Euromanager magazin RSS  - Euro

Alle Artikel und Hintergründe


06.02.2013
Twitter GooglePlus Facebook

Rasante Beschleunigung
Euro-Kurs auf dem Weg Richtung Furchtniveau

Von Karsten Stumm

Börse in New York: Euro-Kurs steigt derzeit tendenziell im weltweiten Devisenhandel
dpa

Börse in New York: Euro-Kurs steigt derzeit tendenziell im weltweiten Devisenhandel

Der Preis für Europas Euro-Devise rangiert heute knapp unter seinem 14-Monatshoch. Devisenhändler testen offenbar, wie weit sie den Kurs ohne Gegenwehr der EZB in die Höhe treiben können. Experten warnen vor einer spekulativen Blase. 

Hamburg - Was ist nur mit dem Euro los? Die Währung jenes Wirtschaftsblocks, der aktuell doch nahezu für das gesamte Weltübel verantwortlich sein soll, wie wir immerzu hören: Die Krise der Euro-Staaten, so haben wir uns beispielsweise zuletzt noch von Chiles Staatschef Sebastián Piñera vorhalten lassen müssen, gefährde den Wohlstand auf dem Globus: "Wenn eine Hälfte der Welt in Rezession lebt, kann die andere Hälfte kein anhaltendes Wachstum erreichen", hatte sich Piñera auf dem jüngsten Europa-Lateinamerikagipfel nicht zu Unrecht beklagt. Doch ausgerechnet der Euro, der so lange Zeit eher aus Krisenmeldungen als aus Cent berechnet wurde, ist jetzt wieder da.

Heute Nacht erreichte der Euro-Kurs den Wert von 1,3593 Dollar und lag damit nur leicht unter dem höchsten Stand seit mehr als 14 Monaten, den er am vergangenen Freitag mit 1,3711 erreicht hatte. Die Gemeinschaftswährung hat so seit Jahresanfang in der Spitze fast sechs US-Cent zugelegt. Die Folge: Der Euro legte zum US-Dollar und zum Pfund Sterling jeweils um rund 10 Prozent zu. Zum japanischen Yen summiert sich das Plus des vergangenen halben Jahres auf 30 Prozent.

Noch sieht die Europäische Zentralbank den Kursanstieg des Euro in Dollar Chart zeigen offenbar gelassen: Europas oberster Währungshüter Mario Draghi schweigt sich aus. "Die Devisenhändler testen, ab wann die Zentralbank einschreiten wird, um gegenzusteuern", sagt Rainer Sartoris deshalb heute, Devisenanalyst bei HSBC Trinkaus. Sollten Yen und Dollar aber weiter abwerten, geriete auch die europäische Notenbank in Zugzwang, meint er.

Doch kann die EZB gerade agieren? Ihr oberster Vertreter, Präsident Mario Draghi, sieht sich immer stärkeren Vorwürfen in seiner Heimat Italien ausgesetzt, vor Jahren in seiner Funktion als damaliger Oberaufseher italienischer Banken nichts gegen die heraufziehenden Krise der jetzigen Krisenbank Monte die Paschi unternommen zu haben. Draghi wurde zur Erklärung bereits nach Rom zitiert - mitten in der aufziehenden Währungskrise. "Derzeit sehen wir, wie sich eine spekulative Blase bildet", sagt Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. EZB-Chef Draghi hält sich dennoch weiter bedeckt über den Euro-Kurs, und womöglich steigt auch deshalb in Europa die Nervosität. Eigentlich kein Wunder.

Lange übertriebene Stimmung gegen den Euro

Ausgerechnet Europas Krisenstaaten haben mit der aktuell kaum erklärlichen rasanten Aufwertung des Euro zu kämpfen. Die geschundenen Schuldenstaaten Europas hatten in den vergangenen anderthalb bis zwei Jahren versucht, durch starke Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit, etwa durch sinkende Lohnstückkosten, auch wieder gegenüber Konkurrenten außerhalb der Euro-Zone an Stärke gewinnen zu können - und so mehr Waren dorthin exportieren zu können. Geld aus Exportgeschäften, das sie gut gebrauchen können.

Zum Teil ist das auch schon gelungen, manchmal auch nur in Ansätzen. Doch die Aufwertung der Euro-Währung droht den gewünschten Wettbewerbseffekt in Teilen wieder zunichte zu machen - selbst wenn sich die Kurs-Relationen aktuell eher noch im Rahmen der Handelsspannen der vergangenen Jahre bewegen. "Was die meisten Beobachter aber beunruhigt, ist die Dynamik der Bewegung und die Volatilität", sagt HSBC-Trinkaus-Volkswirt Stefan Schilbe heute. Tatsächlich ist die Schwankungsbreite seit Wochenbeginn auf zwei Cent in die Höhe geklettert.

Gerade die Beschleunigung der Euro-Rally in den vergangenen Tagen könnte nach Meinung von Devisenexperten auch eine Folge langer Unterschätzung der Wirtschaftskraft Europas gewesen sein. Erst extrem spät reagierte beispielsweise die Ratingagentur Standard & Poor's auf die Rettungsaktionen Europas für Griechenland: Erst nach zwei Jahren intensiver Rettungsbemühungen und Milliardenfinanzspritzen war dann, kurz vor Weihnachten 2012, die Ratingagentur Standard & Poor's vom Willen der Euro-Zone überzeugt, Griechenland zu retten. Die Folge: Analysten verbessern das Rating der Hellenen erheblich. Zufall oder nicht: Die Rating-Heraufstufung der S&P-Analysten fiel mitten in die beginnende Aufwärtungsphase des Euro.

"Die extreme Stimmung an den Märkten und der Öffentlichkeit gegen den Euro war eben übertrieben", meint dann auch HSBC-Experte Rainer Sartoris. Und ein so starkes negatives Sentiment sei immer ein guter Nährboden für eine Gegenbewegung. Jetzt hätten viele Anleger ihre Wetten gegen den Euro auflösen müssen - und der Euro-Kurs steigt deutlich. Mit knapp 1,36 Dollar und 0,86 Pfund liegt der Euro aktuell bereits wieder auf dem Niveau von Ende 2011.

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Weitere Artikel zu Diesem Thema

mm-Grafik am Mittag
Schwache Euro-Staaten tragen größere Lasten
AfD-Chef Lucke
"Schleunigst ein Austrittsrecht verankern"
Euro-Erweiterung
Hilfe, die Letten kommen!
Irlands Abschied vom EFSF
Goodbye and Good Luck

© manager magazin online 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH



Hintergründe, Artikel, Fakten

finden Sie auf den Themenseiten zu ...










Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service
Ihr persönliches DepotDepot
Twitter-FeedsTwitter-Feeds
manager magazin mobilmm mobil
Partnerangebote
Seminarmarkt: Tanken Sie Karrierewissen Seminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug? GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?
Handytarife: Finden Sie den passenden Tarif Handytarife:
Finden Sie den passenden Tarif