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25.01.2013
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Libyen
Deutsche sollen Bengasi verlassen

US-Konsulat in Bengasi nach dem Anschlag: Bei einem Terroranschlag im September 2012 wurden Botschafter Christopher Stevens und drei weitere US-Diplomaten getötet
AP

US-Konsulat in Bengasi nach dem Anschlag: Bei einem Terroranschlag im September 2012 wurden Botschafter Christopher Stevens und drei weitere US-Diplomaten getötet

Das Auswärtige Amt fordert alle deutschen Staatsbürger auf, die libysche Stadt Bengasi unverzüglich zu verlassen. Auch andere westliche Regierungen warnen ihre Bürger. Angesichts des französischen Militäreinsatzes gegen Islamisten in Mali wächst die Terrorangst.

Berlin/London/Tripolis - Wegen einer konkreten Bedrohung riefen die Regierungen Deutschlands und anderer westlicher Staaten ihre Staatsbürger dazu auf, die Region um die libysche Hafenstadt Bengasi umgehend zu verlassen.

Die libysche Regierung sieht indes keine Gefahr. Die Berichte über die Bedrohung westlicher Staatsbürger entbehrten jeder Grundlage, sagte ein Vertreter des Innenministeriums der staatlichen Nachrichtenagentur Lana. Er versicherte, dass die Sicherheitslage in Bengasi stabil sei.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle sprach hingegen bei einem Besuch in Lissabon von einer "ernsten und delikaten Lage". Die Warnung sei aufgrund von "verschiedenen Hinweisen" erfolgt. Konkreter wurde Westerwelle nicht. Das Auswärtige Amt geht von nur wenigen Deutschen in Bengasi aus, konnte aber keine genaue Zahl nennen.

Am Donnerstagnachmittag hatte zuerst das britische Außenministerium zum verlassen Bengasis und der umliegenden Küstenregion aufgerufen. "Wir sind über eine spezifische und unmittelbare Bedrohung für westliche Staatsbürger in Bengasi informiert", hieß es. Wenig später meldete das Auswärtige Amt im Internet eine "unmittelbare konkrete Bedrohung westlicher Staatsangehöriger in Bengasi".

Intervention Frankreichs in Mali verschärft die Lage

Auch das niederländische Außenministerium rief seine Bürger auf, Bengasi umgehend zu verlassen. Eine akute Bedrohung sei nicht ausgeschlossen, sagte ein Sprecher des Außenministeriums am Abend dem niederländischen Radio. Nach der Intervention Frankreichs in Mali sei die Gefahr von Vergeltungsschlägen auf westliche Ziele größer geworden.

In der mit knapp 700.000 Einwohnern zweitgrößten Stadt Libyens waren bei einem Terroranschlag auf das US-Konsulat am 11. September vergangenen Jahres Botschafter Christopher Stevens und drei weitere US-Diplomaten getötet worden.

Am Sonntag vor zwei Wochen entging der italienische Konsul Guido De Sanctis in Bengasi einem Anschlag. Unbekannte feuerten an einer Kreuzung auf seinen Wagen. Dank der Panzerung blieb er unverletzt.

Vor einer Woche wurden bei einem Geiseldrama im Nachbarland Algerien rund 70 Menschen getötet. Der Angriff islamistischer Kämpfer auf eine Gasförderanlage in der algerischen Wüste war eine Reaktion auf die französische Intervention im westafrikanischen Mali.

Aufforderung des Auswärtigen Amts ungewöhnlich

Seitdem ist die ganze Region in Alarmbereitschaft. Für Libyen hatte das Auswärtige Amt bereits vor dem aktuellen Hinweis eine Reisewarnung ausgegeben. "Die Lage im ganzen Land ist weiterhin unübersichtlich. Bewaffnete Auseinandersetzungen finden vereinzelt weiterhin statt und sind jederzeit möglich", heißt es darin. Die jetzige konkrete Warnung vor einer Bedrohung mit der dringenden Aufforderung, die Region zu verlassen, ist aber äußerst ungewöhnlich.

Das britische Außenministerium warnte auch vor Reisen in andere Städte der Küstenregion wie beispielsweise Misrata. Air Malta strich nach der britischen Warnung einen Flug nach Bengasi.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hatte am Mittwoch wegen der angespannten Sicherheitslage in Nordafrika eine Reise nach Algerien und Libyen abgesagt. Der Vizekanzler und FDP-Chef wollte vom 5. bis 7. Februar mit Vertretern von deutschen Firmen in beide Länder reisen, um vor allem Energie- und Infrastrukturprojekte voranzubringen. Auch waren in Algier und Tripolis hochrangige Gespräche mit Regierungsvertretern geplant.

mg/dpa-afx

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