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21.01.2013
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Neuer Chef der Euro-Gruppe
Jeroen Lückenbüßer

Von Christoph Rottwilm

Mittler in der Krise: Der neue Euro-Gruppenchef Dijsselbloem
Fotos
AFP

Mitten in der Krise setzt die Euro-Gruppe einen Novizen auf ihren wichtigsten Posten. Der Niederländer Jeroen Dijsselbloem wird Gruppenchef nicht wegen seiner Qualifikation, sondern weil gegen ihn am wenigsten sprach. Scheitern muss er nicht - aber das Risiko ist groß.

Hamburg - Die Handynummern von Angela Merkel und François Hollande - wenn nicht schon geschehen, wird Jeroen Dijsselbloem sie sich rasch besorgen müssen. Dazu am besten auch die Daten des griechischen Premiers Antonis Samaras oder etwa von Pedro Passos Coelho aus Portugal.

Sie alle muss Dijsselbloem künftig gut erreichen können. Denn der niederländische Finanzminister übernimmt eine zentrale Aufgabe in der großen Oper namens Euro-Rettung. Genauer: Er ist der neue Dirigent.

Wenn keine Überraschung geschieht, wird Dijsselbloem am heutigen Montagnachmittag in Brüssel zum Chef der Euro-Gruppe gewählt. Er folgt damit auf den Luxemburger Jean-Claude Juncker, der das Amt acht Jahre lang prägte. Zweieinhalb Jahre beträgt zunächst die Amtszeit des Neulings aus Den Haag.

Die Wahl Dijsselbloems kann man unterschiedlich beurteilen: Für den 46jährigen Sozialdemokraten, der erst vor zwei Monaten niederländischer Finanzminister wurde und sein Debüt bei einer Euro-Gruppensitzung gab, ist es wohl der vorläufige Höhepunkt einer Blitzkarriere auf internationalem Parkett. Kritiker dagegen sehen es anders. Für sie handelt es sich bestenfalls um einen ordentlichen Kompromiss - eher jedoch um einen weiteren Offenbarungseid der europäischen Konsenspolitik.

Kein Wunschkandidat

Denn Dijsselbloem ist kein Wunschkandidat, von so ziemlich Niemandem. Er ist vielmehr das Ergebnis eines Ausscheidungsspielchens à la Reise nach Jerusalem. Der studierte Agrarökonom verfügt nicht etwa über die beste Qualifikation für das Amt des "Mister Euro". Er war am Ende einfach derjenige, gegen den am wenigsten sprach. Jeroen Kleinster-Gemeinsamer-Nenner also. Oder Jeroen Lückenbüßer.

Wie kam es dazu? Kandidaten aus kleinen, politisch leichtgewichtigen Ländern wie Estland oder Malta waren von vornherein chancenlos. Angesichts der Euro-Schuldenkrise kam für den Spitzenposten zudem nur ein Politiker in Frage, dessen Heimat über eine einwandfreie Bonität und stabile Staatsfinanzen verfügt. Damit waren auch Spanien, Italien, Portugal oder gar Griechenland aus dem Rennen.

Überhaupt verfügen nur noch vier der insgesamt 17 Euro-Länder über das Spitzenrating "AAA" der einflussreichen Ratingagentur Standard & Poor's, nämlich Deutschland, Luxemburg, Finnland und eben die Niederlande.

Tatsächlich hatte der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zeitweise Interesse am Euro-Chefsessel signalisiert. Das stieß jedoch auf Gegenwehr beim französischen Präsidenten Hollande (womit sich die Chancen des dortigen Finanzministers Pierre Moscovici endgültig erledigt hatten). Ein Luxemburger konnte es nicht werden, weil schon Juncker aus dem Ministaat kam. Und kein Finne, weil mit Währungskommissar Olli Rehn bereits ein Landsmann einen Schlüsselposten der EU-Kommission besetzt (auch gegen Belgien sprach, dass Europa-Ratspräsident Herman van Rompuy dort Zuhause ist).

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