Dienstag, 23. Oktober 2018

Standort für zweite Zentrale So kann Amazon-Chef Bezos die US-Wahl beeinflussen

Philadelphia: Die US-Metropole steht auf der Shortlist für Amazons zweite Zentrale - und sie liegt in Pennsylvania, dem US-Staat, den US-Präsident Donald Trump 2016 mit besonders knapper Mehrheit gewann

Wo wird Amazon sein zweites Hauptquartier errichten, für das das Unternehmen seit einigen Monaten öffentlichkeitswirksam einen Standort sucht? Und welche Partei wird künftig den Präsidenten der Vereinigten Staaten stellen? Beide Fragen werden in den USA und darüber hinaus heiß diskutiert und haben auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun. Sie lassen sich jedoch auf bemerkenswerte Weise miteinander verknüpfen. Angestellt wird das Gedankenspiel ausgerechnet in einem Beitrag der "Washington Post", jener Zeitung also, die sich im Besitz von Amazon-Gründer und Multimilliardär Jeff Bezos befindet.

Ausgangspunkt der Überlegung ist die Tatsache, dass es einige Bundesstaaten in den USA gibt, in denen die politischen Lager gemessen an den Stimmenanteilen traditionell dicht beieinanderliegen, und in denen die Mehrheit daher in der Vergangenheit häufig wechselte (die sogenannten Swing States). Die Staaten Pennsylvania sowie Florida etwa konnte der aktuelle US-Präsident Donald Trump bei der Wahl 2016 nur mit knapper Mehrheit für sich entscheiden.

Sollte nun der Online-Konzern Amazon Börsen-Chart zeigen beschließen, sein künftiges zweites Hauptquartier in einem dieser Staaten zu errichten, so spekuliert die "Washington Post", dann könnte dies dem demokratischen Lager möglicherweise zu den entscheidenden Stimmen verhelfen, die beim vergangenen Urnengang fehlten.

Hintergrund: Amazon hat vor einigen Monaten bekanntgegeben, zusätzlich zu jenem in Seattle ein neues, zweites Hauptquartier ("HQ2") bauen zu wollen. Gleichzeitig forderte der Konzern Städte in Nordamerika auf, sich als Standort zu bewerben. Nachdem Amazon zahlreiche Bewerbungen erhalten hatte, hat das Unternehmen vor wenigen Tagen eine Liste mit den 20 noch im Rennen befindlichen Top-Favoriten veröffentlicht. Spätestens seitdem laufen die Spekulation darüber auf Hochtouren, welche Stadt letztlich den Zuschlag erhalten wird. Zuletzt machte in US-Medien beispielsweise eine Einschätzung des Research-Unternehmens GBH Insight die Runde, wonach Atlanta in Georgia die größten Chancen haben soll.

Klar ist jedenfalls: Der Bürgermeister, der die zweite Amazon Zentrale in seine Stadt holt, kann sich wohl glücklich schätzen. Immerhin hat Amazon selbst angekündigt, dass der Bau nicht nur mit Investitionen von mehr als fünf Milliarden Dollar, sondern auch mit der Schaffung von 50.000 neuen Jobs verbunden wäre.

Die Besonderheit nach Einschätzung der "Washington Post" ist nun: Bei den Leuten, die diese Jobs bekommen, dürfte es sich zum Großteil um neu in den jeweiligen Ort ziehende Arbeitskräfte handeln, die mehrheitlich dem demokratischen Lager zuzuordnen wären.

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