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04.01.2013
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Die Wirtschaftsglosse
Die Frittenfett-Mafia schlägt zu

Von Arvid Kaiser

Heiße Ware: Frittenfett wird zum Treibstoff unserer Zivilisation
dapd

Heiße Ware: Frittenfett wird zum Treibstoff unserer Zivilisation

Nichts ist mehr sicher: Wahrlich fette Beute haben Diebe in den Friteusen einer Fast-Food-Filiale gemacht. Am Ende des Tages erzeugt der Rohstoff-Boom allerlei neue Jobprofile für Kriminelle.

Früher kamen aus Amerika erhellende Informationsprogramme wie "Die dümmsten Verbrecher der Welt". Auch heute noch kann man von dem Genre lernen: zum Beispiel, wie wertvoll altes, abgestandenes Bratfett ist. Es riecht nach Tod, erzeugt furchtbare Flecken, und doch lässt sich damit fett verdienen.

Zwischen den Jahren schaffte es der Chef einer McDonald's-Bude in einem Vorort von Los Angeles, gefürchtete Fettdiebe dingfest zu machen. Der bereits mehrfach geschädigte Filialleiter hatte sich nachts auf die Lauer gelegt, als zwei Männer den Inhalt seiner Friteusen in einen Tank auf ihrem Pick-up umfüllten. Die beiden Männer (die auf dem Polizeifoto etwas aufgeschwemmt wirken, aber das hat wohl nichts mit ihrem Geschäft zu tun) wurden als Serientäter eingestuft.

Arvid Kaiser
manager-magazin.de

Arvid Kaiser

An Metalldiebe haben wir uns schon gewöhnt. Wenn es sonst keinen Grund gibt, bleibt die Bahn wegen fehlender Kabel, fehlender Signalanlagen oder auch mal fehlender Gleise stehen. Bronzestatuen, Kirchendächer, Friedhofsurnen - nichts ist den Ganoven heilig, wenn Kupfer Chart zeigen 8000 Dollar pro Tonne kostet.

Aber Bratfett? Doch der Zusammenhang ist unmittelbar: Die globale Rohstoffrally schlägt auch hier zu. "Bratfett wird heute auf einem boomenden Rohstoffmarkt gehandelt", weiß die "New York Times", die von perfekt organisierten Überfällen mit Tanklastern berichtet. Millionen setzten die Diebe mit Recyclingfirmen um, die das schmierige Nass zu Biosprit machen.

Geradezu hellseherisch erscheint im Rückblick die Simpsons-Folge "Lard of the Dance" (deutsch "Ein jeder kriegt sein Fett") von 1998: Darin versuchen sich Homer und Bart Simpson im Fett-Business, zunächst indem sie Speck ausbraten (aber nur 63 Cent für das Fett aus für 27 Dollar gekauftem Speck bekommen), später mit einem Einbruch in die Schulkantine.

Seit damals hat sich einiges geändert, vor allem hat sich der Preis für Bratfett auf rund 20 Cent pro Kilo verfünffacht. Damit ist das Geschäftsmodell des Speckausdünstens zwar noch weit vom Break-even entfernt, die Idee des Kücheneinbruchs erscheint jedoch zunehmend attraktiv.

Die Wirtschaftsglosse im manager magazin

Jeden Freitag eröffnen Autoren aus der Print- und Onlineredaktion von manager magazin einen anderen Blickwinkel auf das Wirtschaftsgeschehen: Weniger kursrelevant, aber am Ende des Tages umso unterhaltsamer.
Das Nachsehen haben professionelle Verwertungsfirmen, die einst von den Restaurants für die Abnahme des stinkenden Zeugs bezahlt wurden und nun umgekehrt in Vorleistung gehen - nur um immer mehr leere Container vorzufinden. "Es ist ziemlich schwierig, Bezirksstaatsanwälte dazu zu bringen, das ernst zu nehmen", bedauert Douglas Hepper, Chef der Behörde, die in Kalifornien den Fetthandel überwacht. Die Juristen seien immer noch mit Old-School-Verbrechen wie Morden und Drogenlaboren beschäftigt.

Ein Anwalt namens Jon A. Jaworski aus Houston brüstet sich in der "Times" sogar, auf die erfolgreiche Verteidigung von Fettdieben spezialisiert zu sein. Das kostbare Nass werde von Gerichten oft als aufgegebenes Eigentum betrachtet. Immerhin: Im Bundesstaat North Carolina gilt seit Neujahr ein Gesetz, das Fettdiebstahl unter besondere Strafe stellt.

Die Entwicklung hat aber auch ihr Gutes: Sie zeugt von wachsender Wertschätzung der traurigen Hinterlassenschaften unserer Zivilisation. Und sie sorgt dank guter Bezahlung dafür, dass sich jemand freiwillig all der stinkenden, hässlichen, übel schmeckenden Dinge annimmt. Längst tobt um den Hausmüll, den früher niemand freiwillig runterbrachte, ein wilder Kampf. Da sind doch reichlich Wertstoffe drin, und mit dem Rest kann man immer noch Strom erzeugen. Maische oder Jauche? Super Biogas. Und wer weiß, was die BASF Chart zeigen vielleicht noch aus Wurstwasser zaubern kann.

Sicher lässt sich die aus der Metallbranche bekannte Dynamik auch auf diese Soft Commodities übertragen. "Wenn der Kupferpreis auf einem hohen Niveau steht, ist das gut für uns, weil der Anreiz zum Recycling steigt", also mehr Ware zur Verwertung angeliefert wird, berichtet etwa Peter Willbrandt, Chef der Hamburger Kupferhütte Aurubis Chart zeigen.

Die Logik ist unbestechlich: Je mehr Ware gestohlen wird, desto knapper ist sie, desto höher steigen die Preise, desto mehr wird gestohlen ... Es ist ein Perpetuum mobile des Wirtschaftswachstums. Aus den Friteusen der Welt wird eine neue goldgelbe Ära geboren.

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