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15.02.2013
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Die Wirtschaftsglosse
Schluß mit der Quälerei

Von Eva Müller

Take the money and run: Auch VW-Chef Winterkorn drückt die Last der Verantwortung - und des dicken Kontos
DPA

Take the money and run: Auch VW-Chef Winterkorn drückt die Last der Verantwortung - und des dicken Kontos

Zurücktreten ist salonfähig geworden. So mancher Wirtschaftsmagnat scheint auch schon an seiner Abschiedsrede zu formulieren. Denn am Ende des Tages zählen doch nur das eigene Seelenheil - und der Kontostand.

Wer hätte das gedacht: Ausgerechnet die 7. Kalenderwoche des Jahres 2013 sollte der Welt (zumindest der der Wirtschaft) einen echten Paradigmenwechsel bringen. Ach was, ein wahre Zeitenwende hat begonnen. Nun wird nichts mehr so sein wie zuvor!

Wie, Sie haben nichts gemerkt von giganischen Umwälzungen und revolutionären Veränderungen? Wie so oft machen sich tektonische Verschiebungen an der Oberfläche zunächst nur mit scheinbar kleinen Wellen bemerkbar. Aber das große Beben steht bevor - man muß nur die Zeichen richtig zu interpretieren wissen.

Nehmen wir die Headlines am Montag: Bundesbildungsministerin Annette Schavan tritt zurück. Nicht so ganz freiwillig und mit größtem Bedauern. Aber sie tut es. Nun gut, der Abgang hätte eleganter ausfallen können. Die Klage gegen die Uni Düsseldorf wg. Doktortitelsaberkennung bringt Abzüge in der B-Note.

Eva Müller
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Viel stilvoller wäre es doch gewesen, Frau Schavan hätte gesagt: "Gerade als ehemalige Wissenschaftsministerin unterstütze ich die Bemühungen der Universität um mehr Redlichkeit und Seriosität von ganzen Herzen. Weiter so!" Dann wäre die öffentliche Anerkennung und der vielseitig bekundete Respekt für ihren Schritt sicher noch deutlich intensiver ausgefallen. Vielleicht hätte es sogar standing ovations gegeben für so viel innere Größe, Souveränität und Demut.

So wie für Papst Benedikt, der am Dienstag seinen Rücktritt ankündigte. Wann wurde das Oberhaupt der Katholischen Kirche je mehr geliebt und geachtet als jetzt, da er offen und ehrlich bekannt hat, dass ihm das alles zu viel wird. Die Herzen fliegen dem oft als konservativ und verknöchert geschmähten Heiligen Vater zu, kein böses Wort mehr fällt mehr zu Mißbrauchs-, Sex- oder Finanzskandalen in der in jüngster Zeit so umfänglich kritisierten Seelenheil AG.

Jawohl, meine vielen Herren und ganz wenigen Damen an der Spitze der deutschen Unternehmen: Es ist salonfähig geworden, zurückzutreten. Mehr noch: Wer seiner Organisation, die vielleicht gerade ein wenig ins Gerede gekommen ist, Gutes tun will, der stellt einfach seinen Posten zur Verfügung. Und schon herrscht eitel Freude und Sonnenschein. Eine idealtypische Win-Win-Win-Situation: Das nörgelnde Volk ist glücklich, weil der vermeintliche Sündenbock sich selbst bestraft. Das Unternehmen ist froh, weil es das eigentliche Problem jetzt weiter ignorieren kann und trotzdem entlastet wird. Und der Rücktreter ist endlich die ganze Pest mit der Verantwortung los und kann als freier Mensch tun und lassen, was er lustig ist.

Mit weiterhin üppigen Bezügen, versteht sich. Und wenn der ganze Wirbel vorbei ist - so nach einen halben Jahr - gibt es für den vorbildhaft ehrlichen und integren Ex-Chef bestimmt wieder einen hübschen Posten mit Macht und Einfluß. Wahrscheinlich feilt Gerhard Cromme schon an seiner Abschiedsrede. Der ganze Quatsch um ThyssenKrupp und Siemens und die Corporate Governance. Das muss doch nicht sein. Immer arrogant die Nase hoch halten strengt doch auf die Dauer arg an, gerade in seinem Alter.

Bestimmt nimmt sich der gewiefte Taktierer den Papst zum Vorbild - es gäbe durchaus schlechtere Leitbilder. Und den Peter Löscher, den motiviert er bestimmt auch gleich zum Doppelabtritt. Was soll der Ärmste sich jetzt noch zwei Jahre mit so einem nervenaufreibenden Sparprogramm bei seiner Siemens quälen. Den Konzern hat er doch jetzt schon erfolgreich geschrumpft. Wozu jetzt noch das lästige Klein-Klein mit der Entsorgung von hier ein paar hundert und da ein paar Tausend Mitarbeitern, das ist doch wirklich unnötig und auch ganz unschön für den guten Ruf.

Die Wirtschaftsglosse im manager magazin

Jeden Freitag eröffnen Autoren aus der Print- und Onlineredaktion von manager magazin einen anderen Blickwinkel auf das Wirtschaftsgeschehen: Weniger kursrelevant, aber am Ende des Tages umso unterhaltsamer.
Auch Johannes Teyssen ist wohl bald so weit. So ein schöner Rücktritt würde den Eon-Chef davon erlösen, weiter an dem mehr oder minder erfolglosen Turnaround des Energiekonzerns zu laborieren. Keine zurückgezogenen Ergebnisprognosen mehr, keine Kraftwerksschließungen. Wie herrlich könnte das Leben sein.

Oder Martin Blessing. Der geplagte Bankmanager wird doch in dem Job bei der Commerzbank völlig aufgerieben. Keiner will seine schönen Konzepte umsetzten. Das ist doch wirklich zum Auswachsen. Höchste Zeit also für eine Abgangswelle in der deutschen Wirtschaft, die einen Tsunami als sanfte Wasserbewegung erscheinen läßt.

Zumal ja jetzt eine zweite, noch sehr viel erschütternde Entwicklung an Tempo zu gewinnen scheint. Kollege Winterkorn von VW will offensichtlich auf einen Teil seines ihm mit Fug und Recht zustehenden Gehaltes von 17 Millionen Euro verzichten. Dabei ist das doch gerade einmal das 186-fache des Durchschnittseinkommens eines VW-Werkers.

Und der bisher sozialistischer Umtriebe völlig unverdächtige Carsten Maschmeyer schwadroniert davon, eine Luxussteuer einzuführen. Wenn das so weiter geht, dann ist am Ende des Tages nicht nur der Posten, sondern auch noch das ganze schöne Geld weg. Deshalb gilt die Devise: Take the money and run.

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