Dienstag, 26. März 2019

Ölförderung Opec-Patt schockt den Westen

Ölpreis: Steigende Notierungen an der US-Ölbörse Nymex nach dem Opec-Beschluss

Es könnte die schlechteste Nachricht für die Weltwirtschaft seit Monaten sein: Das Ölkartell Opec hat sich nicht auf höhere Ölfördermengen geeinigt. Prompt steigt der ohnehin schon hohe Ölpreis weiter - und die US-Regierung warnt stellvertretend für die Industriestaaten vor einer gefährlichen Ölknappheit.

Washington - Saudi-Arabiens Ölminister Ali el Naimi sprach von "einem der schlimmsten Treffen" des Ölstaatenkartells Opec, sogar Sprecher der US-Regierung traten anschließend vor die TV-Kameras. Was zu sagen war, klang nicht gut für die künftige globale Wirtschaftsentwicklung. Denn die Ölminister der Opec hatten auf ihrer Konferenz am Mittwoch in Wien keine Entscheidung über die Erhöhung der Förderquoten getroffen. Dabei zeigt der Ölmarkt schon jetzt deutliche Knappheitserscheinungen: Der Ölpreis ist hoch - und das zum Schaden insbesondere der ölabhängigen Industriestaaten und Schwellenländer.

"Wir denken, dass wir uns in einer Situation befinden, in der das Ölangebot nicht ausreichend ist, um die Nachfrage zu decken", sagte ein Sprecher von US-Präsident Barack Obama dann auch, nachdem das Ergebnis der Opec-Sitzung bekannt geworden war: Die seit Januar 2009 bestehende Förderquote von 24,8 Millionen Barrel pro Tag bleibt unverändert - und das schlimmstenfalls bis zum nächsten Opec-Treffen im Dezember dieses Jahres.

Damit kann es bei der starken saisonalen Nachfrage im kommenden halben Jahr einen "gefährlichen Mangel" an Rohöl auf dem Weltmarkt kommen, wie es die US-Regierung formulierte. Traditionell steigt der Ölverbrauch im Sommer, wenn Millionen Amerikaner mit ihren Autos in die Sommerferien fahren und der zusätzliche Spritverbrauch für Urlaubsfahrten zu Buche schlägt; Ölhändler haben für diese Jahreszeit einen griffigen Begriff gefunden - die Driving Season.

An der Börse hatte die Opec-Entscheidung sofort Einfluss auf den Ölpreis, der in Erwartung der kommenden Knappheit dann auch prompt - und zum Ärger der Ölverbrauccherstaaten - zulegte: Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im Juli kostete im asiatischen Handel 117,96 US-Dollar. Das waren elf Cent mehr als zum Handelsschluss am Vortag. Und der Preis für ein Barrel der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 49 Cent auf 101,23 Dollar; noch kurz zuvor hatte der WTI-Preis unter der 100-Dollar-Marke gelegen.

Iran und Venezuela am Pranger

Die Verweigerungshaltung der Opec kam auch deshalb überraschend, weil der saudische Ölminister al-Naimi für eine Ausweitung der Opec-Fördermenge um täglich 1,5 Millionen Barrel geworben hatte, und Saudi-Arabien gilt als Ölförderriese als einer der Stimmführer innerhalb des Kartells. Doch eine Mehrheit der Opec-Länder, darunter Iran und Venezuela, lehnten den Vorschlag der Saudis zur Förderausweitung ab.

"Die Opec hat unter der Führung von Iran und Venezuela die USA und den Rest der westlichen, ölabhängigen Nationen vor den Kopf gestoßen", kommentierte der demokratische US-Abgeordnete Edward Markey. Das sei ein klares Zeichen dafür, dass Amerika einen Langzeitplan entwickeln müsse, um sich vom Opec-kontrollierten Markt zu lösen.

Dabei hatten die Scheichs ihren Vorschlag zur Förderausweitung offenbar auch deshalb den anderen Opec-Staaten unterbreitet, weil sie selbst fürchten, die weltweite Konjunktur könne abflauen - und damit auch der Ölverbrauch, der ihre eigenen Kassen füllt. Denn weltweit mehren sich die Zeichen, dass die globale Wirtschaftserholung in eine kritischere Phase geraten ist. Und für diese Phase könnte der Ölpreis in den vergangenen Wochen bereits zu stark gestiegen sein: Lag der Preis für ein Fass der Nordsee-Sorte Brent im Dezember noch bei 90 Dollar, kostet es nun 30 Prozent mehr.

Experten der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen halten einen Preis von mehr als 120 Dollar pro Fass für potentiell schädlich für die Konjunktur in den Industriestaaten. In Deutschland beispielsweise verursacht ein Anstieg des Ölpreises um 30 Dollar pro Fass tägliche Mehrkosten von 75 Millionen Dollar.

kst/afp/dpa-afx

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