Weltwirtschaftmanager magazin RSS  - Weltwirtschaft

Alle Artikel und Hintergründe


07.09.2011
Twitter GooglePlus Facebook

Handelsfreiheit
Firmen bejubeln Perus Reformpräsidenten

Von Stefan Biskamp

Umjubelter Wahlsieger: Perus Präsident Ollanta Humala Tasso
REUTERS

Umjubelter Wahlsieger: Perus Präsident Ollanta Humala Tasso

Soziale Marktwirtschaft statt Sozialismus: Der neue peruanische Präsident Ollanta Humala Tasso hat in den ersten Wochen seiner Amtszeit Wirtschaft, Finanzmärkte und selbst Standard & Poors überzeugt. Für deutsche Unternehmen bahnt sich in Peru das zweite Rekordjahr in Folge an.

Buenos Aires - Die "Weisse Stadt" Arequipa im Süden Perus ist ausgebucht, selbst die Sammellager der Jugendherbergen sind in der kommenden Woche belegt. Und das nicht von Rucksacktouristen, sondern von Herren in dunklen Anzügen: Die Bergbaumesse Extemin erwartet rund 40.000 Besucher, das wäre ein Zuwachs von 20 Prozent. Die größte Messe ihrer Art in Lateinamerika platzt aus allen Nähten; kurzfristig musste ein neuer Veranstaltungsort in Arequipa her. Die Stimmung ist gelöst, und wenn Messechef Hans Flury über das Verhältnis der Branche zur neuen Regierung spricht, pendelt es in seiner Wahrnehmung zwischen "korrekt", "angemessen" und "grossartig".

Moment - war da nicht was? Noch vor drei Monaten befürchteten Manager und konservative Intellektuelle, Ollanta Humala Tasso werde als Präsident Minenkonzerne verstaatlichen, die Verfassung ändern und die Presse an die Leine nehmen. Aus Angst vor einem linksgerichteten Staatschef stiegen die Zinsen auf Staatsanleihen, ausländische Unternehmen warnten Mitarbeiter, sie würden bei einem Sieg Humalas Fabriken dicht machen. Anfang Juni gewann er tatsächlich die Stichwahl gegen Keiko Fujimori, die Tochter des wegen Menschenrechtsvergehen verurteilten Ex-Präsidenten Alberto Fujimori - da stürzten Bergbauaktien um mehr als 10 Prozent ab, und der Börsenhandel in Lima wurde zeitweise ausgesetzt.

Seit dem 28. Juli ist Humala im Amt - und "die virtuelle Panik hat sich gelegt", sagt Jörg Zehnle, Chef der deutsch-peruanischen Handelskammer in Lima, "jetzt zählen wieder Zahlen und Fakten." Humala hat Unternehmer in sein Kabinett geholt, Staatsunternehmen sollen sich teils über die Börse finanzieren. Die Bergbauindustrie hat höhere Abgaben ohne Murren geschluckt. Kein einziges Freihandelsabkommen sei in Gefahr, "wir stehen zu unserer Unterschrift", versprach der Staatschef kürzlich ausländischen Wirtschaftsvertretern.

Denn deren Unterstützung braucht er, wenn er die schreienden sozialen Missstände des Landes durch den Aufbau eigener Wertschöpfung nach dem Motto "Produktion statt Almosen" auflösen will. "Humalas Schwerpunkt auf Sozialpolitik ist ja nur zu begrüßen", sagt Zehnle. Deutschland exportiere nun nicht nur Maschinen nach Peru, sondern auch "unser Modell der sozialen Marktwirtschaft".

Wirtschaft brummt trotz harter Währung

So punktet Humala selbst bei Rating-Agenturen. Fitch bemerkte unlängst, Peru sei in seiner Bewertungsklasse Spitzenreiter. Standard&Poors hob die Kreditwürdigkeit des Landes von "BBB-" auf "BBB" an; eine Abkehr vom marktwirtschaftlichen Kurs sei nicht zu befürchten. Die USA und Europa ächzen unter ihrer Schuldenlast, in Peru liegt die Verschuldung dagegen nur bei gut einem Fünftel des Bruttoinlandsprodukts, und die Inflation derzeit bei kaum spürbaren 0,27 Prozent.

Und die peruanische Wirtschaft brummt trotz harter Währung. Peru ist der größte Silberproduzent, der zweitgrößte Kupferlieferant und in Lateinamerika führend bei Gold, Zink und Blei. Diese Branche steht für 60 Prozent der Exporte Perus und ist die Basis des Wirtschaftswachstums von knapp 9 Prozent im vergangenen Jahr, dem in diesem Jahr voraussichtlich gut 6 Prozent folgen. Gigantische Investitionen stehen an: 51 Millarden Dollar sind für Infrastrukturprojekte, von einer Gaspipeline über Wasserkraftwerke bis zum Nahverkehr verplant. Minenkonzerne haben für die fünfjährige Amtszeit Humalas 30 Milliarden Dollar an Investitionen angekündigt.

Chancen, die sich deutsche Unternehmen nicht entgehen lassen. 35 deutsche Bergbaufirmen reisen zur Extemin an - zusätzlich zu den 20 schon in Peru vertretenen. Stahlunternehmen und Logistiker, Maschinen- und Anlagenbaür von ThyssenKrupp Chart zeigen bis Siemens Chart zeigen, von Herrenknecht bis Hamburg Süd bauen ihr Peru-Geschäft aus. Hochtief Chart zeigen ist am Bau eines Wasserkraftwerks beteiligt. Drei Tage nach Humalas Amtsantritt eröffnete der Medizintechniker Dräger Chart zeigen eine Niederlassung in Lima. Bosch und der Maschinenbauer Samson haben gerade neue Vertriebszentren aufgemacht. Faber-Castell plant für seine Buntstiftkollektionen eine weitere Nobelboutique und erweitert seine Produktion vor Ort. In Limas Touristenviertel Miraflores ist für Mitte kommenden Jahres ein ganzer Strassenzug mit neuen Flaggship-Stores von Luxusmarken wie Hugo Boss Chart zeigen projektiert.

"2010 war uns ein Rekordjahr, und 2011 wird wieder eines", sagt Zehnle. Im ersten Halbjahr seien die Ausfuhren nach Deutschland - vor allem Rohstoffe - um 35 Prozent auf 838 Millionen Dollar gestiegen, die Einfuhren aus Deutschland um gut 26 Prozent auf mehr als eine halbe Milliarde Dollar.

Zur Startseite
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • deli.cio.us
  • Pinterest

© manager magazin online 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH












Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service
Ihr persönliches DepotDepot
Twitter-FeedsTwitter-Feeds
manager magazin mobilmm mobil
Partnerangebote
Seminarmarkt: Tanken Sie Karrierewissen Seminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug? GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?
Handytarife: Finden Sie den passenden Tarif Handytarifvergleich:
Finden Sie den passenden Tarif
Handytarife: Finden Sie den passenden Tarif Tablet Tarifvergleich:
Surfen Sie günstiger