Samstag, 18. November 2017

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Windparks in Argentinien "Wir könnten 2013 mit dem Bau beginnen"

Argentinien hat riesige Flächen mit extrem guten Bedingungen für Windkraftanlagen

Argentinien ist ein Windkraftparadies. Warum lässt der Boom auf sich warten? Hartmut Brösamle, Chef von Deutschlands größtem Windparkentwickler WPD, berichtet im Interview mit manager magazin Online über das erste 150-Megawattprojekt eines ausländischen Entwicklers in Argentinien überhaupt.

mm: WPD hat seit 2008 eine Niederlassung in Argentinien. Wie viele Windparks haben Sie schon installiert?

Brösamle: Noch keinen. Aber so schnell geht das selbst in einfacheren Ländern als Argentinien nicht. Im Schnitt sehen wir bei Windparks im Ausland Entwicklungszeiten von drei bis sechs Jahren.

mm: Argentinien ist eigentlich nicht bekannt für zu wenig Wind.

Brösamle: Nein, ganz im Gegenteil. Argentinien ist wohl flächenmäßig gesehen der stärkste Standort für Windenergie weltweit und könnte rein theoretisch den globalen Strombedarf mit Windkraft decken. In Patagonien, im Süden, ist der Wind - mit Geschwindigkeiten bis zu zwölf Meter pro Sekunde schon auf 60 Meter Höhe - so stark, dass die Anlagen manchmal von der Statik an ihre Grenzen stoßen. Da muss man anhand der Daten der jeweiligen Standorte schon ausrechnen, ob die Rotorblätter nicht den Mast streifen können. Aber selbst weiter nördlich herrschen verglichen mit Europa immer noch nahezu paradiesische Bedingungen: großflächige Standorte mit Windgeschwindigkeiten von neun Metern pro Sekunde. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass die Politik dieses gigantische Potenzial auf Dauer liegen lässt. Und wir haben einen langen Atem: In Kroatien waren wir sechs Jahre vor Ort, bis wir den ersten Windpark bauen konnten.

mm: Wie lange müssen Sie in Argentinien noch warten?

Brösamle: Das ist schwer zu sagen, da einige Hürden politisch abgebaut werden müssen, was nicht in unserer Hand liegt. Aber ich bin da verhalten optimistisch. Zusammen mit dem größten argentinischen Energiekonzern Sadesa planen wir in der Provinz Neuquen in drei Abschnitten einen Windpark mit insgesamt 150 Megawatt Leistung.

mm: Angesichts des Potenzials mehrerer Tausend Gigawatt in Argentinien wirkt das bescheiden.

Brösamle: Es wäre Unsinn, mit einem Projekt vergleichbar mit den Offshore-Parks, wie wir sie etwa vor der deutschen Küste planen, in einen so jungen Markt wie Argentinien zu gehen. Es ist ja einer der Vorteile von Windenergie gegenüber konventionellen Kraftwerken, dass ich sie in kleineren Einheiten wunderbar verteilen kann. Und wenn wir unser Projekt im kommenden Jahr erfolgreich weiter entwickeln und 2013 mit dem Bau beginnen, dann wird es voraussichtlich immer noch der größte argentinische Windpark sein - und der erste eines ausländischen Entwicklers.

mm: Wird das der Startschuss für den überfälligen Windkraftboom?

Brösamle: Geduld, bitte. Die Erfahrung aus anderen Ländern zeigt, dass ein Bewusstseinswandel und ein Umbau der Energieversorgung Zeit braucht. Das war auch in Deutschland ein langer Prozess. Vor 15 Jahren wurde ich in Deutschland noch von Bürgermeistern vor die Tür gesetzt, wenn ich ein Projekt vorschlagen wollte. Windenergie galt als Spinnerei. Argentinien hat fast alles für einen Boom, angefangen vom phantastischen Wind. Aufgrund der dünnen Besiedelung sind kaum Proteste von Anwohnern zu erwarten, wie wir sie nicht nur in Deutschland, sondern auch in Ländern wie Kanada erleben. Hier ist ein Windpark dagegen eine lokale Attraktion. Und die Qualität des Stromnetzes ist passabel, da wären noch Platz für mehrere Gigawatt Windenergie, und viele gute Standorte liegen nicht weit von den Überlandleitungen entfernt.

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