Mittwoch, 19. Dezember 2018

Indonesien Tsunami-Warnung nach schwerem Erdbeben

Übersicht: Die weltweit schwersten Beben
AP

Acht Jahre nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe im indischen Ozean hat die indonesische Provinz Aceh erneut ein schweres Erdbeben erschüttert. Die Behörden haben eine Tsunami-Warnung herausgegeben. Deutsche Geologen halten unterdessen einen größeren Tsunami für unwahrscheinlich.

Berlin - Das Erdbeben habe die Stärke 8,6 gehabt, teilten die Erdbebenwarten Indonesiens und der USA mit. Zunächst war von 8,7 und sogar 8,9 die Rede gewesen. Das Beben ereignete sich rund 500 Kilometer südwestlich von Banda Aceh an der Nordwestspitze der indonesischen Insel Sumatra in einer Tiefe von 22 Kilometern.

Wegen des Bebens sei für den gesamten Indischen Ozean Tsunami-Alarm ausgelöst worden, erklärte das US-Erdbebenzentrum. Die Warnung gelte aber auch für Kenia, Südafrika, den Iran und Singapur. Es sei aber noch unklar, ob eine Riesenwelle durch das Beben ausgelöst wurde. Bisher gebe es keine Hinweise auf sich zurückziehendes Wasser als Vorläufer für einen Tsunami.

Das Zentrum des Bebens lag südwestlich von Banda Aceh, der Hauptstadt der Provinz Aceh. In der Stadt war das Beben um 14.38 Uhr Ortszeit (10.38 Uhr MESZ) fünf Minuten lang zu spüren. Menschen flüchteten in Autos und auf Motorrädern in höher gelegenes Gebiet.

Nach Auskunft des indonesischen Präsidenten sind bisher keine Opfer zu beklagen und auch der Tsunami blieb bisher aus. "Wir danken dem Herrgott, bislang gibt es keine Berichte über Tote oder Schäden", sagte Susilo Bambang Yudhoyono. "Wir sind mit den Behörden in der Provinz Aceh in Kontakt, und alles ist unter Kontrolle.

Erdstöße bis nach Kalkutta zu spüren

Der thailändische Katastrophenschutz ordnete die Evakuierung von sechs Provinzen entlang der Westküste des Landes an. Darunter waren die bei Touristen beliebten Gegenden Phuket, Krabi und Phang-Nga. Der Flughafen von Phuket ist geschlossen worden.

Die Erdstöße waren auch in Singapur, Thailand, Indien, Malaysia und Sri Lanka zu spüren. Der Nachrichtensender NDTV zeigte Bilder aus der ostindischen Metropole Kolkata (Kalkutta), auf denen zu sehen war, wie die Erdstöße Gegenstände wie etwa Studioscheinwerfer zum Schwanken brachten.

NDTV meldete weiter, für die indische Inselgruppe der Andamanen und Nikobaren sowie für die Ostküste Indiens sei Tsunami-Alarm gegeben worden. Das sei eine weniger dringliche Stufe als eine Tsunami-Warnung. Indiens Tsunami-Warnzentrum rechnet mit sechs Meter hohen Wellen entlang der Ostküste des Landes. Die Behörden in Sri Lanka riefen die Bewohner der Küsten auf, sich ins Landesinnere zurückzuziehen.

Das Erdbeben vom Mittwoch erschütterte in etwa die Region des schweren Tsunami Ende Dezember 2004. Damals kamen 230.000 Menschen in 13 Ländern der Region ums Leben. Das Beben hatte eine Stärke von 9,1 und ereignete sich in einer Tiefe von 30 Kilometern. Das schwere Erdbeben vor der Ostküste Japans am 11. März 2011 hatte eine Stärke von 9,0.

Die Tsunamigefahr könnte nach Auskunft eines Experten allerdings geringer als zunächst befürchtet sein. Anders als etwa bei dem verheerenden Beben 2004 habe sich der Meeresboden horizontal bewegt, nicht vertikal, sagte der Geophysiker Bruce Pressgrave von der US-Erdbebenwarte dem Sender BBC. Dadurch sei die Tsunamigefahr geringer als bei einem Beben, bei dem der Meeresboden absackt.

Geoforschungszentrum in Potsdam schließt größeren Tsunami aus

Nach der Tsunami-Warnung für den Indischen Ozean hat das Deutsche Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam Entwarnung gegeben. Ein größerer Tsunami könne ausgeschlossen werden, sagte der Seismologe Winfried Hanka der Nachrichtenagentur dapd in Potsdam.

Die seismische Auswertung des Erdbebens der Stärke 8,6 rund 400 Kilometer vor der indonesischen Insel Sumatra lasse lediglich auf eine kleine Welle schließen. Diese müsste längst auf die Küste getroffen sein, sagte Hanka am Mittag.

Am Vormittag hatte Indonesien eine Tsunami-Warnung herausgegeben. Das Frühwarnsystem, das unter Federführung des GFZ für Indonesien entwickelt wurde, habe "optimal funktioniert", sagte Hanka. Schon vier Minuten nach dem Beben sei die Warnung herausgegangen.

Übersicht: Die weltweit schwersten Beben

mg/dpa/afp/rtr/dapd

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