerstreut

Fernsehbilder zeigten die Überreste des Oberleitungsbusses. Die Wucht der Detonation hatte sein Dach weggerissen und Trümmer über die ganze Straße verstreut. Zu beiden Anschlägen bekannte sich zunächst niemand. Sie ähnelten aber einem Anschlag im Oktober. Damals hatte sich eine Selbstmordattentäterin aus der russischen Region Dagestan in einem Linienbus in Wolgograd - dem früheren Stalingrad - in die Luft gesprengt und sechs Menschen mit in den Tod gerissen.

Am Freitag war in der Stadt Pjatigorsk - knapp 300 Kilometer von Sotschi entfernt - eine Autobombe detoniert. Dabei wurden drei Menschen getötet. In den Kaukasus-Provinzen, zu denen auch Tschetschenien gehört,

Die Anschläge schüren auch Sicherheitsbedenken vor den Olympischen Spielen. Präsident Wladimir Putin hatte der Staatengemeinschaft umfangreiche Sicherheitszusagen für die Wettkämpfe in Sotschi gegeben, die als sein Prestige-Projekt gelten. Putin ordnete am Sonntag umgehend schärfere Sicherheitsvorkehrungen an. Sotschi liegt rund 700 Kilometer von Wolgograd entfernt.

Die Bundesregierung reagierte entsetzt auf die Anschläge. "Wir verurteilen dieses grausame Blutvergießen durch Terroristen auf das Schärfste", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin.

Mit Blick auf die Olympischen Winterspiele in knapp sechs Wochen in Sotschi sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts: "Wir setzen darauf, dass die russischen Sicherheitsbehörden alles tun werden, um die Sicherheit der Olympischen Spiele zu gewährleisten, und haben auch Vertrauen, dass das gelingt." Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach Putin in einem Telegramm ihr Mitgefühl aus.

ts/rtr/dpa-afx/afp/ap

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