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30.01.2013
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Stagnation
Verunsicherte Mittelständler deckeln Jobangebote

Deutschlands Mittelstand verunsichert: Befragung zeigt nur begrenzten Optimismus
dapd

Deutschlands Mittelstand verunsichert: Befragung zeigt nur begrenzten Optimismus

Geht es wirklich aufwärts? Viele wichtige Stimmungsanzeiger für die deutsche Konjunktur zeigen zu Jahresbeginn bereits in Richtung Konjunkturerholung. Der deutsche Mittelstand ist dagegen skeptisch - und dürfte als Jobmotor noch Monate ausfallen.

Stuttgart - Deutschlands Mittelstand blickt einer Umfrage zufolge verunsichert in die Zukunft und rüstet sich vielerorts mit Sparprogrammen und ausgedünntem Stellenangebot. Nur noch ein gutes Drittel (39 Prozent) der Mittelständler hierzulande bewertet die aktuelle Geschäftslage als gut. Vor rund einem halben Jahr hatte sich noch mehr als die Hälfte (53 Prozent) uneingeschränkt zufrieden gezeigt. Das geht aus dem am Mittwoch in Stuttgart veröffentlichten Mittelstandsbarometer der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young hervor. 15 Prozent der Unternehmen klagten über schlecht laufende Geschäfte, vor einem halben Jahr waren es lediglich 8 Prozent.

Basis der Untersuchung ist die Befragung von 3000 Mittelständlern mit einer Belegschaft zwischen 30 und 2000 Menschen. Der Mittelstand gilt in Deutschland als entscheidender Jobmotor und Garant für ein breitgefächertes Stellenangebot bei konjunkturell solider Lage.

Doch ausgerechnet an diesem Punkt legen die Firmen nun zunehmend Hand an: Nicht einmal mehr jedes fünfte mittelständische Unternehmen (18 Prozent) will in den kommenden Monaten zusätzliche Mitarbeiter einstellen - das ist der niedrigste Wert seit Anfang 2010. Während 14 Prozent der Betriebe Stellenstreichungen planen, rechnen zwei Drittel (68 Prozent) mit Stillstand. Unter dem Strich bleibt also eine nur unwesentlich besser als stabile Lage.

Die Sorgenliste ist lang. Hohe Energiepreise, die Verunsicherung durch die Staatsschuldenkrise, anziehende Rohstoffpreise und die Konjunkturprobleme auf dem oft schwächelnden Exportmarkt Europa stehen ganz oben. So ließ auch die Investitionsbereitschaft im Mittelstand spürbar nach: Nur noch 18 Prozent wollen kommendes Jahr verstärkt Geld ausgeben, genauso viele planen dagegen, den Geldhahn stärker zuzudrehen.

Verhaltene Zuversicht für das Gesamtjahr 2013

So zeichnet die Befragung dann auch kein eindeutig negatives Bild, die Erwartungen an die wirtschaftlichen Entwicklung sind alles andere als mau: Nur 10 Prozent der Mittelständler rechnet für die kommenden sechs Monate mit einer sich eintrübenden Geschäftslage. Die Mehrheit (56 Prozent) geht von einer stabilen Lage aus, 34 Prozent meinen eine Verbesserung stehe an. Bei der Gewinnentwicklung ergibt sich ein ähnliches Bild: Nur 13 Prozent erwarten sinkende Erträge, jeder Vierte (26 Prozent) dagegen Zuwächse.

Der flauen Stimmung bei zusätzlichem Jobangebot und aktueller Geschäftslage stehen wiederum in Summe positive Konjunkturerwartungen für das ganze Jahr 2013 gegenüber: Hatten sich zuletzt Mitte 2012 noch 45 Prozent pessimistisch gezeigt, sackte dieser Anteil jetzt auf 23 Prozent ab. Entsprechend deutlich legten die Konjunkturoptimisten zu: Von 11 auf 28 Prozent. Keine Änderung erwarten 49 Prozent (zuvor: 44 Prozent).

Der Ernst-&-Young-Mittelstandsexperte Peter Englisch sieht in den Studienergebnissen aber ein Zeichen für raueren Wind: "Statt Investitionen und Neueinstellungen dürften in den kommenden Monaten vor allem Kostensenkungen auf der Agenda stehen", erklärte er.

"Immer mehr Mittelständler kämpfen mit einer rückläufigen Auftragslage und könnten bei einer Fortdauer der Flaute in ernsthafte Schwierigkeiten geraten. Es wird immer deutlicher, dass Deutschland keine Insel der Seligen ist wir können uns nicht vollständig von der Krise in weiten Teilen Europas abkoppeln", sagte Englisch.

Andere jüngst veröffentlichte Konjunkturindikatoren stehen den Ergebnissen der Mittelstandsumfrage allerdings entgegen. Das wichtigste Konjunkturbarometer für Deutschland, der Ifo-Geschäftsklimaindex, stieg im Januar zum dritten Mal in Folge. Die für den Index befragten deutschen Unternehmen bewerteten sowohl ihre aktuelle Geschäftslage als auch ihre Aussichten für das kommende halbe Jahr besser.

Wenige Tagen zuvor brachte der zweite ungewöhnlich starke Anstieg des ZEW-Stimmungsindikators in Folge nach Meinung von Volkswirten bereits klare Hinweise auf eine Erholung der Wirtschaft in Deutschland. Zudem berichtete das britische Marktforschungsunternehmen Markit, dass seit Januar Deutschlands Einkaufsmanager wieder mit Wachstum rechnen. Und das Marktforschungsinstitut GfK berichtete erst am Dienstag, dass sich auch bei Deutschlands Verbrauchern wieder Optimismus breitmache. Mit der Aussicht auf eine baldige Belebung der Konjunktur habe sich auch die Konsumstimmung spürbar aufgehellt, teilten die GfK-Experten mit.

kst/dpa

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