Donnerstag, 15. November 2018

Korruptionsverdacht Deutscher U-Boot-Deal belastet Ex-Minister

Griechenlands ehemaliger Verteidigungsminister Akis Tsohatzopoulos: Vor dem eigenen Haus verhaftet

2,85 Milliarden Euro für deutsche U-Boote: Die Ex-MAN-Tochter Ferrostaal hatte sich einen Teil des Auftrags durch Bestechung gesichert. Jetzt gerät auch der ehemalige griechische Minister Akis Tsochatzopoulos in das Visier der Korruptionsjäger.

Athen - Der frühere griechische Verteidigungsminister Akis Tsochatzopoulos (Sozialisten) ist wegen Korruptionsverdachts im Zusammenhang mit dem Kauf deutscher U-Boote festgenommen worden. Die Athener Staatsanwaltschaft bestätigte am Mittwoch auf Anfrage, dass gegen ihn Haftbefehl erlassen worden sei. Tsochatzopoulos soll Schmiergelder beim Kauf von U-Booten kassiert haben.

Tsochatzopoulos wurde in seinem Haus in einem vornehmen Athener Viertel festgenommen. Innerhalb der nächsten fünf Tage muss ein Gericht entscheiden, ob der Ex-Minister in Haft bleibt oder wieder auf freien Fuß kommt.

Das griechische Parlament hatte vergangenen Juni bereits Tsochatzopoulos Immunität für seine vergangene Amtszeit aufgehoben. Er ist seit 2009 nicht mehr Mitglied des Parlaments. Die griechische Justiz war nach mehrjährigen Ermittlungen zu dem Ergebnis gekommen, Tsochatzopoulos sei bestochen worden. Er soll nicht ausreichend erklärt haben, woher er das Geld hatte, ein Haus in einem teuren Athener Viertel sowie andere luxuriöse Immobilien zu kaufen.

Athen hatte im Jahre 2000 vier U-Boote des Typs 214 im Wert von 2,85 Milliarden Euro in Deutschland gekauft. Laut deutschen Ermittlern soll die ehemalige MAN-Tochter Ferrostaal Bestechungsgelder in Millionenhöhe gezahlt haben.

Der Industriedienstleister Ferrostaal muss bereits mit knapp 140 Millionen Euro für Schmiergeldzahlungen büßen, die der Firma nach der Jahrtausendwende lukrative U-Boot-Aufträge in Griechenland und Portugal einbrachten. Ein ehemaliger Vorstand und ein früherer Prokurist, die die Bestechungen eingefädelt hatten, waren im Dezember 2011 vor dem Landgericht München zu Freiheitsstrafen von jeweils zwei Jahren auf Bewährung sowie zu Geldstrafen von 36 000 beziehungsweise 18 000 Euro verurteilt worden.

kst/dpa

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH