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29.06.2012
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Wende auf dem Arbeitsmarkt
Die Spanier kommen

Von Sarah Sommer

Stark gesucht: Deutsche Unternehmen steigern die Anwerbung von Hochqualifizierten in den europäischen Krisenstaaten
picture alliance / dpa

Stark gesucht: Deutsche Unternehmen steigern die Anwerbung von Hochqualifizierten in den europäischen Krisenstaaten

In Südeuropa herrscht Massenarbeitslosigkeit, während in Deutschland viele Unternehmen händeringend Fachkräfte suchen. Jetzt werben die ersten Firmen gezielt hochqualifizierte Spanier an. Dennoch läuft die Zuwanderung nach Deutschland eher schleppend.

Hamburg - Paula Bernedo Juez ist zufrieden: An nur einem Tag hat sie fünf Vorstellungsgespräche hinter sich gebracht. Für die Chance auf einen neuen Job ist die Maschinenbauingenieurin eigens aus ihrer Heimat Gran Canaria in den tiefsten Schwarzwald gereist: Gemeinsam mit 99 weiteren spanischen Ingenieuren ließen die örtlichen Wirtschaftsförderer sie zum Bewerbungs-Marathon nach Villingen-Schwenningen einfliegen.

Für eine Stelle auf Gran Canaria oder auf dem spanischen Festland hatte die Ingenieurin zuvor vergeblich Bewerbungen geschrieben. "Noch vor wenigen Jahren war es einfach, als Ingenieurin eine neue Stelle zu finden", sagt Bernedo Juez. "Aber jetzt finden selbst sehr gut ausgebildete Ingenieure mit Berufserfahrung kaum noch Jobs."

Die Rezession im krisengeschüttelten Spanien fordert ihren Tribut, berichtet die Ingenieurin. Viele ihrer Freunde und Bekanntensind arbeitslos. Mittlerweile ist jeder vierte Spanier ohne Job. Vor allem junge Menschen fürchten um ihre berufliche Zukunft. Fast 50 Prozent der Unter-25-jährigen im Land suchen vergeblich nach einer Arbeitsstelle.

Einladung aus dem Schwarzwald

Da kam die Einladung aus dem Schwarzwald für die Nachwuchsingenieure wie gerufen: 24 Mittelständler aus der Region hatten bei den Wirtschaftsförderern einen Bedarf von 59 Ingenieursstellen angemeldet. Auch Stefan Ahlhaus, Personalleiter beim Medizintechnikhersteller Karl Storz, hat die spanischen Bewerber unter die Lupe genommen. "Vier Bewerber wären tatsächlich geeignet, um offene Stellen zu besetzen", sagt er.

Der 2000-Mitarbeiter-Betrieb spürt den Fachkräftemangel in Deutschland bereits seit Längerem. "Die Situation ist nicht dramatisch, aber wir müssen schon häufig monatelang suchen, bis wir eine offene Stelle besetzen können", berichtet Ahlhaus. Der Hauptgrund: "Qualifizierte Fachkräfte können sich ihren Job aussuchen. Es ist nicht leicht, sie zu überzeugen." Die Vermittlungsaktion der regionalen Wirtschaftsförderer kam also gelegen: "Wir sehen das als eine Art Testballon. Bisher haben wir uns noch nicht aktiv im Ausland umgeschaut, um den Fachkräftebedarf zu decken."

Ein Hindernis für die Kandidatensuche im Ausland seien fehlende Sprachkenntnisse - das zeige sich auch bei den spanischen Bewerbern, die nach Villingen-Schwenningen gekommen sind. "Einige sprechen wenig oder gar kein Deutsch", sagt Ahlhaus. Das sei ein Problem: "Nicht für alle Stellen reichen Englischkenntnisse im Arbeitsalltag aus. In vielen Abteilungen wäre die Kommunikation schwierig."

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