Dienstag, 22. Januar 2019

Kreditrating Japan droht Bonitätsverlust

Ein Bild des Grauens: Mitarbeiter des Akw-Betreibers Tepco sowie Vertreter der Internationalen Energieagentur (IEA) auf dem Gelände des havarierten Meilers in Fukushima

Erdbeben, Tsunami, Atom-Desaster - und ein enormer Schuldenberg: Die Ratingagentur Fitch stellt die Kreditwürdigkeit Japans infrage. Dabei hat das Land nicht nur Schulden - sondern auch die zweitgrößten Devisenreserven der Welt.

London/Tokio - Die Ratingagentur Fitch hat die künftige Kreditwürdigkeit Japans angezweifelt. Gründe sind die gewaltige Schuldenlast des Landes und die Folgen des verheerenden Erdbebens. Fitch senkte den Ausblick für die langfristige Beurteilung von "stabil" auf "negativ", wie die Ratingagentur am Freitag mitteilte. Die Bonität Japans werde allerdings weiterhin mit der Note "AA" bewertet. Die internationalen Finanzmärkte zeigten sich wenig überrascht: Der japanische Yen reagierte kaum auf die Meldung.

Am deutschen Aktienmarkt machte sich die drohende Herabstufung dagegen stärker bemerkbar. Der Dax Börsen-Chart zeigen notierte nur noch 0,3 Prozent höher bei 7137 Punkten, nachdem er zuvor um bis zu 1,3 Prozent in die Höhe geklettert war. Börsianer erklärten das zum Teil mit der Nachricht Fitch/Japan. "Dass Fitch den Ausblick für die künftige Bewertung der japanischen Staatsanleihen auf negativ gesenkt hat, schürt neue Unsicherheit", sagte ein Händler.

Die Staatsverschuldung Japans habe Ende 2010 bei 210 Prozent des Bruttoinlandsproduktes gelegen, hieß es in der Stellungnahme von Fitch. Das sei der mit Abstand höchste Wert aller Länder, die von der Agentur Fitch bewertet werden. Japan müsse "eine stärkere Konsolidierungsstrategie bei den öffentlichen Haushalten durchführen", forderte ein Fitch-Experte. Dies sei notwendig, um die öffentlichen Haushalte für die Herausforderung einer immer älter werdenden Gesellschaft in Japan zu wappnen.

Auch S&P droht mit Herabstufung

Im April hatte bereits die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) ihren langfristigen Ausblick für Japan gesenkt und damit eine weitere Herabstufung der Kreditwürdigkeit des Landes in Aussicht gestellt. Berechnungen von S&P zufolge kommen auf Japan nach dem verheerenden Erdbeben vom 11. März gewaltige Wiederaufbaukosten von bis zu 50 Billionen Yen (über 400 Milliarden Euro) zu. Zuvor hatte S&P mit einem Warnschuss zur Kreditwürdigkeit der USA Schockwellen an den Märkten ausgelöst. Außerdem stellte die Agentur kürzlich die Bonität Italiens infrage.

Fitch urteilte, Japan stelle eine Ausnahme in der Riege der hoch verschuldeten Industrienationen dar. So verfüge das Land über die zweitgrößten Devisenreserven der Welt. Außerdem habe Japan im Gegensatz zu vielen anderen hoch verschuldeten Ländern in den vergangenen Jahren vor allem bei Gläubigern im eigenen Land Geld geliehen. Schließlich sei die Staatsverschuldung Japans auf vergleichsweise viele Gläubiger verteilt.

Das Land kämpfe derzeit mit den Folgen der verheerenden Erdbebenkatastrophe, begründete auch Fitch. Zwar werde der Wiederaufbau im Norden Japans das Wirtschaftswachstum in diesem und im nächsten Jahr zusätzlich antreiben. Allerdings könnten auch Verzögerungen beim Wiederaufbau dazu führen, dass japanische Unternehmen ihre Produktion ins Ausland verlagern. Zudem seien die bisher noch unbekannten Kosten der Nuklearkatastrophe in Fukushima "ein bedeutendes Risiko" für die öffentlichen Finanzen des Landes.

Ferner machen sich die Experten von Fitch Sorgen um die sinkende Sparquote Japans in den vergangenen Jahren. Nach Einschätzung der Fitch-Experten steht diese Entwicklung in einem engem Zusammenhang mit der fortschreitenden Überalterung der japanischen Gesellschaft.

cr/dpa/rtr

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