Sonntag, 19. August 2018

Startup-Pioniere Starthilfe für Gründer

Gründerboom in Deutschland: Unternehmensgründer finden heute in sogenannten Coworking-Spaces wie in Berlin-Kreuzberg leicht Anschluss

Nie war es in Deutschland - und ganz besonders in Berlin - leichter, ein Unternehmen zu gründen als heute. Das Beispiel des Startups Bonusbox zeigt aber auch, welch hohe Ansprüche die jungen Entrepreneure erfüllen müssen.

Berlin - Die Schlesische Straße in Berlin hätte sich kein In-Städte-Reiseführer schöner ausdenken können: Cafés mit wackligen Stühlen auf dem Trottoir reihen sich an kleine Läden voller Off-Labels und schrillem Design, ein Hostel bietet Betten für neun Euro die Nacht, die malerisch verkommenen Fassaden der Gründerzeitbauten zieren Graffitis. Hier gedeiht die coole Künstler-Bohemien-Was-mit-Medien-Szene, für die sich die Hauptstadt Deutschlands weltweit einen Namen gemacht hat.

In der Hausnummer 26, direkt an einem Seitenarm der Spree gelegen, sprießen die unternehmerischen Blüten dieser Kultur. In den Backsteingebäuden voller Werkräume und Fabriketagen haben unzählige Startups günstige Räume gemietet. Gleich am Eingangstor offeriert ein Surfershop selbstdesignte Boards. Weiter hinten in der Abfolge der Höfe wird das Angebot der jungen Firmen immer virtueller. Die meisten Unternehmen sind im Cyberspace tätig - programmieren Apps für Smartphones und Tabletrechner oder Anwendungen fürs soziale Netzwerken - im Hinterkopf die vage Hoffnung wie Instagram für Milliarden von Facebook gekauft zu werden.

Um diese Web- und Mobile-Startups entstand in den vergangenen zwei Jahren ein neuer Gründerboom, der zwar an den Dotcom-Hype der Jahrtausendwende erinnert, aber doch ganz anders läuft: Professioneller und Bodenständiger. Wie sich die Situation der Start-ups in Deutschland verändert hat, lesen Sie in der aktuellen Print-Ausgabe des manager magazin.

Erfahrene Gründer, Manager und Geldgeber bieten dem Entrepreneur-Nachwuchs alle erdenklichen Hilfen an. So sollen kreative Neulinge die fatalen Fehler vermeiden, die Anfang der 2000er Jahre große Werte vernichteten. Gleichzeitig aber fordern die Förderer den Möchtegern-Unternehmern mehr ab - konkrete Geschäftsmodelle mit realistischer Umsatz- und Gewinnerwartungen, die Erfüllung von präzise definierten Meilensteinen, harte Arbeit und äußerste Sparsamkeit.

Stringenter Plan und regelmäßige Updates sind notwendig

"Nur mit einer smarten Idee kommst Du heute nicht mehr durch", das weiß Paul Gebhardt (siehe Kasten links) aus seiner eigenen Erfahrung des vergangenen Jahres. Der Gründer von Bonusbox, einer Art Rabattkartenanbieter für Facebook, hat es am eigenen Leib erfahren: "Nur wer einen stringenten Plan vorlegen kann und mit regelmäßigen Updates beweist, dass er auch tatsächlich weiterkommt, hat überhaupt eine Chance."

Der Volkswirt, der eigentlich nach seinem Studium in Maastricht, Investmentbanker werden wollte, hat es auf diese Weise immerhin schon in den Gründerhotspot auf der Grenze zwischen Friedrichshain und Kreuzberg gebracht. Im dritten Hof, Aufgang B, 4. Stock, hinter einer schweren Metalltür trifft der Besucher zunächst auf eine Ansammlung erstaunlicher Gemälde. In schreienden Acryltönen springen ihn Figuren aus Fantasy-Spielen, barbusige Wollmützenträgerinnen und süße Kätzchen an - das Warenlager eines Onlineversenders, der Bilder nach Wunsch liefert.

Die Bestellkunst-Macher verweisen grinsend auf eine dünne Sperrholztür hinter der Kaffeeküche. Dort drängeln sich die mittlerweile elf Mitarbeiter von Bonusbox in einem im Ikeastil vollgestellten Raum von etwa 60 Quadratmetern Größe - seit so kurzem, dass noch nicht mal ein Namensschild an der Tür zu der Fabriketage klebt. Gebhardt teilt sich mit seinem Mitgründer Robert Heesen, einem Absolventen der Leipziger Handelshochschule einen Tisch, dazu Laptops und Smartphones, ein paar Aktenordner im Raumteilerregal - fertig ist das spartanische Inventar der neuen Gründerzeit.

"Wir wollen Unternehmen ein Vehikel zur Kundenbindung auf Facebook anbieten", erklärt Gebhardt die Idee, mit der er gemeinsam mit Heesen vor gut einem Jahr das Unternehmen ins Leben rufen wollte. "Das System der Rabattmarken ins soziale Netz übertragen" - mit diesem Pitch traten die beiden Wirtschaftswissenschaftler im März 2011 bei einer jener unzähligen Startup-Veranstaltungen auf, die in Berlin mittlerweile fast wöchentlich und in anderen Städten zumindest monatlich stattfinden. Seedcamp hieß der Event in dem in der Gründerszene berühmten Betahaus - einem Bürogebäude für das sogenannten Co-Working.

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