Dienstag, 27. Juni 2017

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Ölnachfrage sinkt drastisch Energiesparen hilft Amerika mehr als Fracking

Amerikanische Ikone: Auch Trucks wie Fords F-150 werden deutlich effizienter und verbrauchen "nur" noch um die zehn Liter auf 100 Kilometern

Das Image der USA als Land der unbegrenzten Energieverschwendung bedarf einer Korrektur: Derzeit drosseln die Amerikaner ihren Ölverbrauch so stark wie noch nie seit Beginn der Industrialisierung. Das hilft der Wirtschaft noch mehr als der Fracking-Boom.

Hamburg - Der Ölpreisschock des Jahres 2008 wirkt nach: Noch nie seit Beginn der Industrialisierung ist die Nachfrage nach dem Rohstoff in den USA so stark gesunken wie bisher. Obwohl Öl derzeit wieder unter die 100-Dollar-Marke gefallen ist - vor sechs Jahren lag der Preis kurzfristig bei knapp 150 Dollar - haben die Amerikaner ihren Umgang mit dem Rohstoff deutlich verändert.

Im Vergleich zu 2005 ist der Verbrauch um zwei Millionen Fass am Tag zurückgegangen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters und beruft sich auf Zahlen der US-Energiebehörde EIA. Somit verbrauchen die Amerikaner "nur" noch knapp 19 Millionen Fass am Tag.

Die Ursachen sind vielfältig: Ölheizungen werden effizienter oder durch Gasboiler ersetzt, Häuser besser isoliert.

Ein schleichendes Umdenken ist auch im Verkehrssektor zu beobachten. Speditionen stellen ihre Trucks vielfach auf Gasantrieb um oder setzen auf Biokraftstoffe.

Strengere Vorgaben der Regierung für den Spritverbrauch von Pkw und Pick-up-Trucks wirken sich ebenfalls aus. Schluckten US-Neuwagen 2007 im Schnitt noch 11,7 Liter auf 100 Kilometern, ist der Wert auf 9,1 Liter gefallen, wie Forscher der University of Michigan ermittelt haben. In die Rechnung fließen auch Hybrid- und Elektroautos ein, die sich ebenfalls rasch verbreiten.

Reuters-Kolumnist John Kemp stellt heraus, dass die Energiesparmaßnahmen den USA für die Außenhandelsbilanz mehr bringen, als der Förderboom beim Öl: "Effizienz und Brennstoffwechsel tragen zur nordamerikanischen Energierevolution mehr bei als Fracking."

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