Montag, 6. Juli 2015

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Microsoft und Google greifen an Endspiel auf dem Tablet-Markt

Zurück in die Zukunft: Renaissance der Hardware im Silicon Valley
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manager magazin

Jetzt stürzen sich auch Softwarekonzerne wie Microsoft und Google auf das Geschäft mit Tablets - und fordern Apple und Samsung heraus. Die Branche steckt mitten im Schlagabtausch. Manchen Hardware-Herstellern droht der K. O.

Seit über zwölf Jahren ist Steve Ballmer (56) nun schon Chef des weltweit größten Softwarekonzerns, doch erst die Suche nach dem perfekten Tablet brachte ihn dazu, mit der Firmenphilosophie der Gründer zu brechen. "Bill Gates und Paul Allen platzierten eine Wette, eine Wette auf Software", leitete der Microsoft-CEO die neue Ära kürzlich ein. Zum ersten Mal in der bald 40-jährigen Unternehmensgeschichte baut der Softwareriese nun selbst Computer: Mit dem neuen Tablet "Surface" will Microsoft unter anderem Apples iPad angreifen.

Die Kehrtwende resultierte aus einem tiefen Groll Ballmers gegenüber den langjährigen Microsoft-Partnern. Ob Hewlett-Packard Börsen-Chart zeigen oder Dell Börsen-Chart zeigen - für das neue Flaggschiffbetriebssystem Windows 8, so bat Ballmer, sollten die PC-Hersteller neue Tablets entwickeln. Doch statt Premiumware lieferten die Hardwarespezialisten in Redmond Billigflunder um Billigflunder ab. Damit, wurde Ballmer schließlich klar, brauchte er erst gar nicht anzutreten. Also ging er seine eigene Wette ein, die lautet: Microsoft will jetzt mit Hardware gewinnen.

Dass sein Tablet mehr als nur eine PR-Show ist, machte Ballmer intern auf dem jährlichen Treffen seiner Verkaufs- und Marketingtruppen deutlich. In der Philips-Arena in Atlanta stürmte er im Sommer auf die Bühne, klatschte Hände ab, ließ Bon Jovi aufspielen. Am Ende blieb bei den aus aller Welt angereisten 12.000 Mitarbeitern vor allem eine Botschaft hängen: "Microsoft ist jetzt auch ein Hardwareunternehmen."

Nicht nur Microsoft ändert seinen Kurs. Google-Chef Larry Page (39) kaufte im vergangenen Jahr für 12,5 Milliarden Dollar den Handybauer Motorola. Der Suchmaschinenkonzern aus Kalifornien verkauft seit Kurzem zudem ein eigenes Google-Tablet.

Microsoft, Google und Amazon drängen ins Hardware-Geschäft

Amazon Börsen-Chart zeigen, das globale Online-Warenzentrum, stockt nicht nur seine virtuellen Regale auf, auch die Gerätschaften vermehren sich: Nach E-Book-Reader und Tablet soll wohl ein Amazon-Smartphone folgen. Und mag Facebook-Chef Mark Zuckerberg (28) auch dementieren - die Branche ist überzeugt, dass die Entwickler in Menlo Park längst an einem Handy für das soziale Netzwerk mittüfteln.

Hardware ist die neue Software - und nichts ist in der Branche mehr so, wie es einmal war.

Der geballte Vorstoß der Softwaregiganten auf den Markt mit harter Ware hat die über Jahrzehnte gewachsenen Gesetzmäßigkeiten in dem milliardenschweren Geschäft hinweggefegt. Getreue Gefährten mutieren zu unberechenbaren Herausforderern. Klassenbeste kommen in Bedrängnis.

Selbst die Patentstreitigkeiten, die die Branche seit Monaten umtreiben, geraten zu Nebenschauplätzen angesichts dieser tektonischen Verschiebungen: Software allein reicht nicht mehr, um im Zeitalter des mobilen Internets ganz vorn mitzuspielen.

Mit eigenen Gerätschaften wollen sich die Lenker vieler Softwarekonzerne den Zugriff auf neue Geschäftsmodelle aus Apps und Unterhaltungsangeboten sichern. Apple Börsen-Chart zeigen ist das große Vorbild.

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