Montag, 23. Oktober 2017

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Nord-Minister Habeck "Einen Deckel für Windkraft wird es nicht geben"

Wieviel Windkraft soll es sein? Schleswig Holsteins Energiewendeminister Robert Habeck (r.) und Bundesumweltminister Altmaier (li) sind sich nicht einig

Mit Windkraft will Schleswig-Holstein zur Energiemacht aufsteigen. Doch vor dem Energiegipfel bremst der Bund die Nordlichter. Kiels Energiewendeminister Robert Habeck erklärt, warum die Stromschwemme von der Küste für der Rest der Republik ein Segen ist.

mm: Herr Habeck, Schleswig-Holstein will bis zum Jahr 2020 satte 300 Prozent seines Strombedarfs mit erneuerbaren Energien erzielen. Sind Sie größenwahnsinnig geworden?

Habeck: Schleswig-Holstein ist schon lange Stromexportland. Jetzt wollen wir das, was das Land mit Atomkraftwerken und fossilen Kraftwerken produziert hat, ersetzen. Nur: Früher hat sich niemand über diesen Stromexport aufgeregt, jetzt, wo es um erneuerbare Energien geht, schon. Damit richtet sich die heutige Diskussion selbst.

mm: Einen entscheidenden Unterschied gibt es durchaus. 300 Prozent über das Jahr bedeuten vielleicht 600 Prozent und mehr in windigen Nächten. Für diese Phasen müssen gewaltige Netze her, die im Schnitt schwach ausgelastet sein werden.

Habeck: Das Stromaufkommen aus Windkraftanlagen schwankt natürlich. Insofern haben wir ein Problem, dem wir mit dem Netzausbau aber begegnen. Zudem liefern moderne Rotoren Strom wesentlich gleichmäßiger als alte, das Gleiche gilt für Offshore.

mm: Befürchten Sie nicht, dass in zehn Jahren der ganze Strom und die Leitungen gar nicht gebraucht werden, beispielsweise weil viel stärker dezentral Strom erzeugt wird, als wir es uns heute vorstellen können?

Habeck: Firmen und Verbraucher werden den größten Teil ihres Stroms weiterhin aus nationalen und europäischen Netzen kaufen. Die Idee von einer Dezentralität, in der sich jedes Dorf selbst mit Strom versorgt, bringt unsere Volkswirtschaft nicht weiter. Windstrom aus dem Norden ist schon jetzt so günstig, dass es sich allemal lohnt, ihn über Hunderte Kilometer zum Verbraucher zu transportieren.

mm: Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) will den Ausbau von Windkraft drosseln. Sind Ihre 300 Prozent beim Energiegipfel mit der Kanzlerin verhandelbar?

Habeck: Wir setzen dieses Ziel bereits Schritt für Schritt um, und auf diesem Weg machen wir weiter. Jede Quote, jeder Deckel widerspricht dem Geist des Strommarktes. Die Folge wäre auch eine Art Windhundrennen: Jeder Betreiber versucht, noch unter dem Deckel zum Zuge zu kommen. Das treibt die EEG-Umlage in die Höhe. Eine solche Deckelung werden die Teilnehmer des Energiegipfels nicht beschließen - jedenfalls nicht, so lange jemand aus Schleswig-Holstein im Raum sitzt.

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