Europäische Unionmanager magazin RSS  - Europäische Union

Alle Artikel und Hintergründe


10.07.2012
Twitter GooglePlus Facebook

Euro-Bonds
Welche Variante Deutschland erträgt

Ein Gastbeitrag von Cyrus de la Rubia

Geschacher um Europa: Einführung von Euro-Bonds stößt in geber-Ländern auf Ablehnung, in Nehmerstaaten werden sie bejubelt
Corbis

Geschacher um Europa: Einführung von Euro-Bonds stößt in geber-Ländern auf Ablehnung, in Nehmerstaaten werden sie bejubelt

Schulden für andere mitbezahlen, alles auf Deutschlands Kosten: Euro-Bonds lehnen die Bundesbürger mit großer Mehrheit ab. Eine neue Variante dieser Idee könnte aber mehrheitsfähig sein.

Hamburg - Europäische Kommission, Frankreichs und Italiens und Spaniens Staatschef beharren darauf. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist dennoch gegen Euro-Bonds, Bundesbankchef Weidmann lehnt diese gemeinsame Schuldaufnahme der Euro-Staaten ebenfalls ab, auch der frühere Chef der Deutschen Bank, Hilmar Kopper, spricht sich gegen diese Form des deutschen Kreditschulterns für andere aus - und vor allem Deutschlands Bevölkerung schlägt die Euro-Bonds-Idee in immer neuen Umfragen mit gewaltiger Mehrheit aus. Und die Bundesbürger habe einen kleinen Erfolg damit vorzuweisen. Jetzt werden Euro-Bondstrukturen diskutiert, die vor allem Bedenken der Deutschen berücksichtigen.

Insbesondere zwei dieser Konzepte sind beachtenswert: Der Vorschlag des Sachverständigenrats zur Bildung eines Schuldentilgungsfonds sowie die Idee von Christian Hellwig und Thomas Philippon zur Emission von sogenannten Euro-Schatzbriefen mit wenigen Monaten Laufzeit. Vermutlich wäre die Kombination dieser beiden hier leicht abgewandelten Ideen ein Beitrag zur nachhaltigen Stabilisierung der Eurozone. Das Konzept könnte folgendermaßen aussehen:

In einem ersten Schritt würden die Euro-Mitglieder sich darauf einigen, Euro-Schatzbriefe mit einer Laufzeit von drei Monaten bis einem Jahr über eine gemeinsame Schuldenagentur zum Kauf anzubieten. Mitmachen dürften alle Euro-Staaten, die sich an überprüfbare Regeln gehalten haben:

  • Eine erträgliche Haushaltslage, vielleicht gemessen am sogenannten Primärsaldo, dem Budgetsaldo vor Zinszahlungen. Das hätte den Vorteil, dass Euro-Staaten von dieser Form der Kreditaufnahme leicht ausgeschlossen werden könnte, ohne gleich die unmittelbare Illiquidität des betreffenden Staats zu riskieren. Denn der Zugang zu den Geldmärkten ist selbst Griechenland in den vergangenen Jahren kaum versperrt gewesen. Kurz: Die starken Teilnehmer an diesem Projekt werden damit weniger erpressbar und die Möglichkeit des Ausschlusses aus dem Euro-Schatzbriefprojekt ist damit glaubwürdiger.
  • Nach 24 Monaten würde Ein Kassensturz gemacht. Wer weitere, schärfere Kriterien einhalten kann, darf an der Eurobond-Variante des deutschen Sachverständigenrates teilnehmen. Dieser Vorschlag sieht vor, dass die Staaten schrittweise - gestreckt über fünf Jahre - die Schulden, die mehr als 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) liegen, in einen Schuldentilgungsfonds übertragen. Die Refinanzierung dieses Fonds erfolgt dann über Gemeinschaftsanleihen. Nach einem bestimmten Zeitraum, vielleicht nach 20 oder 25 Jahren, sollen die Staaten ihre eigenen in den Tilgungsfonds übertragenen Schulden abgebaut haben.
  • Die Bedingungen dafür lauten:
    - In der Verfassung der Staaten muss eine einer Schuldenbremse verankert werden.
    - Es müssen Staatseinnahmen bestimmt werden, die komplett in den Schuldentilgungsfonds wandern - und somit gar nicht erst dem Haushalt der Staaten zustehen.
    - Arbeitsmarktreformen werden ebenfalls vorausgesetzt: Nicht mehr geben kann es beispielsweise Lohnindexierung, also die automatische Lohnsteigerungen, falls die Preise anziehen.
    - Auch Dienstleistungsmärkte müssen liberalisiert sein. Das dürfte auch für viele Deutsche bitter werden.
    - Und nicht zuletzt müssen diese Maßnahmen halbjährlich von einer troikaähnlichen Institution überwacht werden. Wichtig ist hier insbesondere die Teilnahme des Internationalen Währungsfonds (IWF); er gilt als rigorosere Durchsetzer des einmal beschlossenen.

Was passiert, wenn ein Euro-Staat die Konsolidierung nach einigen Jahren nicht mehr durchhält und damit seine Berechtigung zur Teilnahme an Euro-Bondemissionen verliert? Diesem Staat sollte dieser Refinanzierungskanal versperrt werden - ohne es dem abruptem Finanzschock auszuliefern. Ein halbes Jahr lang würde der Zugang zum Markt für Euro-Schatzbriefe noch gewährt. In dieser Zeit hätte die betroffene Regierung dann Gelegenheit gegenzusteuern und sich im Erfolgsfall erneut für die Beteiligung an der Emission von Eurobonds zu qualifizieren.

Vorteil: Da der betroffene Schuldenstaat ohne einen Kurswechsel sehenden Auges ins Unheil laufen würde, könnte die Angst vor dem Abgrund die Staaten dazu zwingen, wieder solider zu wirtschaften. Eine Garantie dafür kann jedoch niemand geben.

Nachteil: Nicht alle Schuldensituationen der Krisenstaaten sind gleich. Das Konzept wird deshalb auch nicht für alle gleich gut passen. Im Gegenteil. Dieser Weg bietet sich beispielsweise nicht für Griechenland an, möglicherweise aber für Portugal und Irland, vor allem aber für Italien und Spanien. Er wäre langfristig angelegt, könnte aber durch das einfach umzusetzende Euro-Schatzbriefprojekt und einen klaren Zeitplan für die weiteren Schritte rasch für eine Stabilisierung der Euro-Zone sorgen.

Insbesondere könnte auf diese Weise der Weg hin zu einer Fiskalunion, bei der es wie von der Bundesregierung angestrebt eine gemeinsame Haftung und Kontrolle gibt, geebnet werden. Und die Bundesbürger hätten nicht mehr das Gefühl, ohne Gegenleistung für andere einstehen zu sollen.

Zur Startseite
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • deli.cio.us
  • Pinterest

© manager magazin online 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH



Hintergründe, Artikel, Fakten

finden Sie auf den Themenseiten zu ...

Zur Person

Cyrus de la Rubia studierte Volkswirtschaftslehre an der Universität Kiel und der Universität Córdoba/Argentinien. Er arbeitete mehrere Jahr bei der Dresdner Bank als Senior Länderanalyst. Er gilt als Devisenexperte. Mittlerweile bekleidet er den Posten des Chefvolkswirts der HSH Nordbank.









Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service
Ihr persönliches DepotDepot
Twitter-FeedsTwitter-Feeds
manager magazin mobilmm mobil
Partnerangebote
Seminarmarkt: Tanken Sie Karrierewissen Seminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug? GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?
Handytarife: Finden Sie den passenden Tarif Handytarifvergleich:
Finden Sie den passenden Tarif
Handytarife: Finden Sie den passenden Tarif Tablet Tarifvergleich:
Surfen Sie günstiger