Sonntag, 18. November 2018

Investoren verunsichert Italiens Zinskosten schnellen in die Höhe

Wahl mit Wirkung: Das politische Patt verunsichert Käufer von Staatsanleihen

Investoren haben Italien einen spürbaren Zinsaufschlag für Staatsanleihen abgerungen. Zwar wurde die Regierung am Tag nach der knappen Parlamentswahl alle Papiere los - doch Rom muss soviel bezahlen wie lange nicht.

Mailand - Italien muss wegen der unsicheren politischen Zukunft für kurzfristige Anleihen spürbar höhere Zinsen zahlen. Die Durchschnittsrendite schnellte bei der Emission eines Papiers mit einer Laufzeit von sechs Monaten um einen halben Prozentpunkt auf 1,237 Prozent nach oben, wie das Finanzministerium am Dienstag mitteilte. Damit ist die Verschuldung für die Regierung in Rom so teuer wie seit Oktober 2012 nicht mehr.

"Das ist nicht überraschend, wenn man sich das Wahlergebnis ansieht", sagte Lyn Graham-Tayler von der Rabobank in London. Das reformorientierte Mitte-Links-Bündnis von Pier Luigi Bersani hatte zwar mit hauchdünner Mehrheit das Abgeordnetenhaus erobert. Es zeichnet sich aber in der gleichberechtigten zweiten Kammer, dem Senat, ein Patt mit dem Mitte-Rechts-Bündnis des ehemaligen Ministerpräsidenten und Sparkurs-Gegners Silvio Berlusconi ab.

Das führte zu einer Talfahrt an den Börsen wegen der Furcht vor einem Wiederaufflammen der Euro-Schuldenkrise. Die Emission galt als erster Markttest nach der Wahl. Insgesamt nahm Italien 8,75 Milliarden Euro auf.

"Die Rendite ist zwar deutlich höher, aber es wurde alles platziert", sagte ein Händler. Ein weiterer Test steht der Regierung in Rom am Mittwoch bevor, wenn sie sich zwischen drei bis vier Milliarden Euro für zehn Jahre und zwischen 1,75 und 2,5 Milliarden Euro für fünf Jahre leihen will.

nis/rtr

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