Freitag, 28. April 2017

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Hauspreise im freien Fall Euro-Minister kämpfen um Spaniens Rettung

Bauruine in Marbella: Die Immobilienkrise gilt in Spanien als die Wurzel allen Übels

Beim Treffen der Euro-Finanzminister auf Zypern geht es besonders um die prekäre Lage Spaniens und die Frage, ob und zu welchen Konditionen dem Land finanziell geholfen werden muss. Neue Immobiliendaten zeigen, wie dramatisch die Lage Spaniens nach wie vor ist.

Madrid - Die Häuserpreise in Spanien sind im zweiten Quartal so stark gefallen wie seit fünf Jahren nicht mehr. Sie sanken um 14,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, teilte das Statistikamt am Freitag in Madrid mit. Im ersten Vierteljahr hatte das Minus noch 12,6 Prozent betragen.

In allen Kommunen ging es mit den Preisen bergab, besonders kräftig in der Hauptstadt Madrid mit 16 Prozent und im wirtschaftlich starken Katalonien mit 16,5 Prozent.

Spanien steckt seit Jahren tief in der Immobilienkrise. Nach einem jahrelangen Bauboom mit steigenden Immobilienpreisen platzte die Blase zu Beginn der Finanzkrise. Die Banken kämpfen bis heute mit zahlreichen faulen Krediten, weil viele Spanier sich finanziell übernommen haben und die Immobilien nicht mehr oder nur mit enormen Einbußen losgeschlagen werden können.

Solange die Immobilienkrise nicht beendet ist, dürfte auch die Wirtschaft Spaniens kaum wieder auf die Beine kommen. Über die schwierige Gesamtlage des Landes sowie Griechenlands diskutieren an diesem Freitag im zyprischen Nikosia auch die Finanzminister der Euro-Gruppe.

Schäuble verweigert schnelle Bankenhilfe

Die Ressortchefs verlangen von Spanien eine Fortsetzung des eingeschlagenen Reformkurses. "Spanien muss die Märkte überzeugen, dass es verpflichtet und entschlossen ist, die Reformen umzusetzen und die Sparpolitik fortzusetzen", sagte der niederländische Finanzminister Jan Kees de Jager in Nikosia. "Spanien ist auf dem richtigen Weg", fügte de Jager hinzu.

Österreichs Ressortchefin Maria Fekter sagte, die Minister warteten auf Angaben aus Madrid, welche Hilfszahlungen das Land für die Sanierung seines Bankensystems brauche. Mit weiteren Schritten rechne sie nicht, fügte aber hinzu: "Wir wären gerüstet für alle möglichen Phänomene, die uns noch begegnen."

Der Wunsch Spaniens auf rasche direkte Bankenhilfe aus dem Euro-Fonds ESM ist für Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zumindest unerfüllbar. "Ich sehe nicht, dass es eine direkte Rekapitalisierung von Banken aus dem Europäischen Stabilitätsmechanismus schon ab 1. Januar geben kann", sagte Schäuble in Nikosia.

Schäuble betonte überdies, dass direkte Hilfe für Geldinstitute nur bei einem wirtschaftlichen Anpassungsprogramm des Landes gewährt werde: "Die Konditionalität ist ja nicht außer Kraft gesetzt."

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