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27.02.2013
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Fischerei-Reform
EU will Beifangproblem lindern 

Fischer am Strand des Ostseebades Binz auf der Insel Rügen: EU beschließt Fischereireform
dpa

Fischer am Strand des Ostseebades Binz auf der Insel Rügen: EU beschließt Fischereireform

Europa krempelt seine Fischereipolitik um. In einem Verhandlungsmarathon einigen sich die EU-Staaten auf ein Verbot, Fische zurück ins Meer zu werfen. Ungewollte Fischfänge sollen reduziert werden. Von Tierschützern kommt Kritik.

Brüssel/Hamburg - Mit einer weitreichenden Reform will die EU bedrohte Fischbestände besser schützen. In zähen Nacht-Verhandlungen einigten sich die EU-Staaten auf die neuen Regeln. Kern der Reform ist ein Verbot, Fische zurück ins Meer zu werfen. Das teilte der Verhandlungsleiter, Irlands Fischereiminister Simon Coveney, am Mittwochmorgen in Brüssel mit.

Die Einigung werde "die Art, wie Europa Fisch fängt, verändern", sagte Coveney. Nur Schweden sprach sich gegen den Kompromiss aus. Die deutsche Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) sagte: "Es ist bis zum Schluss auf Messers Schneide gestanden, ob es überhaupt eine Einigung gegeben hat." Sie fügte hinzu: "Und dass es jetzt doch ein so eindeutiges Votum gegeben hat, freut mich sehr."

Beim Kampf gegen die Überfischung der Meere hilft künftig das Verbot, versehentlich gefangene Fische wieder zurück ins Wasser zu werfen. Denn dort landen diese oft tot oder verletzt. Diese Praxis ist zum Beispiel bei Tieren üblich, die nicht verkäuflich sind.

Zurückhaltend reagierte der Deutsche Fischereiverband auf die Einigung der EU-Staaten. "Ob die Reform Sinn oder Unsinn macht, wird erst die Detailausgestaltung entscheiden", sagte Verbands-Generalsekretär Peter Breckling der dpa in Hamburg. Notwendig sei in Deutschland mehr Forschung zu Fangtechniken. Oberstes Ziel müsse die Vermeidung des Beifangs sein.

Womöglich höhere Fangquoten

Die Interessenvertretung der deutschen Fischwirtschaft begrüßte das Verhandlungsergebnis. Durch das Rückwurfverbot stehe die tatsächliche Fangmenge künftig genau fest, sagte der Geschäftsführer des Fisch-Informationszentrums, Matthias Keller, in Hamburg. Damit seien verlässlichere Bestandsprognosen möglich. Dies könne auch zu höheren Fangquoten führen.

Nun beginnen in Brüssel Gespräche mit dem Europaparlament, das der Reform noch zustimmen muss. Da die Parlamentarier ehrgeizige Reformen fordern, könnten sie noch eine weitere Verschärfung der Pläne erzwingen.

EU-Fischereikommissarin Maria Damanaki will den Fischern helfen, sich auf die "ganz neue Realität" einzustellen. Im April wolle sie über Möglichkeiten beraten, den Fischern mit EU-Geldern bei den nötigen Investitionen zu helfen. Dabei kann es zum Beispiel um neue Netze für gezielteren Fischfang gehen.

Das Rückwurfverbot hatten die Minister im Grundsatz bereits im vergangenen Sommer beschlossen, damals aber umstrittene Detailfragen zum Zeitplan und zu Ausnahmeregelungen vertagt. Ganz vermeiden lassen sich die sogenannten Beifänge nicht, deshalb bleiben sie in einer gewissen Höhe erlaubt. Allerdings wird die Menge jedes Jahr etwas verringert. In mehreren Jahren soll die Zahl der Rückwürfe dann auf sieben Prozent sinken. Zudem wird das Rückwurfverbot in den unterschiedlichen europäischen Gewässern erst schrittweise eingeführt.

Tierschützer kritisierten, dass die Minister hinter den Plänen des Europaparlaments zurückgeblieben seien. Ihre Einigung erlaube auch in Zukunft den Rückwurf von essbarem Fisch ins Meer, sagte Greenpeace-Experte Thilo Maack. "Das ist inakzeptabel."

kst/dpa

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