Dienstag, 28. März 2017

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Schuldenkrise Euro-Aus für Athen kein Tabu mehr

Ewige Baustelle: Griechenland braucht kurzfristig dringend frisches Geld - wieder einmal

Für Griechenland steht es erneut Spitz auf Knopf. Fließt kein Geld für im März fällige Anleihen und kommt der vereinbarte Schuldenschnitt nicht zu Stande, wird es auch nichts mit dem zweiten Hilfspaket von 130 Milliarden Euro. Das wäre das Ende der Euro-Mitgliedschaft, sagt ein Regierungssprecher.

Athen - Ohne das geplante zweite Rettungspaket droht Griechenland nach Ansicht der Regierung ein Ende der Euro-Mitgliedschaft. Der Vertrag über die Hilfen von 130 Milliarden Euro müsse dringend unterzeichnet werden, wenn Griechenland weiter Zugang zu den Märkten und der Gemeinschaftswährung haben wolle, sagte Regierungssprecher Pantelis Kapsis in einem Fernsehinterview. "Andernfalls sind wir raus aus dem Euro."

Die Verhandlungen über das neue Hilfspaket sind noch nicht abgeschlossen, neue Hilfszahlungen noch nicht endgültig unter Dach und Fach. So reisen Mitte Januar Vertreter des Internationalen Währungsfonds, der Europäischen Zentralbank und der Europäischen Kommission nach Athen, um über die Details des Rettungspakets zu verhandeln, dass im Oktober vergangenen Jahres zwischen den Europäischen Staats- und Regierungschefs beschlossen wurde. Zu den Auflagen gehören etwa Rentenkürzungen. Sie dürften nur schwer durchzusetzen sein, da dem griechischen Volk bereits mit den Sparauflagen eines ersten Rettungspakets der internationalen Geldgeber viel abverlangt wurde.

Zugleich könnten sich neue Probleme mit den privaten Geldgebern, also den institutionellen Investoren wie Banken und Versicherungen, auftun. Im vergangenen Oktober war vereinbart worden, dass diese auf 50 Prozent ihrer Forderungen verzichten und dem Land so 100 Milliarden Euro seiner Schulden erlassen sollten. Einzelne institutionelle Investoren in Deutschland zum Beispiel haben angekündigt, nicht auf ihre Forderungen verzichten zu wollen.

Womöglich reicht der vereinbarte Schuldenschnitt nicht

Zugleich mehren sich die Berichte, der bislang geplante freiwillige Schuldenschnitt in Höhe von 50 Prozent könnte nicht reichen, das Ziel betrage nun 70 bis 80 Prozent. Darauf dürften sich aber noch private Gläubiger nicht einlassen wollen. Das Finanzministerium in Athen wollte das angeblich höhere Ziel jedoch nicht bestätigen. Ziel seien "50 Prozent", heißt es immer wieder. Damit würde Athen nach den Worten von Finanzminister Evangelos Venizelos 100 Milliarden Euro seiner Schulden loswerden.

Nur wenn dieser Schuldenschnitt geregelt ist, kann das zweite Hilfsprogramm für Griechenland in Höhe von insgesamt 130 Milliarden Euro in die Wege geleitet werden. Andernfalls wären neue Entscheidungen nötig. "Wie schmerzhaft sie sein könnten, darüber wollen wir nicht reden", hieß es in einem Kommentar des griechischen Fernsehens. Im besten Fall könnten dann die Gläubiger Athen nur noch die 14,5 Milliarden Euro für die im März fälligen Anleihen geben, darüber hinaus aber nichts mehr. Dann wäre das Land praktisch pleite.

rei/dpa/rtr

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