13.12.2011
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Terrorattacke
Vier Tote und 75 Verletzte bei Anschlag in Lüttich

Lüttich: Anschlag fordert Tote und Verletzte
Fotos
dapd

Angriff mit Handgranaten und Kalaschnikow: Ein vorbestrafter Waffennarr hat  in Lüttich drei Menschen und sich selbst getötet und 75 weitere Personen verletzt. In der Stadt brach Panik aus. Der Täter riss ein 15-jähriges Mädchen, einen 17-Jährigen und eine 75 Jahre alte Rentnerin mit in den Tod.

Lüttich - Auf dem Weg zu einem Gerichtstermin eröffnete der 32-Jährige Täter an einer Bushaltestelle das Feuer auf eine Menschenansammlung und zündete Handgranaten, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.

Das Blutbad versetzte die belgische Stadt nahe der deutschen Grenze in einen Schock. Stundenlang kursierten Gerüchte über die Flucht eines möglichen Komplizen, und die Innenstadt wurde über Stunden weiträumig abgeriegelt. Einen terroristischen Hintergrund schloss das Innenministerium aus.

Der Täter, dessen Namen die Behörden mit Norodine Amrani angaben, riss einen 15-Jährigen, eine 17-Jährige und eine 75 Jahre alte Frau mit in den Tod, sagte Staatsanwältin Danièle Reynders. Der Lütticher habe sich am späten Vormittag mit dem Wagen Richtung Innenstadt auf den Weg gemacht und einen Revolver und zahlreiche Handgranaten in einem Rucksack dabeigehabt.

An einer Bushaltestelle auf der Place Saint-Lambert - wenige Meter von einem gut besuchten Weihnachtsmarkt entfernt - eröffnete er dann gegen 12.30 Uhr das Feuer. Er schoss wahllos in die Menge. Anschließend tötete er sich mit einer Granate selbst.

Panik in der Innenstadt

Das Attentat löste Panik aus. Die Menschen rannten um ihr Leben, versuchten, sich und ihre Kinder vor den Kugeln und Granaten in Sicherheit zu bringen. "Es war grauenhaft", schilderte ein Augenzeuge dem Sender RTL die Augenblicke nach der Tat. Geschäfte und Cafés wurden verbarrikadiert. Auf Fernsehbildern waren Blutlachen zu sehen. Unter den Verletzten soll sich auch ein Kleinkind befinden, das noch mit dem Leben ringt.

Zur Versorgung der Verletzten wurden Rettungskräfte aus den Niederlanden angefordert. Die Schwerverletzten wurden in die Krankenhäuser gebracht, und im Hof des Justizpalastes unweit des Anschlagsortes wurde eine Notversorgungsstelle für die Leichtverletzten eingerichtet. "Die Zustände sind chaotisch", sagte der Vater eines verletzten Kindes dem Fernsehsender RTL.

Mehrere Medien hatten zunächst über eine Verfolgungsjagd mit einem mutmaßlichen Komplizen durch die Innenstadt berichtet. Demnach gab es eine Stunde nach dem Anschlag einen Schusswechsel mit Sicherheitskräften. Die Polizei dementierte dies aber später. Auch Meldungen, ein mutmaßlicher zweiter Täter habe sich in den Justizpalast geflüchtet, erwiesen sich als falsch.

Dutzende Waffen zu Hause gehortet

Über das Motiv des 32-Jährigen gab es zunächst keine genauen Angaben. Er hatte einen Termin für eine Befragung durch die Justizbehörden, sagte Staatsanwältin Reynders. Der Mann war laut Staatsanwaltschaft wegen Sexualdelikten vorbestraft und hatte zuletzt 2008 eine Haftstrafe von 58 Monaten für illegalen Waffenbesitz und den Anbau von Cannabis erhalten. Laut der Zeitung "Sudpresse" waren damals bei ihm 9.500 Waffenteile sowie Dutzende einsatzbereite Schusswaffen gefunden worden. Warum es ihm nach der Haft erneut gelang, sich zu bewaffnen, gehört zu großen Fragen, die am Dienstag zunächst unbeantwortet blieben.

Sein Attentat sorgte für Bestürzung in Belgien. Premierminister Elio Di Rupo, der erst in der vergangenen Woche sein Amt angetreten hatte, und König Albert II. wollten noch am Abend den Ort des Blutbades besuchen und Verletzte sprechen.

Lüttich liegt im Osten Belgiens, gut 40 Kilometer von Aachen entfernt.

kst/wed/la/afp/dpa/rtr/dapd

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