Freitag, 16. November 2018

Mario Monti Respektierter Technokrat führt Italien

Ökonom an der Spitze: Derzeit leitet Monti die Mailänder Bocconi-Universität

Nun soll es Mario Monti in Italien richten - ein international angesehener Wirtschaftsexperte, der sich durch seine politische Unabhängigkeit breiten Respekt erworben hat. Der frühere EU-Kommissar muss als Ministerpräsident aber um Unterstützung der Parteien ringen.

Rom - Der Mailänder Wirtschaftsprofessor wurde am Sonntag von Staatspräsident Giorgio Napolitano mit der Regierungsbildung beauftragt. Der designierte Nachfolger des scheidenden Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi äußerte sich im Anschluss an seine Nominierung zuversichtlich, dass Italien in einem gemeinsamen Kraftakt die Krise überwinden könne.

Es ist eine Karriere im Zeitraffer - nicht zuletzt den aufgeregten Finanzmärkten geschuldet: Erst am Mittwoch wurde Monti von Italiens Staatschef Giorgio Napolitano zum Senator auf Lebenszeit ernannt, tags darauf empfahl der strauchelnde Regierungschef Berlusconi den früheren EU-Kommissar implizit als seinen Nachfolger. Seither nahmen die Lobreden auf den 68-Jährigen kein Ende. Sie habe "großen Respekt" vor Monti, sagte IWF-Chefin Christine Lagarde. Sie habe mit dem Italiener stets "fruchtbare Gespräche" geführt. Der frühere Ministerpräsident und EU-Kommissionspräsident Romano Prodi sagte: "Montis Zeit ist gekommen." Am Sonntagabend war es soweit.

Gegensätzlicher als Berlusconi und Monti können Politiker kaum sein: Während der Medienmogul Berlusconi häufiger mit seinen privaten Eskapaden als mit seiner Regierungsführung Schlagzeilen machte, gilt Monti als nüchterner Charakter, höflich - aber bestimmt. Ihm eilt der Ruf voraus, dass Pressionen gleich welcher Art völlig an ihm abprallen.

Opposition kündigt sich an

Monti könnte eine technokratisch geführte Regierung der nationalen Einheit anführen, die Italien aus der politischen und wirtschaftlichen Krise führen soll. In einer seiner wenigen öffentlichen Stellungnahmen der vergangenen Wochen empfahl Monti am 23. September, "unpopuläre Reformen" durchzusetzen, indem "die vernünftigsten Teile" der politischen Parteien zusammenarbeiten. Zuvor hatte er in einem Zeitschriftenartikel an die Tradition der Podestas erinnert, im Mittelalter von italienischen Städten von außen geholte Krisenexperten.

Neuwahlen stehen nicht vor 2013 an. Damit hätte Montis Regierung rund 18 Monate Zeit, um die von Märkten und den europäischen Partnern verlangten Reformen an Pensionen, Arbeitsrecht und öffentlichem Dienst durchzusetzen. Eine ähnliche Expertenregierung, geführt vom früheren Zentralbanker Lamberto Dini, erreichte 1995 wichtige Wirtschaftsreformen.

Bisher genießt Monti allerdings nur die Unterstützung der oppositionellen Demokratischen Partei und kleinerer Zentrumsgruppen. Berlusconis Partei Volk der Freiheit ist tief zerstritten, würde sich laut ihrem Generalsekretär aber hinter Monti stellen. Der kleinere Koalitionspartner Lega Nord dagegen lehnt Monti ab und hätte sofortige Neuwahlen bevorzugt. Sollte der neue Premier eine Vertrauensabstimmung im Parlament verlieren, wären Neuwahlen unvermeidlich.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH