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22.01.2013
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Geldschwemme
Japans riskantes Spiel mit der Notenpresse

Von Martin Hintze

Ministerpräsident Shinzo Abe: Japan kämpft verzweifelt gegen die Deflation
DPA

Ministerpräsident Shinzo Abe: Japan kämpft verzweifelt gegen die Deflation

Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt kündigt an, die Geldschleusen nach amerikanischem Vorbild noch weiter zu öffnen. Doch statt eines Kursfeuerwerks ernten die Japaner vor allem Misstrauen. Die Aktion könnte zu einem gefährlichen Bumerang werden.

Hamburg - Shinzo Abe will ein Zeichen setzen. Nach knapp zwei Jahrzehnten Wirtschaftsflaute und hartnäckiger Deflation ist Japans frisch gewählter Regierungschef entschlossen, das Ruder endlich herumzureißen. Sein Land werde einen makroökonomischen "Regimewechsel" vollziehen.

Dazu bedient sich der Ministerpräsident eines auf der ganzen Welt beliebten wie gefürchteten Mittels: Neue Schulden sollen die Probleme lösen - ausgerechnet in dem Land, das mit knapp 240 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung so hoch verschuldet ist wie kein anderes Land der Welt.

Die Notenbank des Inselstaates - so sind sich Beobachter einig - folgt schon einmal den Vorgaben des Premiers. Am Dienstag kündigte die Bank of Japan (BoJ) an, die Geldpolitik weiter zu lockern und die Wirtschaft mit frischem Geld aus der Notenpresse zu versorgen. Ab 2014 sollen unbefristete Anleihekäufe die Refinanzierungskosten drücken und den Yen zur Stützung der Exportwirtschaft niedrig halten.

Zugleich hoben die Währungshüter ihr Inflationsziel von 1 auf 2 Prozent. "Die fahren auf den Abgrund zu und geben noch einmal Gas", kommentiert Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer den Kurswechsel. Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ist skeptisch: "Mir macht ziemlich viel Sorge, was die neue Politik der japanischen Regierung ist."

Bank of Japan: Aggressiver als die EZB, vorsichtiger als die Fed und BoE

An den Börsen verpuffte die Ankündigung wirkungslos: In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei Chart zeigen knapp im Minus. Andere asiatische Börsen blieben gänzlich unbeeindruckt. Am Devisenmarkt legte der Yen, den Regierungschef Shinzo Abe eigentlich schwächen will, sogar zu. "Die Maßnahmen der Notenbanker sind Lippenbekenntnisse", heißt es in einer Analyse der Commerzbank. An der aktuellen Situation habe sich nichts geändert.

Viele Anleger hatten wohl gehofft, dass die Anleihekäufe sofort in Kraft treten und dass auch ausländische Papiere gekauft würden. Stattdessen werden nun vor allem auslaufende Programme verlängert. Die Notenbanker ließen zudem offen, wann das neue Inflationsziel erreicht werden soll. "Der Mitteleinsatz ist minimal", sagt Deutsche-Bank-Volkswirt Mikihiro Matsuoka.

Auch wenn es vielleicht auf den ersten Blick nicht so aussieht: Mit der Ankündigung verhalten sich Japans Währungshüter zwar aggressiver als die Europäische Zentralbank, aber immer noch um einiges vorsichtiger als die US-Notenbank Fed oder die Bank von England. Nach Berechnungen der Berenberg Bank würden die Staatsanleihekäufe von 8,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Dezember auf 23 Prozent des BIPs Ende 2014 steigen. In Großbritannien liegt der Wert bereits heute bei 24 Prozent.

Mit anderen Worten: Bis zum Anschlag aufgedreht sind die Geldschleusen noch nicht. "Die Notenbank hält einen Teil ihres Pulvers trocken", sagt Berenberg-Volkswirt Christian Schulz.

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