Samstag, 22. Juli 2017

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Schuldzinsen Griechenland muss Rekordpreis zahlen

Börsenhandel: Steigende Zinsen für Griechenland-Anleihen

Keine Atempause für Griechenland: Die Zinsen für Staatsanleihen des südeuropäischen Staates kletterten auf den höchsten Stand seit dessen Beitritt zur Euro-Zone. Noch mehr Europa-Solidarität erscheint unausweichlich.

Berlin/Rom/London - Griechenland gerät immer stärker unter Druck: Spekulationen über eine anstehende Umschuldung haben die Risikoaufschläge für Staatsanleihen des Euro-Landes am Donnerstag auf Rekordhöhen getrieben. Besonders bei Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit zeigte sich der massive Anstieg. Die Zinsen schnellten am Donnerstag auf mehr als 13 Prozent - ein Rekordwert seit dem Beitritt Griechenlands zur Euro-Zone im Jahr 2001. Für zweijährige Papiere sind 18,3 Prozent Risikoaufschläge fällig, so viel wie seit dem bisherigen Höhepunkt der griechischen Schuldenkrise vor knapp einem Jahr nicht mehr.

Finanzminister Wolfgang Schäuble hatte mit einem Interview für Aufregung gesorgt, in dem er darauf verwies, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Europäische Zentralbank (EZB) im Juni eine Überprüfung der Schuldentragfähigkeit Griechenlands vorlegen müssten. Sollte dieser Bericht Zweifel daran äußern, "dann müssen weitere Maßnahmen ergriffen werden".

An den internationalen Finanzmärkten waren Schäubles Worte als Hinweis auf eine deutsche Bereitschaft zu einem Schuldenschnitt gewertet worden - auch wenn der Finanzminister betont hatte, dass bis 2013 nur eine freiwillige Beteiligung privater Gläubiger in Frage komme.

EZB-Direktor warnt vor "Katastrophe" der Umschuldung

Mittlerweile bewerten Bösenprofis die Wahrscheinlichkeit einer Umschuldung Griechenlands mit 60 Prozent, wie eine Umfrage unter 21 Analysten ergab. "Griechenland hat ernste Probleme mit der Wettbewerbsfähigkeit, und die Schuldenlast ist die höchste", sagte BayernLB-Analyst Gebhard Stadler.

Die EZB versucht dagegen, die Diskussion über eine Umschuldung kleinzuhalten. Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi warnte, Griechenland dürfe nicht in solch eine "Katastrophe" getrieben werden. "Nach unserer Analyse würde eine Restrukturierung der Schulden zu einem Ausfall eines großen Teils des griechischen Bankensystems führen", sagte Bini Smaghi der Zeitung "Il Sole 24 Ore". Die Wirtschaft des Landes würde dann in die Knie gehen - mit verheerenden Folgen für den sozialen Zusammenhalt und die Demokratie in Griechenland.

Die Regierung in Athen beeilte sich zu erklären, sie wolle eine Umschuldung mit Hilfe eines kräftigen Konjunkturschubs noch verhindern. In den nächsten Tagen will sie ein umfangreiches mittelfristiges Spar- und Reformprogramm präsentieren, mit dem die Wirtschaft des Landes stufenweise angekurbelt werden soll. Die Unruhe wächst, da Griechenland im kommenden Jahr wieder selbst Kapital am Markt aufnehmen soll, was angesichts der extrem hohen Risikoprämien aber als unrealistisch erscheint. Es ist damit fraglich, ob das im Mai 2010 geschnürte Kreditpaket von EU, IWF und Euro-Staaten für Griechenland über insgesamt 110 Milliarden Euro ausreichen wird.

fdi/rtr

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