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22.02.2013
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Die Wirtschaftsglosse
Schall und Rauch

Von Dietmar Student

Ausweis teutonischer Konsistenz: Ein Straßenschild - an einer Straße irgendwo in Deutschland
DPA

Ausweis teutonischer Konsistenz: Ein Straßenschild - an einer Straße irgendwo in Deutschland

Nix is fix, die Welt wird immer volatiler. Selbst Straßenschilder, bis dato ein Ausweis teutonischer Konsistenz, sind nicht mehr gefeit vor dem immer hektischer drehenden Globus. Können wir uns am Ende des Tages noch eine Anton-Schlecker-Straße leisten?

Es gehört zweifellos zu den größten Rätseln des Universums: Namen und ihre Anhängsel verschwinden wie in einem schwarzen Loch. Eine Hamburger Energiefirma namens "Hein Gas"? Heißt heute Eon Hanse. Jammerschade. AWD, diese drei Buchstaben hatten für etliche Außendienstler jahrzehntelang einen guten Klang (für so manchen Kunden weniger)? Ausgelöscht, beziehungsweise inhaltlich diffundiert in das schwergängige Begriffs-Triptychon Swiss Life Select. Und die FDP? Stimmt, die ist noch da. Aber bekanntlich längst ohne ihre künstlerisch wertvollen drei Punkte. Die vermittelten wenigstens irgendwie - Zählbares.

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Die Namensgebung ist eben genauso volatil wie alles um uns herum. Womit wir zu der Frage gelangen, die sich die Honoratioren der niedersächsischen Stadt Melle jüngst gestellt haben: Können wir uns eine Anton-Schlecker-Straße noch leisten? Sie wissen, der Familiendrogist, der krachend fallierte. Nein, natürlich nicht. Schlecker-Läden gibt's nicht mehr, keine Lager (wie einst in Melle) oder sonstige Dependancen.

Was gibt's aber noch? Genau, Schleckerfrauen. Die aus der Zeit gefallene Anton-Schlecker-Straße könnte doch fortan, so ein Verdi-Vorschlag, Schleckerfrauen-Allee heißen. Gut, es handelt sich um lediglich 300 Meter Wegstrecke, in einem Gewerbegebiet, da ist der Begriff Allee womöglich etwas übertrieben. Aber ansonsten: Ja, mit dieser Idee können wir uns durchaus anfreunden. Die Schleckerfrauen stehen immerhin womöglich demnächst im Duden, Anton Schlecker steht nur im Insolvenzregister. Das bisschen Diskriminierung (wo bleiben die Schleckermänner?) lassen wir mal durchgehen, passiert halt im Eifer des Wortgefechts.

Wie gesagt: nur konsequent das Ganze. Wir müssen weg von der Täter- und hin zur Opfer-Beschilderung. "Lehman-Geschädigten-Gasse" (statt: Sparkassenstraße) kommt einem doch ganz locker und politisch korrekt über die Lippen. Fraglich zudem, ob sich angesichts des Pferdefleisch-Skandals noch Straßentitel halten können wie "Neuer Pferdemarkt" (in Hamburg). Man versetze sich nur einmal in die Lage der dort postalisch registrierten Imbissbuden, Schlachtereien oder Lebensmittelläden mit breitem Fertiggerichtesortiment.

Auch die Adresse "Trakehner Kehre" (ebenfalls Hamburg) bekommt, trotz offenkundigem Wohlklang, nach modernsten Erkenntnissen der Fleischverarbeiter und Namensforscher einen süß-sauren Beigeschmack. Deshalb sollten wir aus aktuellem Anlass einmal nachdenken über Verbalkreationen wie "Kennzeichnungspflicht-Ring", "Lasagne-Lane" oder "Tiefkühl-Twiete".

Alles gehört aufgearbeitet. Man kann so leicht Fehler machen. Es handelt sich ja nicht um die erste Nahrungsmittelaffäre. Nach BSE haben die Chance zur sprachlichen Abgrenzung leider verpasst: die Budapest Stock Exchange (gelegentlich auch vom Wahn befallen), die Börsen in Bombay und Bulgarien ebenso - allesamt BSE abgekürzt. Der Bundesverband Solarenergie hingegen hat sich clever hinein gerettet in den neuen Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) - linguale Ansteckungsgefahr mithin: gleich Null.

Und was wird nun, nach der Pleite des gleichnamigen Bankhauses, aus der Oppenheim-Straße in Köln? Und wie sieht die Zukunft des Homm-Kreisels in Oberursel aus?

Die Wirtschaftsglosse im manager magazin

Jeden Freitag eröffnen Autoren aus der Print- und Onlineredaktion von manager magazin einen anderen Blickwinkel auf das Wirtschaftsgeschehen: Weniger kursrelevant, aber am Ende des Tages umso unterhaltsamer.
Man muss wachsam bleiben, vor allem bei Politikern, damit der Schaden nicht noch größer wird. Stellt sich zum Beispiel heraus, dass die Energiewende nicht eine Billion Euro kostet, wie der Bundesumweltminister jüngst vorrechnete, sondern 10 oder 100 Billionen, dann sollte man auf die Idee einer Altmeier-Avenue (sechsspurig ausgebaut, alle 50 Meter ein Schnellrestaurant) besser verzichten. Zweifel sind angebracht, ob die geheimen Pläne eines Brüderle-Boulevards (landschaftlich nicht besonders schön, aber viele Kurven) nach der Bundestagswahl noch umgesetzt werden können. Und zu schreddern wären (nach der Landtagswahl in Bayern) womöglich auch die Skizzen für eine Seehofer-Chaussee.

Tja, und irgendwann kommt sie dann, die gesetzliche Frauenquote, so lautet nun einmal das gleichstellungskompatible Gesetz der Straße: 50 Prozent weibliche Straßennamen sind Pflicht. Mehr Alexandra-Plätze und so. Insofern führt an der Schleckerfrauen-Allee ohnehin kein Weg vorbei.

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