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05.10.2011
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Proteste gegen die Wall Street
Junge Finanzrevolte erobert US-Städte

Aus den USA berichtet Markus Gärtner

Junge Finanzrevolte: Wall-Street-Banker an den Pranger gestellt
Fotos
AP

Ausgerechnet von New York aus, der Weihestätte des Finanzkapitalismus, rollt eine aufschäumende Protestwelle gegen Banker-Geschäfte und soziale Spaltung durch Amerika: Für heute plant die junge Finanzrevolte ihren bisher größten Protestzug zur Wall Street - und findet weltweit Sympathisanten.

New York - Sie marschieren mit weiß angemalten Gesichtern als Zombies verkleidet durch Manhattan, um gierige Manager zu mimen. Sie lärmen mit Bongo-Trommeln im Finanzdistrikt von Chicago. Und sie errichten Zelte in öffentlichen Parks von New York, St. Louis, Kansas, Los Angeles und Boston. Ihre Botschaften tragen sie auf Plakaten und sprühen sie auf Zeltbahnen: "Human need, not corporate greed", steht da: Menschliche Bedürfnisse, nicht gierige Unternehmen. Oder: "Kämpft gegen die Reichen, aber nicht für deren Kriege".

In San Francisco trugen Mitglieder der jungen Anti-Wall Street-Bewegung am Donnerstag ausgeschnittene Portraits von Wells-Fargo-Chef John Stumpf vor sich her durch die Kearny Street. Die Proteste, die am 17. September in New York unter dem Banner "Occupy Wall Street" - besetzt die Wall Street - begannen, breiten sich seit dem Wochenende rasend aus, sogar über die Landesgrenzen der USA hinweg.

Selbst in Hamburg und Frankfurt am Main haben sich bereits Facebook-Gruppen aus Sympathie zu den Börsenbesetzern gebildet. "Es ist der richtige Moment sich Gedanken zu machen, wie wir uns als Gruppe in Hamburg aktiv an der großen Bewegung, die am Entstehen ist, beteiligen können", heißt es auf der Facebook-Seite von "Occupy Hamburg". Dass indes von einer großen Bewegung noch längst keine Rede sein kann, sieht man an der Zahl der "Freunde". Nur 329 Besucher haben bisher angeklickt, dass ihnen die Seite gefällt. In Frankfurt sind das bereits 665, doch von der Gruppe in Deutschlands Finanzzentrum werden noch Übersetzer und ein "Administrator" gesucht.

Das illustriert in etwa, wie die junge Bewegung trotz der beschleunigten Expansion aussieht: Fragmentiert, ohne klar erkennbare Führung und ohne scharf umrissene Forderungen. Allerdings reiht sich die Bewegung ein in den Protest gar von US-Bundesstaaten, die brüskiert ihr Geld von den Wall-Street-Bankern abziehen wollen. Und die Wucht, mit der sich seit dem Samstag aus zersplitterten Demonstrantengrüppchen eine junge Bewegung formt, ist erstaunlich. Und sie hat gute Gründe: Nach einem Auftritt des Filmemachers Michael Moore, der seit Jahren mit kritischen Dokumentarfilmen gegen soziale Missstände in den USA kämpft, bekam Occupy Wall Street vor einer Woche erstmals Beachtung in den großen Mainstream-Medien. Diese hatten die beginnenden Proteste zuvor zehn Tage lang in der besten Sendezeit völlig ausgeblendet.

Demonstranten mit Pfefferspray besprüht

Am Samstag wurden bei einer Blockade der berühmten Brooklyn-Brücke in New York 700 Demonstranten der Bewegung festgenommen. Das riss viele Unzufriedene in den USA aus ihren Fernsehsesseln. Tags zuvor hatte ein Polizist mehrere - bereits festgesetzte - Demonstranten noch mit Pfefferspray besprüht. Das verursachte ebenfalls einen öffentlichen Aufschrei, der nun Sympathisanten in die Arme der Wall-Street-Protestler treibt. Am Montag schließlich trat Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz in New Yorks Zuccotti-Park bei den Demonstranten auf. Der Park liegt drei Blocks nordwestlich der Wall Street.

Stiglitz sprach den überwiegend jungen Menschen Mut zu: "Ihr seid nicht alleine, es gibt zu viel Regulierung, die unsere Demokratie behindert, aber viel zu wenig Regulierung, die die Wall Street in die Schranken weist", rief er ein paar Hundert Protest-Campern zu. Diese verstehen sich als Botschafter jener 99 Prozent Amerikaner, die von dem reichsten einen Prozent der Bevölkerung, dem aber 40 Prozent des Volksvermögens gehört, wie in einer Saftpresse ausgequetscht würden.

Die Demonstranten, die nun an öffentlichen Plätzen in mindestens sieben amerikanischen Städten ausharren, haben ein riesiges Portfolio von Beschwerden über soziale Ungerechtigkeit im Land. Auf der Webseite Occupy Together kann man sie nachlesen: "Sie haben unsere Häuser in illegalen Zwangsversteigerungen genommen", wird großen Geschäftsbanken vorgeworfen. "Sie haben Bailouts von den Steuerzahlern bekommen und sich obszöne Boni geleistet", ist eine weitere von 15 aufgelisteten Klagen. Diese reichen bis zu der Verletzung der Privatsphäre durch große Online-Plattformen und zur Verlagerung von Jobs nach Übersee. US-Präsident Barack Obama wird nicht zuletzt vorgeworfen, zu wenig gegen die Arbeitslosigkeit im Lande zu unternehmen.

Doch eines haben alle Vorwürfe gegen Politik und Finanzelite gemeinsam: Sie richten sich gegen die soziale Spaltung Amerikas und den übermäßigen Einfluss wohl organisierter Interessengruppen - vor allem der Finanzbranche - auf den Kongress und die Obama-Administration. "Wir haben keine Stimmen, wir haben keine Lobbyisten, wir sind in Washington ziemlich vernachlässigt worden", schimpft Patrick Putnam, ein 27 Jahre junger Koch aus Framingham in Massachusetts. Er baut die Protestgruppe in Boston mit auf. Dort wurden am vergangenen Freitag 3000 Demonstranten zu einem Protestmarsch gegen die lokale Zweigstelle der Bank of America Chart zeigen versammelt.

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