Samstag, 18. November 2017

US-Haushalt Großbank warnt Obama vor Finanzkatastrophe

US-Präsident Obama: Er brach am Mittwoch ein Krisentreffen mit den Republikanern ab

In der amerikanischen Schuldenkrise läuft den Kontrahenten die Zeit davon. Es bleiben nur noch Tage, um die Zahlungsunfähigkeit der USA abzuwenden. Jetzt warnt der Chef der Großbank JP Morgan vor einer Staatspleite: Diese könnte die Weltwirtschaft ins Desaster reißen.

New York - Seine Bank hat zuletzt prächtig verdient, und doch gab sich Jamie Dimon am Donnerstag alles andere als gelassen. Der Vorstandschef des zweitgrößten US-Geldhauses JP Morgan Chase macht sich Sorgen - wegen der US-Schuldenkrise und vor allem wegen des noch immer ungelösten Streits über die Anhebung der gesetzlichen Verschuldungsgrenze. Nach der heutigen Drohung der Ratingagentur Standard & Poor's, die Bonität der US-Staatsanleihen weniger solide als bisher einzustufen, hat Dimons Warnung zusätzliches Gewicht erhalten:

"Niemand kann mit Sicherheit sagen, dass ein Zahlungsausfall der USA keine Katastrophe auslösen würde", sagte Dimon am Donnerstag nach der Verkündung der jüngsten Quartalszahlen der Bank. Dimon rechnet für diesen Fall mit einem "ernsthaften Schaden" für die Weltwirtschaft. "Es wäre unverantwortlich, es darauf ankommen zu lassen." Andere Finanzexperten rechnen sogar fest mit einem fatalen Ereignis für die globalen Finanzmärkte, sollten die Amerikaner Rechnungen Platzen lassen müssen.

US-Präsident Barack Obama und die oppositionellen Republikaner im Kongress verhandeln seit Wochen über eine Anhebung des Schuldenlimits von derzeit 14,3 Billionen Dollar. Am Mittwoch soll Obama die Verhandlungen wutschnaubend verlassen haben, nachdem er sich mit dem Fraktionschef der Republikaner im Abgeordnetenhaus, Eric Cantor, einen verbalen Schlagabtausch geliefert hatte. "Genug ist genug", habe Obama gesagt, berichtete ferner das "Wall Street Journal" und sprach von einem neuen Tiefpunkt der Gespräche. Am Donnerstag sollte ein neuer Anlauf unternommen werden.

Angesichts der festgefahrenen Situation droht die Ratingagentur Moody's damit, die Kreditwürdigkeit der USA herabzustufen. Man prüfe den Entzug der Bestnote AAA für US-Staatsanleihen. Der Stillstand in den Verhandlungen erhöht laut Moody's die Gefahr, dass die Schuldenobergrenze nicht rechtzeitig zum 2. August erhöht werden kann. Sollte es bis Mitte Juli keine Entscheidung geben, werde es zu einer Überprüfung des Ratings kommen.

"Ein tatsächlicher Zahlungsausfall, egal von welcher Dauer, würde Moody's Beurteilung über die Pünktlichkeit künftiger Zahlungen fundamental verändern", warnte die Ratingagentur. Die Note AAA sei dann nicht länger angemessen. Moody's und S&P hatten hatten bereits vor einigen Wochen eine mögliche Prüfung oder gar Herabstufung der US-Bonität ins Gespräch gebracht. Auch die chinesische Regierung äußerte sich am Donnerstag besorgt über den Streit und drohte, ihr Engagement in amerikanischen Staatsanleihen zurückzufahren. China ist der größte Gläubiger des Landes.

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