Donnerstag, 22. Februar 2018

Fitch "Euro überlebt auch ohne Griechenland"

Griechenland nach der Wahl: Eine Regierungbildung erscheint kaum möglich und Neuwahlen im Juni wahrscheinlich

Die Rating-Agentur Fitch hält einen Euro-Austritt Griechenlands für verkraftbar. Dies bedeute nicht das Ende der Gemeinschaftswährung. Derweil ist in Athen nun die Radikale Linke mit der Regierungsbildung beauftragt. Ihr Credo: Wir zahlen keine Schulden zurück.

Berlin - Der Chef der Ratingagentur Fitch, Paul Taylor, glaubt auch im Falle eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone an ein Überleben der Währungsunion. "Griechenlands Austritt bedeutet nicht das Ende des Euro", sagte Taylor am Dienstag zu "Spiegel Online".

Besonders Deutschland habe ein fundamentales Interesse, dass die gemeinsame Währung erhalten bleibe. "Würde die D-Mark wieder eingeführt, würde sie im Vergleich zu anderen Währungen stark aufwerten", sagte Taylor. Das würde die Exportindustrie und damit den Motor der deutschen Wirtschaft schädigen. "Das wird Deutschland nicht zulassen - selbst wenn ein oder mehrere Länder den gemeinsamen Währungsraum verlassen."

Die Gründung einer europäischen Ratingagentur in Konkurrenz zu den weltweit dominierenden US-Bonitätswächtern S&P, Moody's und Fitch sieht Taylor skeptisch. "Ich habe nichts gegen Wettbewerb", sagte er. "Ich wundere mich nur darüber, wie viele Anhänger eine solche Agentur hat. Es scheint die Hoffnung zu geben, dass eine europäische Agentur bessere Ratings für Europa vergibt." Er glaube nicht, dass ein solch patriotischer Ansatz Vertrauen schaffe.

In Griechenland ist indes eine neue Regierung nicht in Sicht. Theoretisch kommen mehrere Konstellationen für Koalitionen infrage. Praktisch jedoch scheint es in dem Krisenland unmöglich, dass sich die bisher gemeinsam regierenden Konservativen und die Sozialisten mit populistischen Parteien vom rechten und linken Rand zusammenraufen. Allein können sie nicht weiterregieren und den von EU und internationalen Geldgebern aufgezwungenen Sparkurs fortsetzen - ihnen fehlen zwei Stimmen für eine Mehrheit im Parlament.

Neue Regierung nicht in Sicht - Linke will Streichung aller Schulden

Am Montag scheiterte der Chef der Konservativen, Antonis Samaras, bei dem Versuch, eine Mehrheit zusammenzuflicken. Seit Dienstag ist nun der Chef der Bündnisses der Radikalen Linken (Syriza), Alexis Tsipras, an der Reihe. Er hat von Staatspräsident Karolos Papoulias ein dreitägiges Sondierungsmandat erhalten.

Große Chancen werden ihm nicht eingeräumt. Denn die zweitstärkste Kraft, die ihren Stimmenanteil im Zuge der Euro-Wut vieler Griechen vervierfachen konnte, ist eine klassische Protestpartei. Außenpolitisch macht die antistalinistische linke Sammelbewegung die Rechnung ohne den Wirt. Ihr Vorschlag lautet: Wir bleiben im Euroland, aber wir zahlen keine Schulden.

Die Radikale Linke verweist darauf, dass endloses Sparen nicht das Allheilmittel in Europa sein könne. "Das erste was wir machen werden, ist die Neuaushandlung des Stabilisierungs- und Sparprogramms. Wir wollen die Streichung der Schulden. Wir wollen Wachstum", sagt der Abgeordnete Panagiotis Lafazanis. Mit der Forderung stehe man im übrigen nicht allein in Europa, immer mehr Politiker etwa in Frankreich hätten dies erkannt.

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rei/rtr

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