Samstag, 23. September 2017

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Wende auf dem Arbeitsmarkt Die Spanier kommen

Stark gesucht: Deutsche Unternehmen steigern die Anwerbung von Hochqualifizierten in den europäischen Krisenstaaten
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Stark gesucht: Deutsche Unternehmen steigern die Anwerbung von Hochqualifizierten in den europäischen Krisenstaaten

3. Teil: 400 Ingenieure aus den Krisenstaaten für 3000 Euro Monatslohn

Damit dieses Prinzip auch in Zukunft funktioniert, wenn die demographische Entwicklung das Angebot an Arbeitskräften zunehmend ausdünnt, muss Deutschland allerdings noch einiges tun. Der aktuelle Integrationsbericht der Bundesregierung zeigt: Migranten sind auf dem deutschen Arbeitsmarkt bisher nicht gut integriert.

Die Arbeitslosigkeit von Einwanderern ist seit rund zwanzig Jahren konstant etwa doppelt so hoch wie die der Deutschen - und das, obwohl die Zahl der Migranten mit höheren Bildungsabschlüssen steigt. "Bei den Neu-Zuwanderern, die ein hohes Qualifikationsniveau mitbringen, wird die Integration in den Arbeitsmarkt zwar leichter fallen", sagt IAB-Experte Brücker. "Aber der deutsche Arbeitsmarkt muss sich noch viel stärker öffnen, um für Fachkräfte aus dem Ausland attraktiv zu werden."

Vereinzelte Anwerbeaktionen wie die Ingenieursvermittlung in Villingen-Schwenningen könnten nicht viel bewirken - nicht zuletzt, weil der Ingenieurmangel hierzulande nach Angaben des Ingenieurverbandes (VDI) hierzulande schon Milliardenschäden verursacht. "Anwerbeaktionen müssten viel systematischer umgesetzt werden. Unternehmen, Verbände und staatliche Einrichtungen müssten gemeinsam Programme entwickeln, um Arbeitskräfte anzuwerben", sagt IAB-Experte Brücker dann auch.

Sprachkurs, 6 Monate Probezeit, dann unbefristetes Arbeitsverhältnis

Unternehmer, die im Ausland Fachkräfte suchen, fühlen sich von der Politik noch häufig allein gelassen. Die international tätige Ingenieurgesellschaft Rücker in Wiesbaden startete daher auf eigene Faust eine Anwerbeaktion für Ingenieure aus den europäischen Krisenstaaten: 400 Ingenieure für den Fahrzeug- und Maschinenbau, die Luftfahrt, die Elektrotechnik und den Anlagenbau will der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Rücker nach Deutschland holen. Dazu bietet ihnen das Unternehmen auch einen zweimonatigen Deutsch-Intensivsprachkurs. Nach einer sechsmonatigen Probezeit mit einem Gehalt von 3000 Euro winkt ein unbefristetes Arbeitsverhältnis.

Rücker kritisiert, dass es keine staatlichen Hilfen für die Integration der ausländischen Fachkräfte gibt: "Um unsere Chancen im Ausland optimal nutzen zu können, erwarten wir von der Politik mehr Engagement. Und zwar mit praktischen, konzeptionellen und finanziellen Initiativen, um die Eingliederung in den deutschen Arbeitsmarkt zu erleichtern." Konkrete Vorstellungen, wie ein staatlich gefördertes Willkommens-Paket aussehen könnte, hat er auch schon: Rücker fordert Subventionen für Intensiv-Sprachkurse und Weiterbildungsmaßnahmen und Hilfe bei der Wohnungssuche.

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