Sonntag, 4. Dezember 2016

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Europa Junge Generation in der Jobkrise

Europa: Junge Generation in der Jobkrise
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Corbis

Europas Staats- und Regierungschefs ringen in Brüssel um die richtige Strategie, der Rezession zu entkommen. Mit gutem Grund: Europaweit sind junge Menschen die Hauptleidtragenden der Schuldenkrise. Keine Arbeit, keine Zukunft - eine verlorene Generation wird zur Zerreißprobe für die Gesellschaft.

Hamburg - Alexia Tsouni dachte, sie hätte alles richtig gemacht. Die Wasserbau-Ingenieurin schloss ihr Studium als eine der Besten ihres Jahrgangs ab. Neben ihrer akademischen Ausbildung absolvierte sie diverse Praktika. Englisch und Französisch beherrscht die junge Griechin fließend. Sogar Berufserfahrung hatte sie vorzuweisen. Auf Empfehlung ihres Professors fand sie direkt nach ihrem Abschluss einen Job mit exzellenten Aufstiegschancen.

Dann schlug die Rezession 2008 zu. Ihr Arbeitgeber ging pleite, sie verlor ihre Stelle. Die junge Frau gab nicht auf: Nach unzähligen erfolglosen Bewerbungen machte sie sich selbstständig. Ihre Firma plante kommunale Überflutungsschutzanlagen. Doch das Schuldendebakel Griechenlands zerstörte das aufblühende Geschäft - der Staat zahlte nicht mehr.

Null Arbeit, null Sicherheit, null Perspektive - wie Tsouni ergeht es derzeit in Europa Millionen junger Menschen. Keine gesellschaftliche Gruppe hat die Wirtschafts-, Finanz- und Schuldenkrise, die den Kontinent seit bald fünf Jahren quält, schwerer getroffen als die Jugend.

Spanien, Hellas, Irland: Wenn jeder fünfte junge Mensch keine Arbeit hat

Rund 7,5 Millionen der 15- bis 24-Jährigen in den 27 Ländern der Europäischen Union (EU) haben weder einen Job noch einen Ausbildungsplatz. Die Arbeitslosenquote in dieser Altersgruppe liegt zwei- bis dreimal so hoch wie im Durchschnitt aller Erwerbstätigen.

Besonders arg verschlimmerte sich die Situation der Jungen in Spanien, Griechenland und Irland, wie Bert Colijn vom Wirtschaftsforschungsunternehmen Conference Board in einer Studie für manager magazin errechnete. In diesen Staaten schnellte die Jugendarbeitslosigkeit zwischen 2008 und 2011 um mehr als 20 Prozent in die Höhe.

Fast die Hälfte aller jungen Iberer ist heute ohne Beschäftigung. In Griechenland liegt die Quote bei 45 Prozent. In Irland, Italien, Portugal und Polen hat jeder dritte Jugendliche keinen Arbeitsplatz. In Frankreich, Ungarn und selbst in Schweden sucht jeder vierte Heranwachsende eine Beschäftigung.

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