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21.12.2012
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Die Wirtschaftsglosse
Zahlen pflastern unseren Weg

Von Dietmar Student

Zahlen, bitte: Lasst uns Abschied nehmen von der Exaktheitshuberei
SPIEGEL ONLINE

Zahlen, bitte: Lasst uns Abschied nehmen von der Exaktheitshuberei

Die Milliarden fliegen uns nur so um die Ohren, meistens handelt es sich um verlorene. Dabei wird gelogen, dass sich die Stahlträger der Elbphilharmonie biegen. Am Ende des Tages hilft nur eine radikale Abkehr von der Zahlengläubigkeit. Im Vagen liegt die Kraft.

Hallo? Ist da noch jemand? Leser, Blogger, Zwitscherer - Welt? Gottseidank. Gut, der Tag ist noch nicht rum, aber kaum einer ist den Maya auf den Leim gegangen, nach deren Kalender am 21. Dezember die Welt untergehen soll.

Der einzige, der seiner Hemisphäre entflieht, ist - nach bisherigem Recherchestand - Telekom-Chef René Obermann. Sucht in einer anderen Galaxis (O2-World?) eine neue Heimat. Und natürlich Huub Stevens fiel drauf rein, der vor kurzem fluchtartig seinen Arbeitsplatz verließ und seitdem die Apokalypse anknurrt. Der Ex-Schalke-Trainer gilt ja schon seit langem als mathematischer Avantgardist mit normativer geometrischer Kraft ("Die 0 muss stehen!").

Da ist man empfänglich für Weltuntergangsziffern. Doch Vorsicht: Die Einflüsse der mayaschen Mathekultur finden sich überall. Die Inflationsrate soll im neuen Jahr EU-weit 2 Prozent betragen. 2 Prozent? Lug und Trug. Wie schon ein flüchtiger Blick in diverse Kostenrechnungen zeigt. Die Fertigstellung der Elbphilharmonie verteuert sich von 77 Millionen auf 575 Millionen Euro. Das sind nicht 2 sondern 700 Prozent.

Dietmar Student
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Gut, es handelt sich um ein freistehendes Haus, in bester Lage. Trotzdem: Vor Scham wird der Namensgeber irgendwann im Lauenburgischen versiegen. Der neue Berliner Großflughafen (ebenfalls freistehend): plus 1,9 Milliarden. Und Stuttgart 21, jener Bahnhof, bei dem nicht mehr protestiert sondern nur noch potenziert wird? 4,4 Milliarden mehr.

Wahrscheinlich ist die Schienenmafia schuld an der wundersamen Ziffernvermehrung. Aber können wir diesen Zahlen glauben? Nein, natürlich auch nicht. Keine einzige stimmt. Klar ist doch, dass es zum Beispiel bis zur Eröffnung der Elbphilharmonie noch Dutzende dieser Sonderangebotswochen geben wird (alles ohne Tiernahrung, Stecker, Notenständer - Sie wissen schon). Dann kommt am Ende das vierlagige Toilettenpapier (mit Bratschenschlüssel-Motiv) um einiges billiger. So dass sich eben nicht 575 Millionen, sondern womöglich 574.358.216,24 Euro ergeben. Wenn schon, dann wäre das die exakte Summe.

Hier wird mithin eine Genauigkeit vorgetäuscht, die es in Wahrheit nicht gibt. Auch die Bibelschreiber nahmen es ja mit den Zahlen nicht so genau. Die Heiligen Drei Könige waren mal nur zwei, mal vier, mal drei. Die Syrer sind weiland beim Zählappell sogar auf zwölf gekommen. Im Jahr 2013 verfallen wir schon wieder in den gleichen Fehler. Ein Glücksjahr soll es werden. Beleg? Zahlen.

Die Formelliebhaber laden ihre halbautomatischen Taschenrechner schon durch. 2013 - alle Ziffern seien unterschiedlich, und zwar zum ersten Mal seit 1987, tat etwa das britische Wirtschaftsblatt "The Economist" der Menschheit kund. Chapeau, welch' steile Erkenntnis!

Andere weisen darauf hin, dass die Quersumme von 2013 die Zahl 6 ergibt. Richtig, und? Nun, das sei eine sogenannte vollkommene Zahl. (Bevor Sie googeln: Das ist eine Zahl, die gleich der Summe ihrer Teiler außer sich selbst ist, also die irgendwie neben sich steht.) Die nächste vollkommene Zahl ist erst wieder 28. Wir müssten mithin nur noch bis zum Jahr 2899 warten, dann hätten wir wieder dieses epochale mathematische Erweckungserlebnis. Verdammt lang hin.

Die Wirtschaftsglosse im manager magazin

Jeden Freitag eröffnen Autoren aus der Print- und Onlineredaktion von manager magazin einen anderen Blickwinkel auf das Wirtschaftsgeschehen: Weniger kursrelevant, aber am Ende des Tages umso unterhaltsamer.

Deshalb der Neujahrswunsch an alle: Lasst uns Abschied nehmen von dem Chiffrefetisch und der Exaktheitshuberei. Im Vagen, im Ungefähren liegt vielmehr unser Heil. So gelangen unterschätzte Worthülsen wie "annähernd", "halbwegs" und "beinahe" wieder in unseren Sprachschatz. Und nun? Genau, am Ende kommen immer die Lottozahlen.

Hier sind sie, mit gewohntem Liebreiz von dieser Wie-heißt-sie-noch-Dame in ordnungsgemäßem Zustand präsentiert: kleiner als zehn, ein knappes Dutzend, über fünfzehn, keine dreißig, ungefähr vierzig, noch einen Schnaps mehr. Zusatzzahl? Ja. Das alles natürlich ohne Gewähr. Steht übrigens auch unter dem Maya-Kalender, in die AGB geritzt. Hat nur keiner gemerkt.

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